Bei den Matches von Trump in der letzten Woche konnte man ja oft den Eindruck haben, dort stünde Mark Selby in der Version 2.0 am Tisch. Trump gewinnt gleich reihenweise die knappen Kampf-Frames, er gewinnt auch Matches mit seinem B- oder C-Spiel und er legt Comebacks hin wie sonst nur Selby.

Dazu kommt ein herausragendes Safespiel. Sein faszinierendes Lochspiel hat er aber nicht eingebüßt. Bestes Beispiel war die Rote an der langen Bande aus dem achten Frame des gestrigen Finales.

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"Aber dann, Wow!": Trump mit genialer Roten

Judd Trump: Ein kompletter Spieler

Erinnert sich eigentlich noch jemand an den Schönwetter-Spieler Trump? An den, der alle Gegner überrollen konnte, wenn sein Spiel funktionierte. An den, der keine andere Möglichkeit hatte, wenn das nicht klappte. An den, der unter Druck massiv abbaute. Dieser Judd Trump gehört der Vergangenheit an.

Der Judd Trump von heute hat seine alten Qualitäten behalten (und spielt manchmal noch immer freches Snooker), hat aber eben auch eine Vielzahl neuer Stärken hinzugewonnen. Die klare Führung in der Weltrangliste ist kein Zufall.

Wenn man Erfolg hat, dann fällt einem natürlich alles leichter. Siege führen nun einmal im Snooker zu Siegen. Wenn das Selbstbewusstsein groß ist und keine Zweifel vorhanden sind, dann gewinnt man auch. Das spielt Trump derzeit sicher in die Karten. Die zehn Endspielsiege in Folge unterstreichen das. Da wackelt ein weiterer Rekord von Stephen Hendry. Allerdings: Jede Serie geht irgendwann auch einmal zuende.

Judd Trump: Harter Arbeiter für den Erfolg

In den Schoß gefallen sind Trump diese Entwicklungssprünge natürlich nicht. Er hat sie sich, mit Hilfe seines Bruders Jack, hart erarbeitet (das Familienunternehmen Trump scheint sich perfekt zu ergänzen). Allerdings hat Judd dafür auch einen Preis bezahlt. Wie er gestern nach dem Finale andeutete, bestand sein Leben in den letzten zwei Jahren im Wesentlichen aus drei Dingen: Essen, Schlafen und Snooker. Das ist eine Schlagzahl, die man nicht ewig durchhalten kann.

Daher ist es verständlich, wenn er das jetzt wieder etwas reduzieren will. Auch das deutete er ja nach dem Endspiel an. Natürlich wird er weiter die Arbeit am Trainingstisch investieren. Aber eben nicht nur. Für anderes soll in seinem Leben auch Platz sein. Damit ihm eben auch noch der Spaß am Snooker bleibt: "Wenn ich einen Burnout bekomme kann mich das auch meine Karriere kosten." Unrecht hat er damit nicht.

Spannend bleibt die Frage, ob er da wirklich die Balance hinbekommt. Und es bleibt auch abzuwarten, was passiert, wenn es bei ihm einmal nicht mehr so rund läuft. Aber in den letzten Jahren hat er im Prinzip alles richtig gemacht. Daher kann auch das klappen. Das wäre dann der nächste Entwicklungsschritt.

Herzliche Grüße

Ihr / Euer Rolf Kalb

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