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145 Jahre Snooker: Ein Monsuntag in Indien gilt als Geburtsstunde
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Publiziert 15/05/2020 um 11:41 GMT+2 Uhr
England gilt als Mutterland des Snooker. Dabei wurde der Sport nicht in England erfunden, sondern in Indien. 145 Jahre ist das jetzt her. Daran erinnern gerade auch die World Snooker Tour und die India Business Group. Neville Chamberlain (nicht der spätere Premierminister) war Leutnant in der britischen Kolonialarmee und gilt als Erfinder von Snooker. Er hat dem Sport auch den Namen gegeben.
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Fotocredit: Eurosport
Es war die Monsunzeit im Jahr 1875 im indischen Jubalpur. Der Monsunregen strömte vom Himmel. Vor die Tür wollte bei diesem Wetter niemand, und so vertrieben sich die Offiziere die Zeit im Kasino.
Dort stand auch ein Billardtisch, aber es wurde überwiegend Black Pool gespielt. Dabei sind 15 rote und ein schwarzer Ball auf dem Tisch. Der gelangweilte Neville Chamberlain nahm einige andersfarbige Bälle hinzu und experimentierte herum. Dabei kam ihm dann auch die taktische Idee, dass man Bälle hinter anderen verstecken kann; das nennen wir heute snookern.
Chamberlain gab "Snooker" seinen Namen
Wie Snooker zu seinem Namen kam, darüber gibt es zwei unterschiedliche Erzählungen. "Snooker" war damals eine abwertende Bezeichnung für Kadetten, also die Neulinge in der Armee, die Offiziere werden wollten.
Eine Legende besagt nun, ein Kamerad, dem Chamberlain das neue Spiel vorführte, habe den Erfinder mit den Worten "You are a real snooker" beschimpft, nachdem er feststellte, dass der Spielball sozusagen versteckt war. Wahrscheinlicher ist aber die von Chamberlain selbst verbreitete Variante: Weil sie alle Neulinge in diesem Spiel waren, nannte er es Snooker. Und der Name blieb kleben.
Snooker wurde vorerst nur in Indien gespielt
Auch die nächste Snooker-Etappe spielte sich in Indien ab. Leutnant Chamberlain wurde nämlich nach Ootacamund versetzt. Im Ootacamund Club, "Snooty Ooty" genannt, einem typischen Gentlemen’s Club, feilte er weiter an seiner Idee. Dort soll er auch erstmals die Snooker-Regeln aufgeschrieben und ausgehängt haben.
Den Club gibt es heute noch, darin befindet sich auch ein Billard-Raum mit einem Tisch aus der Epoche. Es ist nicht sicher, aber es kann durchaus sein, dass Neville Chamberlain noch an diesem Tisch gespielt hat. Sozusagen der heilige Gral des Snooker.
John Roberts Jr. bringt Snooker nach England
Snooker blieb lange Zeit eine Sache der britischen Kolonialarmee in Indien. Bis die neue Variante den Sprung nach England schaffte, dauerte es. Das passierte erst 1885: John Roberts Jr. lernte bei einer Rundreise durch Indien Snooker kennen und traf auch Neville Chamberlain.
Roberts war bis dahin bekannt als English-Billiards-Spieler und verdiente sein Geld auch als Hersteller von Queues und Bällen. Und er war geschäftstüchtig: Schnell erkannte er, dass es lukrativer wäre, Sätze mit 22 Bällen zu verkaufen statt nur der drei Bälle, die beim English Billiards gebraucht werden.
Roberts also brachte das Spiel nach England. Aber Snooker blieb zunächst einmal der klitzekleine Bruder des English Billiard, das damals viel populärer war.
Snooker war erstmal nur ein Anhängsel des English Billards
English Billiards wird auf denselben Tischen wie Snooker gespielt; daher gibt es auch heute noch die „Baulk Line“ (Hindernis-Linie), die beim Snooker ja keine Bedeutung hat, beim English Billiards aber sehr wohl. Punkte holt man beim English Billiards durch Karambolagen und durch das Lochen von Bällen. Die Spieler damals spielten eigentlich alle in erster Linie English Billiards, Snooker lief nur nebenbei. Oft war es so, dass nach einer English-Billiards-Session noch ein Snooker-Frame sozusagen als Zugabe gespielt wurde.
Das änderte sich erst mit Joe Davis, der zum ersten echten Snooker-Star werden sollte. Auch Davis (nicht verwandt oder verschwägert mit Steve Davis) kam vom English Billiards, erkannte aber, dass Snooker eine etwas andere Spieltechnik und auch ein leicht modifiziertes Queue erforderte.
Joe Davis macht Snooker populär und organisiert die erste WM
Davis gehörte auch zu den Organisatoren der ersten Weltmeisterschaft und holte sich 1927 prompt den Titel. 1946 sollte er als ungeschlagener Weltmeister seine WM-Karriere beenden. Zwei Jahre zuvor war Neville Chamberlain verstorben.
1916 wurde dann die erste Snooker Championship der Amateure ausgespielt, die heutige English Amateur Championship. Bis auf die Kriegsjahre 1941 bis 1945 hat diese Meisterschaft jedes Jahr stattgefunden und ist damit das älteste Snooker-Turnier der Welt.
Dabei gab es damals nicht einmal einheitliche Regeln. Die wurden erst 1919 formalisiert. Damals wurde auch die Re-spotted Black bei Punktegleichstand am Ende eines Frames eingeführt. Natürlich gab es auch danach noch einige Regeländerungen, aber das Gerüst wurde (zum Glück) nie verändert.
Herzliche Grüße und bleibt gesund
Ihr / Euer Rolf Kalb
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