Snooker - Rolf-Kalb-Blog: Jack Lisowski krönt Achterbahn-Jahr bei Northern Ireland Open mit seinem ersten Titel

Endlich ist der Knoten geplatzt: Mit seinem 9:8-Finalsieg bei den Northern Ireland Open gegen Judd Trump holte Jack Lisowski seinen ersten Ranglisten-Titel. Nach 15 Jahren als Profi und im siebten Anlauf wurde der Traum wahr, ausgerechnet gegen seinen besten Freund. Danach wurde es sehr emotional. Eurosport-Experte Rolf Kalb schildert in seinem aktuellen Blog bei Eurosport.de seine Beobachtungen.

Decider entscheidet Finale der Freunde: Lisowski überwältigt

Quelle: Eurosport

Der Wettbewerb um den ungeliebten Titel als bester Spieler ohne Turniersieg wird neu gestartet. Seit Sonntag ist Jack Lisowski aus dieser Nummer raus. Als 79. Spieler hat er bei einem Ranglisten-Turnier triumphiert und in Belfast die Alex Higgins Trophy gewonnen.
Das Jahr 2025 wird Lisowski nie vergessen. Es war eine Achterbahnfahrt. Den Tiefpunkt erlebte er im März, als sein Vater plötzlich und unerwartet starb. Als ihn die Nachricht erreichte, war er gerade in Hongkong für den World Grand Prix. Ausgerechnet Judd Trump war in diesem schweren Moment an seiner Seite. Und nun also der Höhepunkt mit dem ersten Titel. Ein verrücktes Jahr.
Die Karriere von Lisowski lief wahrlich nicht gradlinig. Mit 16 Jahren wurde bei ihm Krebs diagnostiziert. Ein Jahr verlor er dadurch. Sein erstes Preisgeld verprasste er dann übrigens nicht, sondern legte es an. Während seiner Krankheit hatte er sich nämlich mit dem Thema Wirtschaft beschäftigt.

Mitreißend oder Bruder Leichtfuß

Später dann begeisterte er immer wieder mit seinem mitreißenden Spiel. Doch für den großen Triumph fehlte immer irgendetwas. Manchmal wirkte er beinahe wie ein Bruder Leichtfuß. Oft genug brachte er mit seinem hochriskanten Spiel seine Fans schier zur Verzweiflung.  Bis zu dieser magischen Nacht in Belfast.
Im Vorfeld deutete wenig auf diese Entwicklung hin. Bis zu den Northern Ireland Open hatte er in dieser Saison noch kein Viertelfinale erreicht. Aber hatte einiges in seinem Umfeld verändert. In Belfast spielte er mit einem neuen Queue und einer neuen Pomeranze. Zudem arbeitet er seit sechs Wochen mit Chris Henry als Coach zusammen. Der Erfolg stellte sich ziemlich schnell ein.
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Überragender Stoß: Lisowski pottet Rot mit Köpfchen

Quelle: Eurosport

Weltklassebälle und unerwartete Fehler

Das Finale war dramatisch, ein ewiges Kopf-an-Kopf-Rennen. Nie hatte einer mehr als einen Frame Vorsprung. Beide glänzten mit Weltklassebällen, überraschten aber auch mit unerwarteten Fehlern. Der letzte Frame war ein Paradebeispiel: Vor dem entscheidenden Break von Lisowski verschossen beide zweimal Rot.
Am Ende bewies Lisowski aber den Biss, den es braucht. Er behielt die Ruhe und blieb geduldig. Biss, Ruhe und Geduld war bisher nicht unbedingt Begriffe, die man mit dem Namen Lisowski verbunden hat. Und er hat ja schließlich auch den Titel auf die harte Tour geholt. Auf dem Weg dahin schlug er ja nicht nur Trump, sondern auch Mark Selby, Kyren Wilson oder Zhou Yuelong.
Aber auch bei Trump zeigt die Kurve nach oben. Die Verunsicherung, auch entstanden durch sein neues Queue, ist noch immer nicht vollständig überwunden. Das wurde auch im Finale deutlich. Sein Scoring ist noch nicht auf dem gewohnten Niveau. Aber Gegner wie Anthony McGill, Jackson Page, Gary Wilson, John Higgins oder Mark Allen schlägt man nicht gerade im Vorübergehen.
Das Ende der magischen Nacht von Belfast war dann hochemotional. Ich kann mir nicht vorstellen, dass es irgendjemanden gibt, der Jack Lisowski diesen Titel nicht gönnt.
Herzliche Grüße
Ihr / Euer Rolf Kalb
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Große Emotionen im Siegerinterview: Lisowski adelt Trump

Quelle: Eurosport


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