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Viele neue Regeln: Das müssen Snooker-Fans jetzt wissen

Viele neue Regeln: Das müssen Snooker-Fans jetzt wissen

13/08/2019 um 19:33Aktualisiert 13/08/2019 um 19:36

Etwa drei Jahre lang ist daran gearbeitet, nun sind die neuen Snooker-Regeln vorgestellt worden. Es ist die gründlichste Überarbeitung der Regeln seit langem. Jan Verhaas war dabei federführend und hat gemeinsam mit Brendan Moore und Paul Collier viel Arbeit reingesteckt. Die drei haben während dieses Prozesses aber auch viele andere einbezogen; viel Expertise steckt da also drin.

Aber keine Angst: Niemand muss Snooker neu lernen. Der Sport bleibt derselbe. Die meisten Änderungen sind redaktioneller Natur.

Zum einen ist das ganze Regelwerk jetzt genderneutral formuliert. Auch sind viele Definitionen nun klarer formuliert oder gar erstmals eingeführt worden, zum Beispiel die Konsultierungs-Phase, wenn der Schiedsrichter Bälle wieder zurücksetzen muss; da hat sich im Prinzip nichts geändert, aber nun ist es halt in den Regeln auch klar formuliert.

Auch hat man sich um einfachere Formulierungen bemüht, die es auch einfacher machen sollen, die Regeln in andere Sprachen zu übersetzen. Aber natürlich bleiben die Regeln auch mit den einfacheren Formulierungen noch eine ziemlich trockene und abstrakte Lektüre.

Snooker-Regeln: Was sich geändert hat

Einige Dinge haben sich aber doch geändert. Die wichtigsten will ich hier vorstellen. Aber vorab einige Hinweise: Dieser Text ist kein Regelseminar. Ich kann hier weder alle Details darlegen noch alle möglichen Situationen umfassend beschreiben. Wer es genau wissen will, der kommt um das intensive Studium der Regel nicht herum.

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Außerdem gelten die neuen Regeln zunächst einmal nur für den internationalen Profisport. Im Amateur-Spielbetrieb in Deutschland, Österreich und der Schweiz wird zunächst noch nach den alten Regeln gespielt, wohl auch bei den Deutschen Meisterschaften im November. Erst wenn eine genehmigte Fassung der neuen Regeln in Deutsch vorliegt, können die auch hier eingeführt werden. Das wird voraussichtlich nach den Deutschen Meisterschaften zeitgleich in allen drei Ländern der Fall sein.

Die wohl im Alltag wichtigste Änderung betrifft die Frage, wann Foul und Miss gegeben werden kann. Das ist jetzt auch wieder möglich, wenn der zurückliegende Spieler nur noch ausgleichen kann (z.B. 35 Punkte Rückstand bei 35 Punkten noch auf dem Tisch). Das war auch früher so, aber bei der letzten Überarbeitung der Regeln wurde eingeführt, dass auch in dieser Situation kein Miss mehr gegeben wurde. Die Rückkehr zur alten Regelung erscheint mir logisch, kann man dann doch immer noch ohne Foulpunkte den Frame gewinnen (eben mit einer Re-spotted Black).

Jump Shot bleibt verboten

Klarer ist nun auch die Definition eines Jump Shots, der natürlich verboten bleibt. Es gilt ja sowieso zum Beispiel bei Touching Ball, dass der press liegende Ball eben nicht als regelkonform getroffen gilt. Für einen Jump Shot heißt das: Der Spielball darf also in diesem Fall nur einen anderen Ball überspringen, wenn zuvor ein Objektball regelkonform getroffen wurde, und das darf nicht der press liegende Ball sein. Einfach ein Jump Shot weg von einem press liegenden Ball bleibt weiterhin ein Foul.

