Rolf-Kalb-Blog: Kyren Wilson kann es auch auf die "hässliche Tour" und Fürth bleibt Fürth - zum Glück

Zugegeben: Wegen seiner spielerischen Qualität wird das Finale des European Masters in Fürth zwischen Kyren Wilson und Barry Hawkins nicht in Erinnerung bleiben. Dabei hatte Wilson ja recht, als er sagte, sie beiden hätten in der Woche zuvor die beste Form gezeigt. Im Finale gab es dann aber auf beiden Seiten viel Stückwerk. Nur ein einziges Break von mehr als 50 Punkten schaffte Sieger Wilson.

Kyren Wilson with the European Masters title.

Fotocredit: Eurosport

Barry Hawkins brachte es nach dem Match im Interview mit World Snooker auf den Punkt: "Wenn du auf eine Rote stellst, die gar nicht gelocht werden kann, dann weißt du, wie schlimm es ist."
Dabei hatten beide in den Runden zuvor ja spielerisch voll überzeugt. Nichts hatte im Vorfeld auf so einen Einbruch hingedeutet. Bei der Suche nach Ursachen kann auch ich natürlich nur spekulieren.
Es war ja nicht das erste Mal, dass das Finale spielerisch schwächer war als das, was zuvor gespielt worden war. Das liegt natürlich auch daran, dass in einem Endspiel der Druck so viel größer ist. Man steht so kurz vor dem Erfolg. Und bei dem heutigen Ranglisten-System sind Turniersiege halt besonders wertvoll.
Vielleicht haben sich die beiden gestern selber noch einmal mehr unter Druck gesetzt, weil sie schon lange auf einen weiteren Titel warten. Das macht es dann schwer, Spielfluss zu entwickeln. Als Spieler ist man verunsichert und kann nicht mehr locker spielen. Ein kleines bisschen mehr an Muskelspannung aufgrund der Anspannung sorgt dafür, dass das, was sonst immer funktioniert, nun nicht mehr klappt.

Triumph auf die "hässliche Tour"

Der Sieg von Kyren Wilson zeigt aber auch, wie wertvoll Matchplay und Matchhärte sind. Das alleine hat den Unterschied gemacht und Wilson den Sieg ermöglicht. In den entscheidenden Momenten war er halt ein bisschen besser.
"Ich habe mich dann damit abgefunden, auf die hässliche Tour zu gewinnen", meinte er danach; das muss man auch erst einmal schaffen. Das ist aber auch eine wertvolle Qualität, die Wilson noch oft in seiner Karriere helfen kann.
Barry Hawkins dagegen muss aufpassen, dass sich bei ihm kein Trauma entwickelt. Das war seine vierte Niederlage bei einem Ranglisten-Finale in Folge. Nimmt man das Masters vom letzten Januar hinzu sind es nun sogar fünf Endspiel-Niederlagen in Folge. So etwas schüttelt man nicht so einfach aus den Klamotten.
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Final Judd Trump v Farakh Ajaib

Quelle: Eurosport

"Familientreffen" in Fürth

Nach drei Jahren Pause gab es endlich wieder Live-Snooker in Fürth. Es war allen Beteiligten anzumerken, wie groß die Freude darüber war. Es war aber in diesem Jahr trotzdem etwas anderes, und das nicht nur wegen der Großbaustelle im Umfeld. Früher ging es in der Stadthalle nur um ein relativ schmales Preisgeld. Das sorgt für mehr Lockerheit. In diesem Jahr aber bekam der Sieger stolze 80.000,- Pfund. Das ist erheblich ernster.
Offensichtlich ist es aber trotzdem gelungen, die besondere Atmosphäre der Fürther Events beizubehalten. Das ist ein großes Familientreffen des Snooker, für Spieler wie für Fans. So gehen alle auch miteinander um. In Fürth mischen sich Spieler und Fans, wie ich das von keinem anderen Turnier kenne.
Dafür, dass das geklappt hat, gibt es von mir ein dickes "Daumen hoch". Danke an das Dragonstars-Team. Hoffentlich bleibt es auch in Zukunft so.
Herzliche Grüße
Ihr / Euer Rolf Kalb
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