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Mister Konstanz: Hawkins hat die Crucible-Lektionen gelernt

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Barry Hawkins (links) traf im WM-Finale 2013 auf Ronnie O'Sullivan

Fotocredit: Imago

VonRolf Kalb
12/05/2020 Am 13:34 | Update 12/05/2020 Am 13:41
@Rolf_Kalb

Wenn es um die WM-Favoriten geht, dann wird der Name Barry Hawkins eher selten genannt. Dabei ist er doch Mister Konstanz im Crucible Theatre. Denn keiner spielte in den letzten Jahren dort so konstant wie der Engländer. Einmal stand er im Finale, vier Mal schaffte er es ins Halbfinale und einmal ins Viertelfinale. Lediglich im letzten Jahr war für den 41-Jährigen bereits im Achtelfinale Schluss.

Dabei war das zu Beginn nicht gerade eine tiefe Liebe zwischen Barry Hawkins und dem Crucible Theatre. 2006 war er zum ersten Mal bei der WM-Endrunde dabei und musste sofort reichlich Lehrgeld zahlen: Mit 1:10 kassierte er gegen Ken Doherty eine heftige Klatsche. Auch in den folgenden Jahren war er zwar immer im Theater der Snooker-Träume dabei, nur ein Sieg wollte ihm nicht gelingen. Fünf Mal scheiterte er in der ersten Runde.

Seinen ersten Sieg im Crucible feierte The Hawk erst im Jahr 2011, als er Stephen Maguire mit 10:9 schlug. Aber auch das wäre beinahe schiefgegangen. Hawkins hatte schon mit 8:4 geführt, aber Maguire zwang ihn trotzdem über die volle Distanz, ehe Hawkins dank einer 92 seinen ersten Crucible-Sieg perfekt machte. Im Achtelfinale verlor er dann aber mit 12:13 gegen Mark Allen, obwohl er schon mit 7:3 geführt hatte. Auch 2012 war für ihn wieder im Achtelfinale Schluss.

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WM-Finale gegen Ronnie O'Sullivan

2013 startete Hawkins dann aber so richtig durch und stürmte bis ins Finale. In der ersten Runde fertigte er Jack Lisowski mit 10:3 ab, um anschließend einen ersten echten Härtetest gegen Mark Selby mit 13:10 zu bestehen. Nach einem 13:7 gegen Ding Junhui und einem 17:14 über Ricky Walden stand er im Endspiel, wo Titelverteidiger Ronnie O’Sullivan auf ihn wartete. Zunächst ließ sich Hawkins nicht abschütteln. Eine Vorentscheidung fiel erst, als O’Sullivan von 8:7 auf 14:9 davonzog. Am Ende verteidigte O’Sullivan seinen Titel mit 18:12.

Barry Hawkins 2013 bei seinem WM-Halbfinal-Erfolg gegen Ricky Walden

Fotocredit: Imago

Im Jahr darauf erreichte Hawkins erneut das Halbfinale. Wieder war es O’Sullivan, der ihn stoppte (und der danach das Endspiel gegen Selby verlor). Halbfinale 2015, Viertelfinale 2016 und wieder Halbfinale in den Jahren 2017 und 2018 waren die nächsten Stationen.

Bei den letzten sieben Weltmeisterschaften stand Hawkins also fünf Mal zumindest im Halbfinale und gar sechs Mal im Viertelfinale. Selby wurde in dieser Phase zwar drei Mal Weltmeister, kam aber ansonsten nicht über das Achtelfinale hinaus. O’Sullivan erreichte in diesen sieben Jahren nur zwei Mal zumindest die Vorschlussrunde. Der Bilanz von Hawkins noch am nächsten kommt Judd Trump mit einem Titel, drei Halbfinals und fünf Viertelfinals insgesamt in diesem Zeitraum.

Hawkins hat das Crucible Theatre gelernt

Diese Zahlen zeigen, wie sehr auf Hawkins gerade in diesem Schmelztiegel des Snooker Verlass ist, obwohl bei seiner Serie von Erstrunden-Niederlagen in der Frühphase seiner Karriere nicht viel dafür sprach. Diese Konstanz kommt nicht von ungefähr. Das Crucible kann und muss man nämlich lernen.

Man muss lernen über diese lange Distanzen zu spielen. Man muss lernen, mit dem Start-Stopp-Modus der ersten beiden Runden zurechtzukommen; da hat man ja zwischen den einzelnen Matches auch Ruhetage und muss die Balance zwischen Spannung und Erholung finden. Man muss lernen, mit dem atemraubenden Rhythmus ab dem Viertelfinale zurechtzukommen. Und vor allem muss man lernen, mit dem Druck umzugehen, für den die einzigartige Atmosphäre im Crucible Theatre sorgt. So erklärt sich auch, warum viele Debütanten im Crucible erst einmal keine gute Figur machen.

2019 scheiterte Barry Hawkins bereits im Achtelfinale an Kyren Wilson

Fotocredit: Imago

Barry Hawkins fehlt noch der WM-Titel

Nur: Die Größe einer Karriere bemisst sich nicht nach Viertel- oder Halbfinals, sondern nach den Titeln. Und der WM-Titel fehlt Hawkins eben noch. Dass er eigentlich nie zu den Favoriten gezählt wird, das wird dem Engländer eher Recht sein; unter dem Radar ist der Druck eben nicht ganz so groß. Die Voraussetzungen, um Weltmeister zu werden, bringt Hawkins sicherlich mit. Seine Lektionen hat er gelernt. Aber je länger er warten muss, desto schwerer wird es natürlich auch.

QUIZ: Kennst Du die Snooker-Spieler mit den meisten Century Breaks?

Hat er bei der WM 2020 eine Chance? Dann kann derzeit natürlich niemand beurteilen. Die Saison war für ihn bisher allenfalls durchwachsen. Manchmal wirkte er etwas überspielt und hat auch zugegeben, dass ihm bei dem hektischen Saisonverlauf ein bisschen die Freude am Snooker abhandengekommen ist. Nach der langen Zwangspause jetzt dürfte die Lust aber wieder da sein, wenn wirklich ab dem 31. Juli gespielt werden kann.

Herzliche Grüße und bleibt gesund

Ihr / Euer Rolf Kalb

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