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Passiert bei Ball in Hand ein Foul, an dem der Spielball nicht beteiligt war, so bleibt der Ball jetzt in Hand. Früher wäre er dann im Spiel gewesen. Außerdem ist jetzt konsequent geregelt, dass ein Teil der Bande keinen Snooker verursachen kann. Das ist nur logisch. Zuvor war es so, dass kein Snooker im Sinne der Regeln vorlag, wenn der blockierende Teil der Bande näher am Spielball lag als der snookernde Ball (der natürlich nicht on war); das kann der Fall sein, wenn der Spielball irgendwo in einem Tascheneinlauf lag.

Außerdem ist jetzt der Striker dafür verantwortlich, wenn sein Vorgänger irgendwelche Ausrüstungsgegenstände auf dem Tisch liegen lässt. Berührt ein Ball einen dieser Gegenstände, dann ist das ein Foul des Strikers und nicht des Schussels, der seinen Kram vergessen hat.

Frame-Aufgabe muss vom Gegner angenommen werden

Verständlicher beschrieben wurde auch der Fall, wenn irrtümlich eine Rote statt einer Farbe aufgesetzt wurde: Wenn das auffällt, dann soll die Rote entnommen werden, wenn man weiß, welche Rote das war. Kann sie nicht mehr identifiziert werden oder ist sie gar bereits gelocht worden, dann gibt es in diesem Frame eben 16 Rote.

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Neu auch: Locht man mithilfe eines nominierten Freeballs den Ball on (im Endspiel auf die Farben) und der nominierte Ball snookert anschließend die nächste Farbe, dann ist das kein Foul. Klargestellt wurde auch: Wenn in einer Foul-und-Miss-Sequenz ein Foul begangen wurde, für das kein Miss gegeben wird, dann bleibt eine eventuelle Warnung (Verlust des Frames bei drei Mal Foul und Miss) nur in Kraft, wenn die Bälle zurückgelegt wurden.

Klargestellt wurde zudem, dass eine verfrühte Aufgabe eines Frames (Spieler braucht noch keine Snooker) zum Verlust des nächsten Frames führen kann, wenn zuvor schon eine Warnung ausgesprochen wurde. Die Regelung, dass ein Spieler einen Frame nur aufgeben kann, wenn er selber der Striker ist, wurde gestrichen; da hat sich ja sowieso kaum jemand dran gehalten. Dafür muss die Aufgabe jetzt vom Gegner angenommen werden.

Zeitspiel hat jetzt drastische Konsequenzen

War das Zeitspiel früher nur ein Punkt im Abschnitt über unsportliches Verhalten, so ist ihm jetzt ein eigener Abschnitt gewidmet. Auch die Konsequenzen werden den Spielern drastisch vor Augen geführt: Nimmt sich ein Spieler nach Meinung des Schiedsrichter beziehungsweise der Schiedsrichterin ungebührlich viel Zeit, dann soll er verwarnt werden.

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Bei einem zweiten Fall muss der Frame dem Gegner zugesprochen werden. Bei jedem weiteren Verstoß soll dem Gegner ein weiterer Frame zugesprochen werden. Aber Achtung: Die in anderen Fällen angedrohte Sanktion des Matchverlustes bei der 3. Verwarnung droht hier aber nicht; die ganz dicke Keule wurde also nicht rausgeholt.

Das sind bei weitem nicht alle Änderungen und Klarstellungen, aber meiner Meinung nach die wichtigsten, um Snooker verfolgen und verstehen zu können. Ich werde in entsprechenden Situationen in nächster Zeit natürlich in meinem Kommentar genauer auf die neuen Punkte eingehen.

Bei Fragen werde ich mich bemühen, die auch auf Twitter zu beantworten. Ich bin zuversichtlich, dass auch einige unserer Schiedsrichter bereit sein werden, konkrete Fragen auf Twitter zu beantworten.

Herzliche Grüße

Ihr / Euer Rolf Kalb

PS: Mein Dank geht an Thorsten Müller, der diesen Blog gegengelesen hat, um zu verhindern, dass ich Unsinn schreibe. Eventuelle Fehler aber gehen alleine auf meine Kappe!

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