Snooker-WM - Rolf Kalb über Ronnie O'Sullivan in neuen Sphären und besondere Bilder eines besonderen Sports

Hat jemand schon einmal Ronnie O'Sullivan so bewegt gesehen wie nach dem Gewinn seines siebten WM-Titels gestern? Ich nicht. Das war ein besonderer Moment. Das Bild des Tages, ja das Bild der Saison war für mich, als O'Sullivan und Judd Trump sich nach dem Match lange in den Armen lagen und miteinander sprachen. Ich finde auch gut, dass beide nicht verraten haben, was gesagt wurde.

O'Sullivan schwärmt nach WM-Sieg: "Mein großartigstes Ergebnis"

Quelle: Eurosport

Die Worte, die da gefallen sind, gehören nur den beiden. Aber die Reaktion von Ronnie O'Sullivan darauf, auch später im Eurosport-Studio, legt nahe, dass ihm das viel bedeutet hat. Diese Szenen unterstreichen einmal mehr, dass Snooker trotz aller Rivalität und trotz aller Professionalisierung eben doch noch ein etwas anderer Sport mit einer eigenen Atmosphäre geblieben ist. Ein Punkt, der sehr wichtig ist und den ich hoch schätze.
Ich weiß, dass O'Sullivan manchmal extrem polarisiert. Ich selber habe sein Verhalten oder seine Äußerungen durchaus ja schon kritisiert. Aber an einem kann es keinen Zweifel geben: Mit seinem siebten Triumph bei einer Snooker-WM hat er sich nun endgültig in eine andere Sphäre katapultiert. Was er in seiner langen Karriere geleistet hat, das hat noch niemand geschafft.
Es ist ja kein Geheimnis, dass ich kein Freund von Diskussionen bin, wer denn nun der Beste aller Zeiten sei. Unterschiedliche Zeiten, unterschiedliche Umstände, unterschiedliche Menschen; da erscheint es mir unfair, das mit Gewalt in eine Rangliste zu quetschen. Aber die Zahlen sind eindeutig.
Ronnie O'Sullivan hat alle relevanten Rekorde von Stephen Hendry überboten oder zumindest eingestellt. Das erschien vor zehn oder 15 Jahren noch unmöglich. Und es gibt ja keinen Zweifel daran, dass bei O'Sullivan da noch mehr folgt. Er hat da ganz klar die Nase vorne.
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O'Sullivan schreibt Geschichte: Der Frame zum WM-Titel

Quelle: Eurosport

O'Sullivan begeistert mit Konstanz

Natürlich hatte Stephen Hendry seine beste Zeit in einer Phase, als es weniger Turniere als heute gab. Aber Hendry hat seine Erfolge eben auch in einer Zeit gefeiert, als es weniger Konkurrenz gab. Diese leistungsstarke Breite wie heute gab es damals noch nicht. Hendry selber hat ja keinen Hehl daraus gemacht, dass für ihn die Turniere allenfalls im Viertelfinale anfingen. In den beiden Runden zuvor (damals stiegen die Top 16 immer erst in der Runde der letzten 32 ein) konnte er eigentlich gar nicht verlieren.
Was aber am meisten für Ronnie O'Sullivan spricht ist seine Langlebigkeit. Seit nunmehr 30 Jahren spielt er an der Spitze und ein Ende ist noch nicht abzusehen. Die Karriere von Stephen Hendry (zumindest an der Weltspitze) war da erheblich kürzer.
O'Sullivan selber hat ja nach seinem siebten WM-Triumph spitzbübisch gesagt, er wolle sich den Rekord gerne für ein Jahr mit Hendry teilen. Und niemand kann in Abrede stellen, dass Titel Nummer acht eine mehr als realistische Aussicht ist.
Mit der Weltmeisterschaft ist nun auch die Saison beendet, eine Saison mit vielen Überraschungen, aber auch mit Konstanten. Es ist also Zeit zum Durchatmen (außer für diejenigen, die die Q School vor der Brust haben). Ich freue mich schon jetzt auf die neue Saison. Da aber leider noch immer keine Turniere in China gespielt werden können wird es bis zum European Masters im August in Fürth dauern, ehe es so richtig losgeht.
Herzliche Grüße, wenn auch mit tiefen Augenringen
Ihr / Euer Rolf Kalb
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Emotionaler Moment: O'Sullivan umarmt Trump lange

Quelle: Eurosport

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