Im Gegenteil: Ein solcher Triumph von Anthony McGill lag schon länger in der Luft. Sein Mentor und Trainingspartner Alan McManus war ja schon immer voll des Lobes und war schon immer überzeugt, dass sein Schützling ein kommender Champion ist. Auch Shaun Murphy, im Halbfinale von Hyderabad an Kyren Wilson gescheitert, war vor dem Endspiel voll des Lobes über die beiden: „Unser Sport ist in guten Händen“, twitterte er, „die beiden sind die Zukunft.“
Ein Titelgewinn ist für sich ja schon eine tolle Sache für jeden Spieler. Im heutigen System geht ein solcher Triumph aber weit über den aktuellen Tag hinaus. Anthony McGill hat mit seinem Sieg beim Indian Open das Ticket für das Champion of Champions gelöst. Auch wird er wahrscheinlich beim World Grand Prix und bei der Players Championship dabei sein. Selbst eine Masters-Teilnahme rückt in greifbare Nähe; schließlich klettert er in der Weltrangliste auf den 18. Platz. So etwas kann einen ungeheuren Schub auslösen. Kyren Wilson hat es in der letzten Saison ja vorgemacht.
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"Jugend forscht"

Anthony McGill musste man spätestens seit dem Dezember 2012 auf dem Radar haben. Damals erreichte er im schottischen Ravenscraig das Finale bei einem Event der European Tour, und er machte damals Ding Junhui das Leben nicht leicht; Ding gewann dieses Endspiel mit 4:2. Den Durchbruch schaffte er dann, als er 2015 das Viertelfinale bei der Weltmeisterschaft erreichte. In der letzten Saison dann allerdings musste er über weite Strecken den gestiegenen Erwartungen Tribut zollen. Trotzdem zeigte zum Saisonende die Formkurve wieder nach oben, als er im Crucible Theatre immerhin das Achtelfinale erreichte. In dieser Saison scheint er nun durchzustarten. Schon beim Riga Masters stand er im Viertelfinale und ließ jetzt den Turniersieg beim Indian Open folgen.
Nachdem zuletzt oft ältere Spieler die Schlagzeilen beherrscht (durchaus auch in Hyderabad mit Nigel Bond im Halbfinale) hatten, so war das Endspiel der Indian Open mal wieder ein Kapitel aus der Rubrik „Jugend forscht“. Zum ersten Mal seit der UK Championship 2011 standen zwei Spieler im Finale, die 25 Jahre oder jünger waren; damals hatte Judd Trump Mark Allen geschlagen. Es würde mich nicht überraschen, wenn die beiden Finalisten von Indien auch im weiteren Verlauf der Saison noch für Aufsehen sorgen. Shaun Murphy hat schon Recht: Anthony McGill und Kyren Wilson sind zwei Spieler, denen man die Zukunft von Snooker anvertrauen kann.
Nun macht die Maintour erst einmal eine kleine Verschnaufpause. Weiter geht es ab dem 25. Juli mit dem World Open. Das dritte Ranglisten-Turnier der Saison übertragen wir dann auch wieder im TV. Ich freue mich schon jetzt darauf, dann wieder am Mikrofon zu sitzen.
Herzliche Grüße
Ihr / Euer Rolf Kalb
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