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Freude für Holt, ein schräges Format und die Lehren für O'Sullivan

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Michael Holt | Snooker / Shoot Out 2020 | ESP Player Feature

Fotocredit: Getty Images

VonRolf Kalb
24/02/2020 Am 15:02 | Update 24/02/2020 Am 15:03
@Rolf_Kalb

Okay: Das Shootout ist jetzt nicht gerade die Weltmeisterschaft, die UK Championship oder ähnliches. Aber: Ein Titel ist ein Titel! Deshalb durfte sich Michael Holt vorbehaltlos freuen, nachdem er gestern in Watford die Trophäe überreicht bekommen hatte. Nach 24 Profijahren endlich ein Ranglisten-Titel für den "Hitman". Und wie sagte er danach: "Die Bälle musst Du immer noch lochen."

Da hat er sicherlich Recht. In den letzten Jahren lief es sportlich ja nicht so toll für Michael Holt. Auch finanziell war das nicht immer leicht. Umso mehr dürften sich viele mit Holt und seiner hochschwangeren Frau Amy gefreut haben. Auch finanziell bedeutet der Titelgewinn einen warmen Regen. Neben den 50.000,- Pfund Preisgeld beim Shootout war der Sieg ja auch das Ticket für die Players Championship und wahrscheinlich auch für das Champion of Champions im November; da ist weiterer Nachschub für die Holt’sche Familienkasse garantiert.

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Und wer weiß: Vielleicht ist der Sieg beim Kurz-Format von Snooker auch eine Initialzündung für Holt. Vielleicht kann der 41-jährige jetzt wieder voll durchstarten. Bei Barry Hawkins hat das schließlich auch geklappt. Auch der ist erst nach seinem Shootout-Sieg im Jahr 2012 zu einem echten Spitzenspieler gereift und zu einem Mehrfach-Champion geworden. Auch Thepchaiya Un-Nooh hat das einen Schub verschafft. So ein Sieg kann halt manchmal befreiend wirken.

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Shootout-Format zeigt Spieler von einer anderen Seite

Interessant fand ich, was Holt selber als Schlüssel für seinen Erfolg beim Shootout beschrieben hat: Das Format habe ihm keine Zeit zum Überlegen gelassen; deshalb habe er sich auf seinen Instinkt verlassen müssen. Das hat seinem Spiel gutgetan. Er konnte nicht mehr soviel hinterfragen und spielte deshalb mit mehr Überzeugung. Er ist ja nicht der erste Spieler, der eine solche Erfahrung macht. Auch Neil Robertson und Shaun Murphy zum Beispiel haben irgendwann beschlossen, das übermäßige Grübeln zu lassen, und sind dadurch stärker geworden.

Dass das Format beim Shootout nicht jedermanns Sache ist, liegt auf der Hand. Die Atmosphäre ist schon gewöhnungsbedürftig. Traditionalisten und Puristen schütteln sich da. Ich sehe aber auch Vorteile bei diesem Format. So haben viele relativ unbekannte Spieler, die sonst nie in die Nähe des TV-Tisches kämen, auch einmal für zumindest zehn Minuten die große Bühne für sich. Außerdem erlaubt das Format, etwas mehr von der eigenen Persönlichkeit zu zeigen als das bei normalen Turnieren möglich ist. Da wird so mancher Fan neue Sympathien entdeckt haben. Nicht nur deshalb glaube ich, dass einmal im Jahr für so ein schräges Format durchaus Platz sein kann. Ob das dann für die Weltrangliste gewertet werden sollte oder nicht, das mag jeder für sich entscheiden. Die Aufmerksamkeit wird dadurch natürlich größer.

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O'Sullivan verpasst Players Championship und muss Lehren ziehen

Bei der Players Championship in dieser Woche geht es nun ja auch wieder gesittet zu. Bei einem Turnier für die bisher erfolgreichsten 16 Spieler der Saison ist naturgemäß kein klarer Favorit auszumachen. Jeder hat da schließlich schon bewiesen, dass er jeden schlagen kann, auch über längere Distanzen. Dass Titelverteidiger Ronnie O’Sullivan nicht dabei ist, ist natürlich ein Wermutstropfen. Seine Abwesenheit ist aber nicht widrigen Umständen geschuldet. Er hat es ganz alleine selber zu verantworten, dass er es nicht unter die 16 Besten geschafft hat. Wer so wenig spielt wie O’Sullivan, der muss dann in den Turnieren, die er spielt, eben auch erfolgreich sein.

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Fotocredit: Getty Images

Das hat O’Sullivan aber eben nicht geschafft. Er hat wohl immer gehofft, dass sich irgendwann sein Talent wieder durchsetzt und alles zusammenpasst. Das ist aber nicht in dem Maß geschehen, wie es notwendig gewesen wäre. Der fünfmalige Weltmeister hätte auf die schon früh absehbare Entwicklung reagieren und seine Saisonplanung umstellen müssen. Er hat sich anders entschieden. Nun muss er die Suppe auslöffeln. Ich hoffe nur, dass er für die kommende Saison seine Lehren daraus zieht. Sonst droht er dann nämlich sogar aus den Top 16 der Weltrangliste herauszufallen.

Herzliche Grüße

Ihr / Euer Rolf Kalb

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