Neun Turniere hat Trump bisher in dieser Saison gespielt. Acht Mal stand er im Halbfinale, sechs Mal im Finale und vier Titel hat er geholt. Sein schlechtestes Turnier war das Scottish Open: Viertelfinale. Mit dieser Schlagzahl kann er seinen eigenen Rekord von sechs Saison-Siegen aus der letzten Saison umgehend einstellen oder gar noch einmal verbessern. Beinahe unheimlich.
Dabei hatte er beim German Masters allenfalls phasenweise seine Top-Form gefunden. Vor allem im Halbfinale bei der unglaublichen Aufholjagd gegen Barry Hawkins. Aber er braucht eben nicht immer seine Top-Form, um gewinnen zu können. Der Schlüssel zu seinem Sieg in der letzten Woche war, dass er in den entscheidenden Momenten das ablieferte, was erforderlich war. Unter Druck erst recht. So, als könne er den Turbogang anknipsen, wenn er ihn braucht.

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Das ist eine besondere Qualität. Eine der Voraussetzungen, damit das klappt: Er weiß eben, dass er es kann. Er weiß, dass er sich auf sein Spiel verlassen kann. Und das weiß er nur, weil er eben immer wieder genau diese Erfahrung macht. Dieses Selbstvertrauen kann man sich für kein Geld der Welt erkaufen. Dieses Selbstbewusstsein muss man sich erarbeiten. Und die Grundlage dafür ist ganz einfach: Training, Training, Training, immer wieder hartes Training.
Dass Trump diese Phase derzeit genießt, ist kein Wunder. Genau das macht es auch einfacher für ihn, die Arbeit am Trainingstisch zu investieren. Ihm mach es einfach Spaß, wenn er das Queue in die Hand nehmen kann. Und außerdem nimmt für ihn der Druck ab: Wenn es bei einem Turnier für ihn nicht so gut läuft, dann macht er sich nicht verrückt. Das nächste Turnier wartet schon, und dann macht er es eben besser.

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German Masters: Das "Woodstock des Snooker"

Das German Masters hat mir in diesem Jahr besonders deutlich vor Augen geführt, was es bedeutet, ohne Publikum spielen zu müssen. Im Tempodrom zu stehen und diese einzigartige Atmosphäre aufzusaugen, habe ich schmerzlich vermisst. Die Fans bilden eben nicht nur eine Kulisse, die dafür sorgt, dass die Tribüne bunt aussieht. Die Fans sind es, die die Atmosphäre kreieren und damit aus einem Snooker-Match ein Ereignis machen.
Dass das German Masters einen solch besonderen Ruf hat, das ist einzig und allein den einzigartigen Fans im Tempodrom zu verdanken. Ich bin dankbar, dass ich das bisher zehn Mal erfahren durfte, und ich freue mich riesig darauf, auch 2022 wieder diese Erfahrung zu machen.

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Dass das "Woodstock des Snooker", wie Barry Hearn das German Masters im Berliner Tempodrom einst taufte, überhaupt auf die Beine gestellt wurde, daran hatte natürlich auch Brandon Parker einen erheblichen Anteil. Aber nicht nur bei der Premiere 2011 war er beteiligt. Auch in allen folgenden Jahren war er immer überaus engagiert. Ein German Masters, ohne dass Parker sich an allen Ecken und Enden um alles kümmerte, war undenkbar.
Dass die Trophäe für sein Baby nun "Brandon Parker Trophy" benannt wurde, ist eine verdiente und angemessene Ehrung des im letzten Sommer verstorbenen Managers und WST-Direktors. Und dass Trump gestern nach dem Sieg auch noch einmal an Parker erinnerte, das fand ich eine großartige Geste. Ich habe mich sehr darüber gefreut.
Mit herzlichen Grüßen
Ihr / Euer Rolf Kalb
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