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Ende einer Ära: Die European Tour ist Geschichte (und lebt doch weiter)

Ende einer Ära: Die European Tour ist Geschichte (und lebt doch weiter)

29/02/2016 um 13:53Aktualisiert 29/02/2016 um 15:27

Das war es also: Mit dem Sieg von Mark Selby beim Gdynia Open endete eine Ära. Die European Tour ist Geschichte. Am Ende zeigte Selby im Finale noch einmal, wie reizvoll auch solch ein Format sein kann. Phänomenale Bälle hat er gelocht und aus den krudesten Bildern frameentscheidende Breaks gezaubert. Das war allerbeste Snooker-Unterhaltung, die der Weltranglisten-Erste da geboten hat.

Aber nun das Ende. Gegründet wurde die Serie 2010 und dem Namen Players Tour Championship (PTC). Es war damals in erster Linie eine Beschäftigungstherapie für die Spieler angesichts der geringen Zahl an Turnieren, und der Anfang war sehr rumpelig. Events in der World Snooker Academy ohne Publikum und ohne Bilder waren weder für Fans noch für Spieler attraktiv. Als dann aber mit den Jahren die European Tour daraus entwickelt wurde, da wurde die Sache runder.

Das Ende kam jetzt aus finanziellen Gründen: Die European Tour ist für World Snooker über die ganzen Jahre hinweg ein Zuschussgeschäft geblieben.

Bei vielen hält sich die Trauer über das Ende der Serie in Grenzen. Viele Fans konnten sich nie für die kurzen Distanzen erwärmen. Auch bei einer Reihe von Spielern hielt sich die Begeisterung für diese Events in Grenzen. Viele zu investierenden Wochenenden und viel Reiserei bei vergleichsweise geringem Preisgeld waren für sie nicht attraktiv genug. Nicht immer gingen deshalb alle Spieler die Turniere auch wirklich mit der gebotenen professionellen Einstellung an; einige fühlten sich gar wie auf einem Party-Wochenende. Hinzu kamen die manchmal nicht optimalen Tischbedingungen (aber das gibt es auch bei sogenannten großen Turnieren).

Andere Spieler dagegen haben enorm von der European Tour profitiert und haben sie deshalb auch geschätzt. Der regelmäßige Spielbetrieb hat ihnen geholfen, ihr Spiel zu entwickeln und zu verbessern. Gleichzeitig verloren sie die Angst vor großen Namen. Den Aufstieg von Spielern wie Mark Davis, Joe Perry oder auch Stuart Bingham in die absolute Weltspitze (und das in relativ hohem Alter) hätte es meiner Meinung nach ohne die European Tour nicht gegeben.

Ich mochte auch immer den Mix aus Profis und Amateuren. Auch wenn es viele einseitige Matches gab war es für die Amateure eine gute Gelegenheit, an der Welt der Profis zu schnuppern und zu lernen. Außerdem hat die European Tour dem Schiedsrichterwesen einen enormen Schub gegeben. Leute wie Marcel Eckardt, Maike Kesseler und andere haben sich auf der Tour ihre ersten Sporen verdient. Ob sie auch ohne diese Serie in die Eliteliga der Schiedsrichter aufgestiegen wären erscheint zweifelhaft. Und nicht zu vergessen: Die European Tour hat für viele Fans Turnier-Snooker vor die Haustür gebracht!

Aber wie hieß es schon in einem Song von Trude Herr: „Niemals geht man so ganz.“ Die Riga Open, das Paul Hunter Classic und das Gibraltar Open werden auf jeden Fall auch in der nächsten Saison ausgetragen. In Gdynia sucht man noch nach einem Weg, um das Turnier fortzuführen. Außerdem gibt es einige neue volle Ranglisten-Turniere. So wird es in Bukarest eine Europameisterschaft geben. Außerdem gibt es die neue Home Series, bei der dem bestehenden Welsh Open eine English Open, eine Scottisch Open und eine Irish Open zur Seite gestellt wird. Das ist auf jeden Fall die gute Nachricht für die Fans: In der Saison 2016/17 wird nicht weniger Snooker gespielt werden, sondern eher mehr.

Herzliche Grüße

Ihr / Euer Rolf Kalb

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