Ronnie O'Sullivan schrieb am Montagabend im Crucible Theatre zu Sheffield Geschichte. 18:13 gewann Ronnie O'Sullivan das Finale gegen Judd Trump und krönte sich zum siebten Mal zum Snooker-Weltmeister - die Einstellung des Rekords von Stephen Hendry. "Ich war so emotional", gestand der 46 Jahre alte Engländer nach dem Triumph und erklärte: "Endlich die Ziellinie zu überschreiten - ich hatte gedachte, es würde nie passieren."
Gefühle, die man in dieser Form vom Weltranglistenersten selten gesehen hat. Auch der Australier Neil Robertson, der im Achtelfinale an Jack Lisowski scheiterte, zeigte sich ob der emotionalen Reaktion überrascht. "Wow. Ich habe Ronnie noch nie so gesehen. Unfassbar - und du kannst sehen, was es ihm bedeutet, Hendrys Rekord zu egalisieren", schrieb der 40 Jahre alte Melbournian auf Twitter.
Besonders die Worte von Trump berührten "The Rocket", wie er nach dem Finale im Eurosport-Studio erklärte. "Ich habe ihm eine große Umarmung gegeben und habe in seinen Armen geschluchzt. Er hatte wunderschöne Worte", verriet der 46-Jährige. "Es hat mich einfach umgehauen", gab er zu und erklärte seine Tränen: "Ich liebe Judd. Er ist ein großartiger Kerl. Ich habe bisher nicht verstanden, wie er über mich denkt."
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Vor dem Duell im legendären Theater, das seit 1977 als Austragungsort der Snooker-WM dient, hatten sich O'Sullivan und Trump gegenseitig Respekt gezollt. Dabei erklärte der 32 Jahre alte Weltmeister von 2019, welch großen Einfluss "The Rocket" auf seine Entwicklung hatte. "Er war immer ein Vorbild. Ich habe zu ihm aufgeschaut. Ich wollte immer so spielen wie er. Das war immer mein Traum", sagte der Engländer.

"Ein unglaublicher Spieler!" O'Sullivan und Trump zollen einander Respekt

O'Sullivan: "Wusste nicht, wie Trump mich wahrnimmt"

Nach dem Endspiel adelte er ihn in der Arena als den "besten aller Zeiten" und bedankte sich erneut bei O'Sullivan. "Er war immer so gut zu mir in seiner Karriere. Er hat mit mir trainiert als ich jung war, um Dinge von ihm zu lernen", sagte der Gewinner des Turkish Masters aus dem März und machte deutlich, dass es für ihn eine Ehre gewesen sei, dieses Endspiel mit der Legende des Snooker spielen zu dürfen.
O'Sullivan konnte seine Rührung kaum zurückhalten. Die Umarmung am Ende des Matches sei "ohne Zweifel" sein emotionalster Moment im Crucible Theatre gewesen, sagte er mit Tränen in den Augen im Studio bei Eurosport.
"Es ist eine andere Art von Respekt. Ich habe nicht gewusst, wie er mich wahrnimmt und welche Rolle ich in seiner Entwicklung gespielt habe", gestand O'Sullivan und spielte das Lob an Trump zurück: "Er ist schon jetzt einer der ganz Großen des Snooker, denn er spielt auf die richtige Art und Weise. Snooker kann stolz und glücklich sein, ihn zu haben."
Um die Zukunft des Sports macht sich der (nun) siebenmalige Weltmeister daher keine Sorgen. "Es ist großartig für Snooker, dass wir Judd haben", sagte O'Sullivan und fügte an: "Da kommen einige nach wie ein Zhao Xintong. Es wird brillant werden."

O'Sullivan: WM-Sieg ist "mein bestes Ergebnis"

Als entsprechend schwierig beschrieb er auch das Endspiel gegen seinen Landsmann. "Ich weiß, er hat heute verloren. Aber er ist ein unfassbarer Spieler, ein unfassbarer Gegner. Er hat nie aufgegeben", lobte O'Sullivan. Gerade in der dritten Session ließ der Herausforderer die Muskeln spielen, gewann am Montagmittag sechs Frames und verkürzte noch einmal auf 11:14.
"Ich habe nur gedacht, 'Ich weiß nicht, ob ich es schaffen kann'. Ich war so müde und sagte zu mir, ich muss mich zusammenreißen, weil kleine Fehler können dich drei oder vier Frames kosten", erklärte O'Sullivan. Doch der 46-Jährige behielt die Nerven. "Hätte ich mich nicht zusammengerissen, hätte ich das Match nicht gewonnen. Es war also sehr hart. Sehr hart", gestand er.
O'Sullivan hatte schon vor dem Endspiel erklärt, nach dem Turnier erst einmal eine Snooker-Pause einzulegen. Die Belastung von fünf Matches in nur etwas mehr als zwei Wochen sei "sehr hart", hatte "The Rocket" am Montag erklärt und angekündigt: "Ich brauche einen Detox." Umso gelöster war der 46-Jährige aus Wordsley nun nach dem Triumph in Sheffield. "Es ist eine große Erleichterung. Es ist ein wirklich hartes Turnier, eine lange Reise. Ich weiß nicht, was ich sagen soll", stammelte O'Sullivan im Eurosport-Studio.
Der neue Champion bezeichnete seinen siebten WM-Titel zudem als "bestes Ergebnis" seiner Karriere. Eine eindrucksvolle Karriere, die am Abend in Sheffield einen neuen Höhepunkt erreichte. Und dennoch: So emotional wie am Montagabend sah man O'Sullivan selten. Gefragt nach dem schönsten Moment im Crucible Theatre sagte er offen: "Ohne Zweifel. Was Judd zu mir gesagt hat, hat mich fertig gemacht."
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