Den Herzenswunsch von Gold bei der "Weltmeisterschaft dahoam" hat sich Katharina Althaus schon im Mixed erfüllt. Doch der eigentliche sportliche Traum - jener von Althaus und einer ganzen Generation von Skispringerinnen - wird erst jetzt Realität. "Ich habe mir immer gewünscht, auf der großen Schanze eine WM zu haben", sagt die Oberstdorferin. Dass dies am Mittwoch ausgerechnet auf "ihrem" Bakken am Schattenberg geschieht, ist da einfach nur "Wahnsinn".
Dass die Springerinnen einen weiteren, anno 2021 eigentlich selbstverständlichen Schritt zur Gleichberechtigung machen, ist der vorläufige Höhepunkt einer rasanten Entwicklung. "Es ist irre", sagte Althaus bei einem Sponsorentermin der Firma Viessmann vor der Premieren-Entscheidung von der Großschanze (am Mittwoch ab 17.15 Uhr im Eurosport Liveticker), "was die letzten Jahre alles passiert ist."
Wenig mehr als ein Jahrzehnt liegt der erste, na ja: "Sprung" einer Frau bei Weltmeisterschaften zurück. Als die zwölfjährige Tschechin Natalie Dejmkova 2009 in Liberec mit der Startnummer eins im ersten Trainingsdurchgang bei nicht einmal 30 Metern auf den Hang plumpste und kopfüber talwärts rutschte, hatten die notorischen Spötter ihren Spaß - und sahen sich in ihrer Ablehnung des Frauen-Springens bestätigt.
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Gian-Franco Kasper, damals wie heute Präsident des Weltverbandes FIS, zeigte sich ernsthaft besorgt, dass es Skispringerinnen "bei der Landung die Gebärmutter zerfetzen" könnte". Alexander Arefijew, Trainer der russischen Skispringer, schwadronierte steinzeitsexistisch, dass Frauen "einen anderen Zweck" hätten: "Kinder bekommen, Hausarbeit und sich um die Familie kümmern."

Skisprung-Damen kämpfen weiter um Gleichberechtigung

In jenen zwölf Jahren seit Liberec jedoch "ist das Frauen-Skispringen weit gekommen", sagte die deutsche Pionierin Ulrike Gräßler, damals Vizeweltmeisterin, dem "SID": "2009 musste ich mich beinahe noch rechtfertigen, bei einer WM um Medaillen kämpfen zu wollen. Heute stellt sich diese Frage längst nicht mehr. Was sich gerade in den letzten zwei, drei Jahren getan hat, ist toll."
Allerdings müssen sich Gräßlers Nachfolgerinnen weiterhin jeden Schritt mühsam erkämpfen. "Skifliegen wäre die nächste Stufe", sagt Österreichs Schanzen-Dauerbrennerin Daniela Iraschko-Stolz (37), die bei der WM-Premiere Vierte war und in Oberstdorf ihre Medaillen sieben und acht gewann. Doch gegen das wettkampfmäßige Frauen-Fliegen stemmen sich weiterhin Entscheidungsträger im Weltverband, die ewigen Bemühungen um eine Vierschanzentournee stocken gleichfalls.
Generell sei er ja für eine Frauen-Tournee offen, sagte FIS-Renndirektor Sandro Pertile dem Deutschlandfunk, es gebe aber noch zu wenig Frauen auf höchstem Niveau: "Wir können kein Top-Event für ein paar Athletinnen organisieren." Beim ersten Frauen-Weltcup der Saison traten 61 Springerinnen zur Qualifikation an, bei der Tournee-Ausscheidung in Oberstdorf kurz darauf hatten 62 Springer gemeldet.
Das Ringen der Frauen um Schanzengleichheit wird andauern, bei der WM dürfen die Springerinnen aber erstmal ihren Teilerfolg auskosten. Vor allem für Althaus, die einst als Achtjährige bei der Oberstdorfer WM 2005 mit leuchtenden Augen ihre Idole anfeuerte, werden es Momente schieren Glücks.
"Ich habe als kleines Mädel an der Schanze mitgefiebert und fleißig Autogramme gesammelt, auf einem XXL-T-Shirt über meiner dicken Winterjacke", sagt sie: "Dass das Mädel, das unbedingt immer skispringen wollte, jetzt hier Weltmeisterin wird, ist Wahnsinn."
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(SID)

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