Martin Schmitt ergänzte: "Man sollte als Jury nicht ins Wettkampfgeschehen eingreifen, wenn es nicht nötig ist. Und vor der letzten Springerin macht man das wirklich nur in größter Not."
Dies war im zweiten Durchgang jedoch nicht der Fall. Die Dritte nach dem ersten Durchgang, Sara Takanashi (Japan), und die Zweite nach dem ersten Durchgang, Ema Klinec (Slowenien), sprangen vor Marita Kramer 100 beziehungsweise 100,5 Meter. Der Hillsize der Normalschanze liegt bei 106 Meter.
Im ersten Durchgang hatte Kramer mit einem Traumsprung auf 109 Meter einen neuen Schanzenrekord aufgestellt, allerdings bei besseren Bedingungen. Solch einen Sprung weit über Hillsize wollte die Jury im Finale verhindern und verkürzte deshalb nur für Kramer den Anlauf.
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WM: Klinec fliegt zu Gold - DSV-Damen abgeschlagen
25/02/2021 AM 17:46
So ging es eine Luke nach unten. Kramer kam bei Rückenwind nur auf 98 Meter und fiel von Platz eins auf vier zurück. Anschließend war der Ärger im österreichischen Lager groß. Martin Schmitt sagte dazu: "Ich würde jetzt nicht soweit gehen und von 'Betrug' oder 'Sauerei' sprechen. Das finde ich überzogen, aber auch den Emotionen geschuldet."

"Wahnsinnssprung": Kramer mit Schanzenrekord auf der Normalschanze

Schmitt: "Marita hätte es selbst in der Hand gehabt"

Aus Sicht von Schmitt lag es aber nicht allein an der Anlaufverkürzung, dass Kramer die Medaille verpasste. "Marita hätte es selbst in der Hand gehabt, mit einem guten Sprung und einer sauberen Landung noch die Medaille, vielleicht sogar Gold zu sichern", sagte der Doppel-Weltmeister von 2001.
Bei ihrem Finalsprung verpatzte Kramer jedoch die Telemarklandung, wofür ihr die Wertungsrichter Punkte abzogen und nur Haltungsnoten zwischen 15,5 und 16,5 vergaben. Dadurch gingen ihr mindestens 1,5 Punkte pro Wertungsrichter verloren. Dies verhinderte mindestens eine Silbermedaille. Auf Maren Lundby aus Norwegen auf Rang zwei fehlten Kramer letztlich nur 1,3 Punkte.
So endete der Wettkampf für die junge Österreicherin mit dem undankbaren vierten Platz und Ema Klinec wurde Weltmeisterin. Aus Sicht von Schmitt bitter, denn Kramer "war eigentlich die Beste, das hat sie im ersten Durchgang mit dem Schanzenrekord eindrucksvoll demonstriert. Im zweiten Durchgang hat sie das nicht mehr ganz so rübergebracht."

"Ausgezeichneter Sprung": So sicherte sich Klinec den WM-Titel

"Für sie als 19-Jährige ist es in der Situation aber auch nicht einfach, dem Druck Stand zu halten", erklärte Schmitt ihren nicht perfekten Sprung im Finale.
Eine neue Chance auf eine Medaille hat Kramer bereits am Freitag. Um 17:15 Uhr (live im Free-TV bei Eurosport 1 und bei Eurosport auf Joyn!) steht das Teamspringen bei den Damen auf dem Programm, das erneut auf der Normalschanze ausgetragen wird. Dort zählen die Österreicherinnen zu den Mitfavoritinnen.
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Packendes Finale: Tränen und große Emotionen bei Klinec und Kramer

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