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Snooker-WM 2022: Rolf Kalb über die Chancen von Wilson, Zhao und Co
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Publiziert 12/04/2022 um 16:14 GMT+2 Uhr
Schlägt bei der Snooker-WM in diesem Jahr die Stunde für einen aus der zweiten Reihe. Durchaus möglich, mein Eurosport-Kommentator Rolf Kalb. Schon in seinem letzten Blog hatte er erläutert, dass es bei einer Reihe der „üblichen Verdächtigen“ einige Fragezeichen gibt. Da werden andere Spieler natürlich Morgenluft wittern. Hier die Einschätzungen von Rolf Kalb.
Kyren Wilson
Fotocredit: Getty Images
Wenn einer aus der zweiten Reihe sich Hoffnungen machen kann, dann ist das natürlich Kyren Wilson. Wobei es schon ein bisschen seltsam anmutet, die Nummer Fünf der Weltrangliste als „zweite Reihe“ zu bezeichnen. Aber Wilson scheint eben immer Probleme zu bekommen, wenn es um den großen Wurf geht. Seine überraschende Final-Niederlage beim Gibraltar Open ist da nur ein Beispiel.
Trotzdem: Der Warrior hat in den letzten Jahren eine hervorragende Crucible-Bilanz. Seit 2016 hat er immer zumindest das Viertelfinale erreicht, drei Mal sogar das Halbfinale und 2020 das Finale. Er hat sozusagen Barry Hawkins als Mister Zuverlässig im Theater der Snooker-Träume abgelöst. Nach einer ordentlichen (aber nicht herausragenden) Saison wird er also mit viel Selbstbewusstsein zur WM kommen.
Für Ronnie O’Sullivan gibt es keinen Zweifel daran, dass Zhao Xintong ein künftiger Weltmeister ist. Und es spricht ja auch wirklich viel dafür. Aber schlägt seine Stunde schon in diesem Jahr? Nach seinen Siegen bei der UK Championship und beim German Masters gibt es keinen Zweifel, dass er das Spiel hat, um die WM zu gewinnen.
Aber seine Niederlage bei der Tour Championship gegen John Higgins lässt befürchten, dass seine Erfahrung noch nicht ausreicht. Im Crucible Theatre hat er immerhin noch nie ein Match gewonnen. Nur 2019 hat er sich für die Endrunde qualifiziert, und damals verlor er sein Auftaktmatch gegen Mark Selby mit 7:10. Aber auch Shaun Murphy hatte im Crucible noch nie ein Match gewonnen und holte dann 2005 überraschend den Titel.
Bei Mark Williams ist alles oder nichts möglich. Das war aber auch schon 2018 so, als er seinen dritten WM-Titel gewann. Der Waliser hat ein gesundes Phlegma und setzt sich nicht selber unter Druck. Das kann im Schmelztiegel des Snooker („Crucible“ heißt übersetzt Schmelztiegel) der entscheidende Vorteil sein. Voraussetzung ist allerdings eine perfekte Vorbereitung. Das war auch 2018 der Schlüssel für ihn.
Auf Barry Hawkins war ja früher im Crucible Theatre immer Verlass. Zwischen 2013 und 2018 erreichte er immerhin fünfmal zumindest das Halbfinale. Der weiß also wie es geht. Aber in den letzten drei Jahren schied er jeweils im Achtelfinale aus. Die Sicherheit im Vorfeld dürfte also dahin sein. Seine Saison war ein Auf und Ab, wobei die Formkurve zuletzt eher nach unten zeigte. Aber wie heißt es so schön: Mit einer erfolgreichen WM kann man aus einer durchwachsenen Saison noch eine tolle machen.
Shaun Murphy hat im letzten Jahr gezeigt, wie sehr er bei der WM aufblüht. Das macht ihn gefährlich. Vor einem Jahr hat ihn das ins Finale getragen, und viel hat ja auch nicht zum Titel gefehlt. Aber die hohen Erwartungen, die er damit für diese Saison geweckt hatte, hat er nicht erfüllen können. Das Viertelfinale bei den Northern Ireland Open und das Halbfinale beim Turkish Masters sind eigentlich eine dünne Bilanz für einen wie ihn.
Bei Luca Brecel, Jack Lisowski und Yan Bingtao fehlt mir im Moment noch die Konstanz, die man braucht, um den 17-Tage-Marathon in Sheffield zu bestehen. Auch bei Stuart Bingham, Anthony McGill und Mark Allen sehe ich derzeit noch keine WM-Form. Aber wer weiß: Vielleicht straft mich ja genau einer davon Lügen. Schließlich hat bisher noch jede WM ihre eigene Dynamik entwickelt. Das macht es ja so faszinierend.
Und dann kommen ja auch noch 16 Qualifikanten dazu. Darunter werden auch sehr starke Spieler sein, die sich durchaus Hoffnungen machen können. Und die kommen mit viel Rückenwind nach der überstandenen Qualifikation ins Crucible Theatre.
Herzliche Grüße
Ihr / Euer Rolf Kalb
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