English Open - Ronnie O'Sullivan klagt: "Snooker ist ein bisschen toxischer geworden"
Der sechsmalige Weltmeister Ronnie O'Sullivan macht sich Sorgen um die Atmosphäre innerhalb der Spieler auf der Profitour. In einem exklusiven Eurosport-Interview vor den English Open sagte er: "Ich habe das Gefühl, dass Snooker in vielerlei Hinsicht ein bisschen toxisch geworden ist." Dies habe er erstmals 2018 erlebt. Zugleich warnte der 45-Jährige vor einem möglichen "Autounfall".
Ronnie O'Sullivan
Fotocredit: Getty Images
"Es gab eine Zeit, in der ich dachte, die Dinge könnten anders gemacht werden, wovon dann alle auf der Tour profitieren könnten", erzählte Ronnie O'Sullivan.
In 2018 behauptete er, er sei "bereit zu gehen" und eine abgespaltete "Snooker Champions League" zu gründen, nachdem er sich über die Anzahl der Turniere im regulären Kalender und die erforderlichen Reisen beschwert hatte.
Jedoch wollte offenbar keiner an dieser Idee mitwirken. Er habe nie die Unterstützung von anderen Spielern bekommen, so O’Sullivan damals: "Und da habe ich mir gedacht: 'Weißt du was, es wird nie passieren'."
O'Sullivan klagt: "Es gab keine Einheit"
"Wenn ich dann heutzutage höre, dass sich die schwächer platzierten Spieler über verschiedene Dinge beschweren und die Top-Spieler sich über Dinge beschweren, dann bekomme ich das Gefühl, dass Snooker auf verschiedene Weise ein bisschen toxischer geworden ist", erklärte O’Sullivan nun im exklusiven Eurosport-Interview vor den English Open (bis 7. November live im Free-TV bei Eurosport 1 und bei Eurosport mit Joyn+!), der zudem zugab, dass er sich bereits vor zehn Jahren emotional vom Snooker gelöst habe und Snooker einfach für sich arbeiten ließ.
In der Zeit, in der er Veränderungen herbeiführen wollte, hatte er nicht das Gefühl, das machen zu können, was er wollte, räumte O’Sullivan ein. "Es gab keine Einheit und wir alle konnten nicht das versuchen und umsetzen, was für alle Spieler recht gewesen wäre", erklärte der 45-Jährige.
Dies hat ihn offenbar in gewisser Weise nachhaltig geprägt. "Also habe ich beschlossen, mich vom Snooker zu lösen. Und es ist so besser, denn jetzt mache ich all meine anderen Sachen mit all meinen Sponsoren und das ist super", so der sechsmalige Weltmeister.
Diese Dinge sehe er nun als seinen Beruf an und das genieße er, sagte O’Sullivan weiter. Snooker spiele er dagegen "als Hobby und aus Spaß".
O'Sullivan: "Man kann den Autounfall manchmal schon erahnen"
Deswegen möchte er mit politischen Dingen innerhalb seines Sports auch nichts mehr zu tun haben. "Ich genieße es zu spielen, aber wenn ich das mache, möchte keine Meinung haben", erklärte er.
"Ich möchte nicht das Gefühl haben, dass dies geändert werden kann und in vielerlei Hinsicht hoffe ich – und es ist wahrscheinlich keine gute Sache - dass es tatsächlich manchmal schlimmer wird, denn ich denke, manchmal kann man den Autounfall schon erahnen. Aber solange sich die Leute nicht irgendwie vereinen, nehme ich an, dass der Autounfall einfach weiter gehen wird", warnte O'Sullivan vor den Folgen des politischen Denkens und einem möglichen Crash der verschiedenen Perspektiven.
"Ich möchte mich da emotional lieber nicht einmischen, weil ich vor jedem Snookerspieler auf der Tour den größten Respekt habe und du in vielerlei Hinsicht für sie kämpfst. Aber ab einem bestimmten Punkt musst du loslassen und sagen: 'Es funktioniert nicht. Ich bin besser dran, wenn ich einfach leise in meinen eigenen Tunnel gehe und überlege, was für mich richtig ist und das Richtige für mich zu tun'", so der Engländer weiter.
O'Sullivan hält nichts von politischen Snooker-Visionen: "Ist ziemlich sinnlos"
Er gestand: "Ich war wirklich noch nie so glücklich, denn ich liebe Snooker und ich liebe es zu spielen."
Mit politischen Ideen für seinen Sport würde er sich diese Freude aus seiner Sicht nur wieder kaputt machen: "Es wäre nicht gut für mich, mich in der Politik zu engagieren oder sogar eine Meinung darüber zu haben, was aus meiner Sicht gut für das Spiel wäre, denn es ist wirklich ziemlich sinnlos."
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