Das vielleicht wichtigste Fazit zum Snooker-Jahr 2020: Trotz aller Widrigkeiten wurde reichlich Snooker gespielt.

Das ist toll für die Fans, das ist toll, weil Snooker so im öffentlichen Fokus bleiben konnte, und das war natürlich überlebenswichtig für die Vielzahl der Spieler. Klar: Die Top-Spieler haben mit Sicherheit genug Rücklagen, um auch ein mageres Jahr locker zu überstehen.

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Die Mehrheit aber lebt von der Hand in den Mund. Diese Spieler brauchen regelmäßig Turniere, um die Chance zu haben, die aktuellen Rechnungen zu bezahlen.

Um diesen Spielern zu helfen, gab es während der Zeit der Untätigkeit ja auch Überbrückungszahlungen aus der "Kriegskasse" der World Professional Billiards and Snooker Association (WPBSA). Auch das war eine gute Entscheidung.

Die Teams von Matchroom, der World Snooker Tour und der WPBSA haben Außergewöhnliches geleistet, um ein derartiges Turnier- und Wettkampfprogramm an den Start zu bringen. Snooker war damit sogar Vorreiter in der Welt des Sportes. Es gab ja keine Blaupause.

Alle stocherten im Nebel und mussten sich vorsichtig vortasten. Vielleicht war nicht alles perfekt, aber in einer solchen Situation Perfektion zu erwarten, ist anmaßend. Ich kann nur sagen: Chapeau an diejenigen, die das möglich gemacht haben!

Quartett um Trump und O'Sullivan enteilt der Konkurrenz

Zum sportlichen Geschehen: Im Jahr 2020 gab es für mich vier Spieler des Jahres. Judd Trump, Ronnie O'Sullivan, Neil Robertson und Mark Selby haben dieses Jahr auf dem Tisch geprägt.

16 Ranglisten-Turniere gab es in diesem Jahr und zwölf Mal hat einer aus diesem Quartett den Titel geholt; auf insgesamt 18 Finalteilnahmen kommen die vier. Sie sind der Konkurrenz enteilt. Und das meine ich nicht nur in Bezug auf die Weltrangliste, sondern auch sportlich.

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Natürlich sind das vier ganz unterschiedliche Typen, und sie haben alle auch ihren eigenen Stil. Aber spielerisch haben sie alle doch einiges gemeinsam: Alle vier spielen aggressiv, aber mit Kontrolle. Sie sind also keine wilden Schießer. Alle vier haben einen guten Rhythmus und spielen flüssig (bei Neil und Mark muss man sagen: wieder). Das ist modernes Snooker und das ist attraktives Snooker. Und offenbar bringt gerade das Erfolg.

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Um so spielen zu können, muss man natürlich auch etwas mitbringen. Da ist zum einen das Können. In dieser Hinsicht sind die vier ja über alle Zweifel erhaben. Aber das reicht nicht. Eine Grundvoraussetzung ist auch das Vertrauen in das eigene Spiel und sehr viel Selbstbewusstsein.

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Das zeigt gerade das Beispiel Mark Selby: Als der die Weltrangliste dominierte, da stand er immer mit breiter Brust am Tisch. Als dann aber Niederlagen häufiger wurden, kamen auch die Selbstzweifel. Plötzlich war er nur noch ein Schatten seiner selbst. Erst durch die Zusammenarbeit mit Chris Henry hat er die Dinge in seinem Kopf sortieren können, und plötzlich läuft es wieder.

... dann holt auch O'Sullivan wieder Titel

Ronnie O'Sullivan selber hat gesagt, Trump, Robertson und Selby würden den Großteil der Titel dieser Saison unter sich ausmachen. Ich stimmte ihm da zu. Auch ihn selbst zähle ich allerdings zu diesem Kreis. Auch wenn er in dieser Saison bisher noch keinen Titel gewonnen hat, so sind die Ergebnisse doch nicht schlecht. Und wenn er sein Spiel wieder zusammenbekommt (was jederzeit passieren kann), dann kommen auch wieder die Titel.

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Zuerst wünsche ich allen Leserinnen und Lesern sowie allen Zuschauerinnen und Zuschauern trotz der widrigen Umstände eine schöne Zeit. Aufgrund der Umstände ist für viele die Weihnachtszeit wahrscheinlich wirklich besinnlich, wenn vielleicht auch unfreiwillig.

Nutzen Sie diese Zeit trotzdem. Und für 2021 wünsche ich allen alles Gute und vor allem Gesundheit. Passen Sie auf sich auf und auf die Ihren. Damit wäre uns allen am meisten geholfen.

Herzliche Grüße

Ihr / Euer Rolf Kalb

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