Darling of Dublin macht Schluss - Snooker-Legende Ken Doherty beendet seine Karriere - Rolf-Kalb-Blog
VonRolf Kalb
Update 03/06/2026 um 14:28 GMT+2 Uhr
Der "Darling of Dublin" stellt sein Queue in die Ecke: Ken Doherty hat bekanntgegeben, dass er seine Profi-Karriere nach 36 Jahren auf der Maintour beendet. Damit verlässt eine Snooker-Legende die große Bühne, schreibt Eurosport-Experte Rolf Kalb in seinem Blog dazu. Nicht nur als Spieler, sondern vor allem als Snooker-Botschafter habe der Weltmeister von 1997 eine herausragende Rolle gespielt.
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Quelle: Eurosport
Es ist eine Zäsur: Ken Doherty hat bekannt gegeben, dass er seine Profi-Karriere beendet. Damit zieht sich eine Legende vom aktiven Sport zurück. 36 Jahre lang war er als Snooker-Profi unterwegs und stand 15 Jahre lang ununterbrochen in den Top 16 der Weltrangliste.
Ken Doherty ist die erfolgreichste Sport-Persönlichkeit der Republik Irland. In seiner Heimat ist der "Darling of Dublin" daher natürlich ein Superstar.
Sechs Weltranglisten-Turniere hat er in seiner Karriere gewonnen und kletterte zwischenzeitlich auf den zweiten Platz der Rangliste. Insgesamt 17 Mal stand er im Finale von Ranking-Events; hinzu kamen zwei Masters-Finals.
Seinen größten Moment erlebte Doherty 1997, als er Weltmeister wurde. Übrigens hatte er zuvor sowohl die U21-WM als auch die Amateur-Weltmeisterschaft gewonnen. Im Finale der WM 1997 traf er dann auf Stephen Hendry, der damals im Crucible Theatre als unschlagbar galt.
Doherty schaffte das Unmögliche
Hendry hatte zuletzt 1991 ein Match im Theater der Snooker-Träume verloren. Danach holte er fünf WM-Titel in Folge. Aber Doherty schaffte das scheinbar Unmögliche: Mit 18:12 holte er den Titel. Übrigens war er im Jahr darauf nahe daran, den Crucible-Fluch zu brechen: 1998 musste er sich erst im Finale mit 12:18 gegen John Higgins geschlagen geben.
Als er nach seinem Triumph 1997 nach Dublin zurückkehrte, wurde ihm ein unglaublicher Empfang bereitet: In einer Parade wurde er in einem offenen Bus durch Dublin gefahren. Unfassbare 250000 Menschen jubelten ihrem Idol zu. "Ich habe halt eine große Familie", kommentierte er das immer in seiner typisch schelmischen Art.
Der Polizeipräsident von Dublin verriet ihm beim Empfang, dass während der letzten Session gegen Hendry in Dublin kein einziger Notruf eingegangen sei.
Irgendwann muss Schluss sein
Natürlich ist die sportlich große Zeit des 56-Jährigen lange vorbei. Schon in den letzten Jahren war er nur dank einer "Invitational Tour Card" auf der Tour. Ich bin mir sicher, dass man ihm auch erneut wegen seiner großen Verdienste einen Platz angeboten hätte. "Aber irgendwann muss man Schluss machen", verriet er mir noch am letzten Wochenende.
Wichtiger noch als die sportlichen Erfolge ist die Rolle, die Ken Doherty als Botschafter des Snooker gespielt hat. Mit seinem Charme und seinem Humor hat er unermüdlich für seinen Sport geworben. Nahbarkeit für die Fans war seine zweite Natur. Noch am letzten Wochenende ist er gemeinsam mit Steve Davis, Dennis Taylor und Stephen Hendry bei den Exhibitions in Hamm und Nürnberg von den Fans mit Standing Ovations gefeiert worden. Sein dröhnendes Lachen (und er lacht gerne und oft) haben alle sicher noch in den Ohren.
Sehr bewegend war für mich persönlich, als er sich in Nürnberg das Mikrofon schnappte und mich mit wunderbaren Worten würdigte und sich bei mir bedankte. Da hatte ich einen Kloss im Hals.
Doherty wird Snooker als TV-Experte und als Mitglied im WPBSA Players Board erhalten bleiben. Ich bin mir sicher, dass man ihn auch in Zukunft bei Exhibitions erleben kann. Wer die Chance hat sollte sich das nicht entgehen lassen.
Danke, Ken, für alles, was Du für Snooker gemacht hast. Und danke für Deine Freundschaft, die mir unendlich viel bedeutet.
Herzliche Grüße
Ihr / Euer Rolf Kalb
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