Klar, Stephen Hendry hat bei seinem Comeback nach neun Jahren deutlich verloren, aber ein Fehlschlag war das keinesfalls. Matthew Selt hat bei seinem 4:1 einfach klasse gespielt. Das macht es natürlich auch schwerer, die Leistung von Hendry zu beurteilen. Hendry zeigte aber gute Ansätze. Gegen einen schwächer spielenden Gegner hätte er wahrscheinlich Chancen gehabt.
Da war natürlich zum einen das Century von Stephen Hendry im zweiten Frame. Das zauberte wieder etwas von der alten Hendry-Magie in die nüchterne Halle in Milton Keynes. Da hat der Schotte Kontrolle und Übersicht bewiesen. Und das ist wichtig, wenn es was werden soll mit seinem Comeback.
"Wenn ich die Chance bekommen habe, dann habe ich auch gepunktet; darum geht es ja beim Snooker heute", meinte er danach im Interview mit "World Snooker". Das ist übrigens etwas, das erst er selber im Snooker eingeführt hat.
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Es waren aber auch Defizite zu sehen. Auch das hat Hendry offensichtlich selber erkannt. Sein Snooker-Gehirn ist ja nicht ausgetrocknet. Zum einen war er mit seinen Longpots nicht zufrieden; auch das ist etwas, was er selber einst im Snooker zu einem Standard gemacht hat. Aber das ist ebenfalls ein Bereich, an dem der 52-Jährige gut im Training arbeiten kann.
Man darf auch nicht vergessen, dass die Tische und Tücher noch anders waren, als er vor neun Jahren seinen Rücktritt verkündete. Dass Hendry da Erfahrungswerte auf dem Matchtisch braucht, um wieder mehr Sicherheit zu gewinnen, liegt auf der Hand.

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Hendry muss an seinem Safe-Spiel arbeiten

Die größeren Defizite sehe ich im Safe-Spiel. Das war nicht präzise und nicht zwingend genug. Und ein gut spielender Gegner wie Selt am Montag nutzt das auch gnadenlos aus. Das ist die Crux bei Hendrys Comeback unter Corona-Bedingungen. Breakbuilding und Lochspiel kann man auch gut alleine trainieren. Das Safe-Spiel im Solo-Training zu verbessern ist aber deutlich schwerer.
Um seine Safeties zu verbessern braucht man eigentlich Matchpraxis, auch in Trainingsmatches gegen starke Gegner. Das aber ist im Lockdown sehr schwierig umzusetzen. Da wird in dem Monat bis zur WM-Qualifikation, seinem nächsten Einsatz, die größte Herausforderung für ihn liegen. Denn Offensiv-Snooker ist gut und schön, aber damit kann man nur glänzen, wenn man ein gutes Safe-Spiel als Basis hat.
Hendry weiß selber am besten, dass er noch nicht da ist, wo er hinwill. "Im Moment ist mein Spiel noch nicht gut genug, um mich fürs Crucible zu qualifizieren", gestand er im Interview mit "World Snooker".
Aber er hat ja noch einen Monat Zeit und wird den gut nutzen. Dass der Ehrgeiz da ist, das war gestern deutlich. Das Experiment also geht weiter. Ich bin gespannt.

Selt zeigte gegen Hendry, dass er Top-16-Potenzial hat

Ein Wort noch zu Matthew Selt. Der meinte ja selber, er habe bei dem Match gestern so unter Druck gestanden wie noch nie. Er ist hervorragend damit umgegangen.
Würde der 35-Jährige immer so spielen wie gestern, dann müsste er jetzt nicht um die Rückkehr in die Top 32 der Weltrangliste kämpfen, sondern wäre in den Top 16 etabliert.
Herzliche Grüße
Ihr / Euer Rolf Kalb
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