Schnee ist im polnischen Wisla noch immer nicht gefallen, das Kribbeln ist bei Andreas Wellinger und Severin Freund kurz vor dem Saisonstart dennoch zu spüren. "Ich kann es kaum erwarten", sagt Olympiasieger Wellinger, der den gesamten vergangen Winter verletzt verpasst hatte. Ähnlich klingt Ex-Weltmeister Freund, der nach mehreren Rückschlägen ebenfalls vor einem Neuanfang steht.

Freund und Wellinger mögen zwei verschiedene Skisprung-Generationen sein - Freund ist mit 32 so etwas wie der Oldie im deutschen Team, Wellinger dagegen ist gerade erst 25 geworden.

Wisla
Comeback nach 20 Monaten: Wellinger dämpft Erwartungen
17/11/2020 AM 07:46

Doch wenn am Freitag auf der Adam-Malysz-Schanze in Wisla der WM-Winter beginnt, eint beide Adler die Sehnsucht nach der Rückkehr in die Weltspitze. Dorthin also, wo beide schon waren.

Das gilt vor allem für Wellinger. Der Goldjunge von Pyeongchang erlitt im Juni 2019 einen Kreuzbandriss, quälte sich in Krafträumen, nun steht vor seinem Comeback. "Klar, ich will wieder ganz nach oben", sagt der Bayer angesichts des nahenden Winters: "Aber man kann lange noch nicht sagen, ob es auch bis dahin reicht." Wohl wahr: Bei den Deutschen Meisterschaften Ende Oktober reichte es gerade einmal zum 13. Platz.

Wellinger dämpft Erwartungen vor Comeback

Bundestrainer Stefan Horngacher macht sich dennoch keine Sorgen. "Andi hatte im Frühjahr und Sommer starke Sprünge. Zuletzt hatte er ein kleines Tief, aber das ist weiter nicht tragisch. Eigentlich ist es mir lieber, als wenn die Kurve zu schnell nach oben schießt", sagt Horngacher. Seine Begründung: "Dann wird man meistens arbeitsmüde."

So aber büffelt Wellinger weiter fleißig. Wie in seiner Zwangspause, als er die Welt bereiste und für den Pilotenschein lernte ("Meine Landungen sind noch ein bisschen holprig"), nutzt der Bayer jede freie Minute. Beim Auftakt in Wisla, wo er 2014 den ersten Weltcupsieg seiner Karriere feierte, wolle er dennoch "erst einmal kleine Brötchen backen". Schließlich ist die Saison noch lang.

Andreas Wellinger dämpft Erwartungen vor Comeback

Fotocredit: Imago

Das gilt auch für Freund, den Weltmeister von 2015 und Gesamtweltcup-Gewinner von 2014/15. Gleich zwei Kreuzbandrisse warfen den Niederbayern in der Folge zurück, seine letzte Top-Ten-Platzierung holte er im Dezember 2016.

Freund mit aufsteigender Form

Ob er tatsächlich noch einmal zurückkommt? Der Sommer macht ihm immerhin Mut. "Ich bin richtig gut durchgekommen", sagt Freund, fügt dann aber an: "Trotzdem hoffe ich, dass ich mich noch verbessern kann."

Trainer Horngacher betont immerhin, dass "Severin langsam wieder in Schuss" komme. Doch auch der Familienvater Freund weiß, dass er nicht jünger wird. Wann er denn aufhören würde, wurde er jüngst gefragt. Seine Antwort: "Wenn die Leistung nicht mehr stimmt, oder wenn es körperlich nicht mehr funktionieren würde. Oder wenn ich merke, dass das Feuer aus ist. Das könnte theoretisch auch schnell gehen."

Noch aber brenne das Feuer in ihm, betont Freund immer wieder. Zumal mit der Heim-WM 2021 in Oberstdorf und Olympia 2022 in Peking zwei echte Highlights vor der Tür stehen. Für ihn, aber auch für Andreas Wellinger.

Das deutsche Aufgebot für den Weltcup-Auftakt: Markus Eisenbichler (Siegsdorf), Severin Freund (Rastbüchl), Karl Geiger (Oberstdorf), Martin Hamann (Aue), Pius Paschke (Kiefersfelden), Constantin Schmid (Oberaudorf), Andreas Wellinger (Ruhpolding)

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(SID)

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