Snooker - Rolf-Kalb-Blog: Traurige Stimmung bei Saudi Arabia Masters in Jeddah und eine neue Gewerkschaft
VonRolf Kalb
Update 11/08/2025 um 15:38 GMT+2 Uhr
Mit dem Saudi Arabia Masters findet eines der am höchsten dotierten Turniere schon früh in der Saison statt; nur bei der WM gibt es mehr Preisgeld. Aber ist es deswegen wirklich das „vierte Major“? Eurosport-Experte Rolf Kalb hat dazu eine klare Meinung. Außerdem beschäftigt sich der langjährige Kommentator in seinem aktuellen Blog bei Eurosport mit der neuen Spielergewerkschaft.
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Quelle: Eurosport
Keine Frage: Aufgrund des riesigen Preisgeldes ist das Saudi Arabia Masters natürlich ein enorm wichtiges Turnier. Wer hier erfolgreich ist, der kann die weitere Saison etwas entspannter angehen. Aber ist es deswegen das "vierte Major"? Mit Verlaub: Für mich ist das reines Marketing-Geschwätz!
Was zeichnet denn überhaupt ein "Major" aus? Dazu gehört sicherlich ein außerordentlich hohes Preisgeld. Das ist in Saudi-Arabien gegeben. Und ich gönne den Spielern jedes einzelne Pfund von Herzen. Verglichen mit anderen Sportarten sind Snookerspieler nämlich dramatisch unterbezahlt.
Bei einem "Major" erwartet man auch besondere sportliche Höchstleistungen. Da bin ich optimistisch, dass wir die in dieser Woche noch erleben werden. Schließlich ist das Turnier sehr wichtig. So früh in der Saison sind allerdings noch nicht alle Spieler im vollen Saft. Das macht es nicht einfacher. Und dass in den ersten Runden nur über "best of 7" gespielt wird unterstreicht auch nicht gerade den Major-Anspruch.
Stimmung, Tradition und Historie fehlen
Ein "Major" kommt natürlich auch immer mit Tradition und einer besonderen Historie daher. Damit kann das Saudi Arabia Masters selbstverständlich nicht dienen. Schließlich ist dies erst die zweite Ausgabe dieses Events.
Der Knackpunkt ist aber vor allem die fehlende Atmosphäre in Jeddah. Denn eine tolle Stimmung, die auch die Spieler beflügelt, gehört einfach zu einem "Major" dazu. Was ich in den letzten Tagen gesehen habe, war einfach nur traurig.
Gestern habe ich immerhin mal drei Personen auf der Tribüne ausmachen können; einer davon hat sogar mal zaghaft applaudiert. Vielleicht wird das ja etwas besser, wenn die Top-Spieler ins Geschehen eingreifen. Allzu optimistisch bin ich aber nicht.
PSPA besser als das Players' Board?
Dann ist in der letzten Woche ja die Gründung einer neuen Spielergewerkschaft bekanntgeworden: die Professional Snooker Players Association (PSPA). Eine Vielzahl an Spitzenspielern soll schon Mitglied sein oder zumindest Interesse bekundet haben. Den Vorsitz hat John Higgins übernommen. Als Direktor soll Matthew Selt fungieren.
Nun haben die Spieler aber bereits eine Interessenvertretung: das WPBSA Players‘ Board. Es gibt allerdings gute Gründe, dieses Players‘ Board für einen zahnlosen Tiger zu halten. Das liegt jedoch nicht nur am Nicht-Wollen der Verantwortlichen bei der WPBSA und der WST. Das liegt auch an der Lethargie der Spieler. Shaun Murphy als ehemaligier Vorsitzender hat mir mal berichtet, dass er bei diversen Anregungen praktisch null Reaktionen von den Spielern bekommen hat.
Ob die PSPA da wirkungsvoller sein wird muss sich erst zeigen. Eine effektive Vertretung der eigenen Interessen, auch der kommerziellen Interessen, wäre wichtig und kann helfen, Snooker weiter voranzubringen. Dabei darf es allerdings nicht nur um die Interessen der Spitzenspieler gehen. Auch die Interessen des Fußvolkes weiter unten in der Rangliste müssen berücksichtigt werden. Sonst hat die ganze Sache keinen Sinn.
Herzliche Grüße
Ihr / Euer Rolf Kalb
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