Snooker - Rolf-Kalb-Blog: Alle Snooker-Profis bekommen mindestens 20.000 Pfund garantiert:

Viele Snookerprofis werden erleichtert sein: Allen Spielern und Spielerinnen sind in der Saison 2022/23 Einnahmen von mindestens 20.000 Pfund garantiert. Das gaben die World Snooker Tour (WST) und die World Professional Billiards and Snooker Association (WPBSA) bekannt. Damit gehen sie auf eine oft gestellte Forderung ein, allen Spielerinnen und Spielern ein Mindestauskommen zu sichern.

Neil Robertson celebrates iconic 147 at the Crucible.

Fotocredit: Eurosport

Ausgezahlt werden soll das Geld in zwei Tranchen: Im September sollen alle, die eine Tourcard haben, 10.000 Pfund bekommen und im Januar dann noch einmal dieselbe Summe. Allerdings sollen die Zahlungen mit gewonnenen Preisgelder verrechnet werden. Die Top-Spieler werden also nicht von der neuen Regelung profitieren. Für Neu-Profis und diejenigen weiter unten in der Rangliste ist das aber eine erhebliche Hilfe.
Bisher war es so, dass keinerlei Einnahmen garantiert waren. Wer in der ersten Runde verliert bekommt (das bleibt auch so) kein Preisgeld, hat aber die Kosten für die Turnierteilnahme am Bein. Das sorgte natürlich für immensen Druck und große Sorgen. Natürlich garantieren die Zahlungen kein kommodes Auskommen, aber sie lindern die Angst um ein wirtschaftliches Überleben.
Dieses Modell markiert auch eine vorsichtige Abwendung von der Philosophie, die Barry Hearn immer vertreten hat. Das Credo des früheren WST-Bosses war, dass nur Leistung belohnt werden solle. Wer aber kein Match gewinnt, der bringe eben auch keine Leistung und bekomme daher kein Geld. Dann, so die oft geäußerte Überzeugung von Hearn, solle man sich eben einen anderen Job suchen.
Neil Robertson bezeichnete die neue Regelung im Gespräch mit meinem Kollegen Hector Nunns als "fantastische Nachricht“ und meinte: "Das ist eine sehr gute Entscheidung!“ Die Nummer vier der Weltrangliste wird selber nicht von dem Modell profitieren, erinnert sich aber noch gut an die Sorgen und Ängste aus der Anfangszeit seiner Karriere: "Ich erinnere mich noch daran, dass ich bei einem Matchball im Hinterkopf hatte, dass es da um die Miete für die nächsten drei Monate ging. Das ist nicht leistungsfördernd."

Geldsorgen wuchsen während Corona an

Natürlich sind vor ein paar Jahren die Startgelder (das summierte sich auf etwa 5.000 Pfund pro Saison) weggefallen und die Preisgeldsumme ist in den letzten zwölf Jahren enorm gewachsen, aber gerade in der Corona-Pandemie sind die Probleme für viele Spielerinnen und Spieler noch einmal gewachsen. Noch immer können ja keine Turniere in China gespielt werden, und gerade die waren hoch dotiert. Da sind wichtige Einkommensquellen weggebrochen.
Die derzeit explodierenden Lebenshaltungs- und Energiekosten belasten die Wenigverdiener im Snooker zusätzlich. Und wer nicht weiß, wie er oder sie über die nächsten Wochen kommen soll oder einen Nebenjob annehmen muss, kann sich eben nicht voll auf das Profi-Leben und die Verbessrung des eigenen Spiels konzentrieren. Das ist für viele ein Teufelskreis.
Ein Wermutstropfen ist allerdings auch dabei: Das Modell gilt zunächst einmal als Versuch nur für diese Saison. Ob es darüber hinaus fortgeführt wird soll erst später entschieden werden.
Auch wenn man darüber diskutieren kann, ob dies das optimale Modell ist oder es vielleicht noch bessere gibt, so halte auch ich das für eine sehr gute Entscheidung. Sie hilft vielen dabei, ihren Traum von einer Snooker-Karriere konsequent zu verfolgen. Ich glaube zwar nicht, dass diese Hilfe kurzfristig den Verlauf der Turniere beeinflusst. Aber ich kann mir gut vorstellen, dass dies zumindest mittelfristig vielen helfen kann, ihre Leistungen zu verbessern. Und das wäre nicht nur eine gute Nachricht für die Betroffenen, sondern auch für Snooker insgesamt.
Herzliche Grüße
Ihr / Euer Rolf Kalb
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