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Karriere beendet: Nackenwirbel stoppen Peter "The Force" Ebdon

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Peter Ebdon nach einem seiner Siege

Fotocredit: Eurosport

VonRolf Kalb
05/05/2020 Am 12:50 | Update 05/05/2020 Am 12:50
@Rolf_Kalb

Nach 29 Jahren als Profi ist Schluss: Aufgrund einer schmerzhaften Nackenverletzung beendet Peter Ebdon mit sofortiger Wirkung seine Karriere im Profi-Snooker. Das gab der 49-Jährige in der letzten Woche bekannt. Bittere Ironie: Ebdon war einer der ersten, die erkannt haben, wie wichtig körperliche Fitness auch beim Snooker ist. Nun ist es ausgerechnet sein Körper, der ihn stoppt.

Sein letztes Match als Profi bestritt Peter Ebdon im Dezember, als er in der Qualifikation für das German Masters mit 4:5 gegen Matthew Stevens verlor. Danach zwang ihn seine Verletzung, seinen Start bei weiteren Turnieren abzusagen oder gar nicht erst zu melden. Halswirbel sind geschädigt, und das führt zu Schmerzen nicht nur im Nacken, sondern auch in den Schultern und in den Armen.

Ebdon hat sich gegen eine Operation entschieden, weil der Erfolg nicht sicher wäre und ein solcher Eingriff mit einem hohen Risiko verbunden ist: "Wenn es schiefgeht könnte ich für den Rest meines Lebens im Rollstuhl sitzen."

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Vom Paradiesvogel zum Weltmeister

Peter Ebdon wurde 1991 Profi. Damals galt er als absoluter Paradiesvogel. Mit seinem langen Pferdeschwanz und kreischend-bunten Westen fiel er auf jeden Fall auf. Bei den sehr traditionellen Snooker-Offiziellen damals führte das zu manch hochgezogener Augenbraue. Aber auch sportlich fiel Ebdon auf. So erreichte er in seinem Debutjahr auf Anhieb die WM-Endrunde im Crucible Theatre und überraschte dort in der ersten Hauptrunde mit einem 10:4-Sieg über Steve Davis.

Auch den größten Moment seiner Karriere feierte Peter Ebdon im Crucible Theatre. 2002 gewann er die Weltmeisterschaft. In einem dramatischen Finale schlug er Stephen Hendry mit 18:17. Für Ebdon war dies bereits das zweite WM-Finale. Zum ersten Mal stand er 1996 im Endspiel, verlor da aber mit 12:18 gegen Stehen Hendry. Sein drittes Endspiel bestritt Ebdon im Jahr 2006, als er gegen Graeme Dott mit 14:18 unterlag. Überhaupt sollte die Weltmeisterschaft eine Konstante in Ebdons Karriere darstellen. Von 1992 bis 2013 spielte er 22 Mal in Folge im Crucible Theatre; eine bemerkenswerte Leistung. Zuletzt war er 2016 und 2017 im Theater der Snooker-Träume dabei, verlor aber jeweils in der ersten Hauptrunde.

Ebdon beeindruckte mit Wille und Disziplin

Insgesamt gewann Peter Ebdon in seiner Karriere neun Weltranglisten-Turniere. Den ersten Titel holte er schon 1993 beim Grand Prix. Sein letztes Finale bestritt er 2018 beim Paul Hunter Classic in Fürth, das er mit 2:4 gegen Kyren Wilson verlor. Ein starker Wille, ein hohes Maß an Fokussierung und sehr viel Disziplin zeichneten ihn immer aus und trugen ihm den Spitznamen "The Force" ein. Bei Peter bekam man nie weniger als 100 Prozent. Das galt für ihn nicht nur am Tisch.

Peter Ebdon nach dem Sieg bei den China Open

Fotocredit: Imago

Er war vielleicht der erste Profi, der die Bedeutung von körperlicher Fitness auch beim Snooker erkannte und das mit der ihm eigenen Disziplin umsetzte. Eine Meile zu schwimmen war eine tägliche Übung für ihn; das kann man schon "Kachelzählen" nennen. 2012 stellte er dann seine Ernährung komplett um und ernährt sich mittlerweile konsequent vegan. Auch dabei ging es ihm zunächst darum, seine Leistungsfähigkeit als Spieler zu verbessern.

Die Karriere von Peter Ebdon, der auch einige Jahre unter Sir Rodney Walker im Vorstand der World Professional Billiards and Snooker Association saß, war allerdings auch nicht frei von Kontroversen. Vor allem wurde er oft wegen seines langsamen Spiels kritisiert. Unvergessen sein Match bei der WM 2005 gegen Ronnie O’Sullivan. Ebdon hatte da schon mit 6:10 hintengelegen, setzte sich gegen den am Ende vollkommen entnervten O’Sullivan aber trotzdem durch. Einmal brauchte er dabei über fünf Minuten, um ein Break von zwölf Punkten zu spielen. O’Sullivan schaute mehrfach ungläubig auf die Uhr eines Besuchers.

Zu diesem Mangel an Spielfluss sagte Ebdon selber einmal: "Wenn ich alles versuche, dann werde ich langsamer; ich mache das nicht mit Absicht." In einem anderen Interview gab er aber auch einmal zu: "Ich würde mir nie ein Match von mir im Fernsehen anschauen." Seine gelegentlichen sehr emotionalen Ausbrüche nach wichtigen Bällen oder Frames wurden ebenfalls nicht von allen mit Begeisterung aufgenommen.

Vom Snookertisch zum Heiler?

Musik ist eine weitere große Leidenschaft von Peter Ebdon. 1996 nahm er eine eigene Version von "I am a Clown" auf; die Single verpasste die Top 40 der britischen Hitlisten nur knapp. 2002 veröffentlichte er mit „Fall of Paradise“ eine zweite Single. 2008 produzierte er gemeinsam mit Steve Ellis eine Akustik-Version von "Everlasting Love" zugunsten des Teenage Cancer Trust. Ebdon besaß auch einmal Anteile an einem Rennpferd, das auf den poetischen Namen "Poetry in Motion" (Poesie in Bewegung) hörte.

Peter Ebdon, der mehrfach bei Turniermatches aufgrund seiner Farbsehschwäche Braun statt Rot gespielt hat, hat auch Yoga erlernt und ist Reiki-Meister. Er möchte sich jetzt zum Heiler ausbilden lassen. Außerdem will er weiter für die BBC kommentieren und betreibt eine Beratungsfirma. Langeweile dürfte ihm also nicht drohen.

Herzliche Grüße

Ihr / Euer Rolf Kalb

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