Snooker - Rolf-Kalb-Blog: Gary Wilson in Edinburgh erst verunsichert und dann wie ein echter Champion

Gary Wilson hat erneut die Scottish Open gewonnen. Dabei ist er verunsichert in Edinburgh gestartet, stand dann aber als großer Triumphator da. Das ist jedenfalls die Einschätzung von Eurosport-Kommentator Rolf Kalb, der in seinem aktuellen Blog einen Blick auf die Hintergründe wirft. Zudem hat ihn die Widerstandkraft von Noppon Saengkham beeindruckt, einem echten Sympathie-Träger.

Wilson behält die Nerven: Die Entscheidung im Finale

Quelle: Eurosport

Snooker ist manchmal ein verrückter Sport: Da gewinnt Gary Wilson im letzten Jahr bei den Scottish Open seinen ersten Titel, verschwindet danach aber weitgehend in der Versenkung (vor allem in dieser Saison), um jetzt in Edinburgh erneut zu triumphieren. Und wie er triumphiert hat!
Bei seinem 5:0 im Viertelfinale über Chris Wakelin spielte er Offensiv-Snooker wie vom anderen Stern. Besser geht es nicht. Sein unglaubliches Comeback im Halbfinale gegen Zhou Yuelong war für mich der kämpferischste Moment des Jahres. Und auch im Finale war er über weite Strecken dominant. Da hat er gespielt wie ein echter Champion.
Dabei waren seine ersten Matches bei den Scottish Open noch wie so oft in den Monaten davor: verunsichert und ängstlich. Da hätte er auch leicht scheitern können. Er hat ja selbst zugegeben, dass es eigentlich erst im Viertelfinale gezündet hat.
Das ist natürlich eine Kopfsache. Wenn er so spielt, wie er sich das vorstellt, dann ist er Weltklasse. Wenn ihm das aber nicht gelingt, dann ist er sofort unsicher und glaubt nicht an sich. Dann gehen ihm alle möglichen Probleme durch den Kopf und er glaubt, gar nicht dorthin zu gehören. Er ist nicht in der Lage, sich mit seinem B-Spiel durchzusetzen. Das braucht man aber, um dauerhaft Erfolg zu haben.

Saengkham trotz Final-Niederlage ein Gewinner

Dazu sind ja auch die anderen Top-Spieler in der Lage. Auch ein Ronnie O’Sullivan oder ein Judd Trump spielt nicht permanent am obersten Limit. Paradebeispiel ist Mark Selby, der mit seinem C-Spiel Matches gewinnt und mit seinem B-Spiel Titel holt.
Vielleicht braucht Wilson einfach Hilfe, um auch dann selbstbewusst agieren zu können, wenn die Top-Form gerade nicht da. Gerade dann ist es wichtig, die negativen Gedanken zu überwinden. Das ist leicht geschrieben, aber schwer umzusetzen.
Trotz seiner Final-Niederlage gehört natürlich auch Noppon Saengkham zu den Gewinnern der Scottish Open. Er hat nicht nur zum ersten Mal in seiner Karriere das Endspiel eines Ranglisten-Turnieres erreicht (als 115. Spieler), sondern er hat auch echtes Top-Snooker auf den Tisch gebracht. Man kann kaum fassen, was er alles locht.
Über das 5:9 gegen Gary Wilson sollte er sich nicht grämen. Man weiß nicht, wie es ist, in einem Finale zu stehen. Also kann man sich auch nicht darauf einstellen oder vorbereiten. Die Erfahrung haben auch schon andere gemacht. Wilson selber hat ja darauf hingewiesen, dass er in seinem ersten Finale förmlich untergegangen ist (2:10 bei den China Open 2015 gegen Mark Selby). Oder Zhang Anda im Endspiel der English Open.
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"Dieser Sport ist verrückt": Wilson im Sieger-Interview

Quelle: Eurosport

Saengkhams Willenskraft erobert Snooker-Herzen

Saengkham spielt nicht nur attraktives Snooker. Er ist auch ein Sympathieträger. So jemand tut Snooker gut. Er hat sich viele neue Fans gemacht.
Berührt war ich davon, wie er erzählte, welche Widerstände er überwinden musste. Wem erzählt wird, er sei nicht gut genug beim Snooker und solle sich lieber einen Job suchen, weil er es ja doch nie schaffen könne, der muss erst einmal die Kraft aufbringen, trotzdem weiter den Snooker-Traum zu verfolgen. Seine Willenskraft ist beeindruckend.
Noch ein Wort zu den unterlegenen Halbfinalisten. John Higgins hat schon wieder eine Führung aus der Hand gegeben. Wieder hat er sich durch einen Fehler aus der Spur bringen lassen. Das ist keine Frage der Tagesform mehr. Das ist ihm zu oft in den letzten beiden Jahren passiert. Ich erkenne dahinter ein Muster.
Und die Niederlage von Zhou Yuelong war einfach nur brutal. Ich kann nur hoffen, dass er das möglichst schnell überwindet. Einfach wird das nicht.
Herzliche Grüße
Ihr / Euer Rolf Kalb
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Titel verteidigt: Wilson hebt Scottish-Open-Trophäe in die Höhe

Quelle: Eurosport

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