WM-Viertelfinale: Ronnie O'Sullivan und die Reiberei um den schwarzen Sport - Fairplay oder doch Prinzipientreue?

Wie 2015 musste sich Ronnie O'Sullivan im Viertelfinale der Snooker-WM seinem Landsmann Stuart Bingham geschlagen geben, beim 10:13 lieferten sich die beiden Engländer ein hochklassiges Kopf-an-Kopf-Rennen. Dabei waren Millimeter entscheidend, insbesondere im zwölften Frame. Dort nämlich sorgte der Spot der schwarzen Kugel für ordentlich Redebedarf - nicht nur beim siebenmaligen Weltmeister.

Schwarz falsch platziert? O'Sullivan mit großer Fairplay-Geste

Quelle: Eurosport

Wieder und wieder nahm Desislava Bozhilova die schwarze Kugel in die Hand. Wieder und wieder säuberte die Schiedsrichterin Tisch und Ball, legte diesen zurück auf seinen angestammten Platz. Und wieder und wieder schüttelte Ronnie O'Sullivan den Kopf.
Wenige Augenblicke zuvor hatte "The Rocket" mit einem anspruchsvollen Stoß Schwarz versenkt, am unteren Tischende wollte er sein Break fortsetzen. Doch nun, als die 31-Jährige die Kugel aus der Tasche fischte und auf ihrem Spot platzierte, schob sich Schwarz immer wieder entscheidend zwischen den weißen Spielball und die anvisierte rote Kugel. Beziehungsweise: Sie rollte dazwischen.
"Es kann sein, dass sich am schwarzen Spot eine kleine Kuhle gebildet hat und deswegen Schwarz etwas zur Seite kippt", kommentierte Eurosport-Kommentator Rolf Kalb den Moment: "Das sind wirklich Millimeter, vielleicht Millimeter-Bruchteile, die darüber entscheiden, ob er die Rote da spielen kann oder nicht."
Über vier Minuten dauerte das Hin und Her zwischen O'Sullivan - der sich mehrmals am Ohr kratzte, zwischendurch sogar kurz hinsetzte, einmal die Zunge weit aus dem Mund herausstreckte - und Schiedsrichterin Bozhilova. Diese bezog währenddessen sogar seinen Gegner Stuart Bingham mit ein: "Stuart kann es sich ansehen, wenn er will? Ich meine, sie ist jetzt genau an der richtigen Stelle."
"Ich vertraue Ronnie", entgegnete Bingham, "egal was er sagt". O'Sullivan allerdings ließ die Kugel noch einmal feinjustieren, dann endlich übte er seinen Stoß aus - und entschied sich statt des Lochversuchs für eine Safety.

Viel Lob für O'Sullivan

Den Frame schließlich sicherte sich Bingham, statt einer 7:5-Führung musste O'Sullivan in einem hochklassigen Schlagabtausch den 6:6-Ausgleich hinnehmen. Vielleicht ein Knackpunkt des Viertelfinals, das der Weltranglistenerste letztlich mit 10:13 verlor?
Darüber lässt sich spekulieren, genau wie über die Posse um Schwarz an sich. Denn die Aktion in Frame zwölf, sie wurde auch danach kontrovers diskutiert.
Dass O'Sullivan nämlich - zu seinen Ungunsten - die Kugel gleich mehrfach neu positionieren ließ, da diese seiner Meinung nach nicht richtig auf dem Spot lag, sorgte bei vielen Beobachtern für Anerkennung.
"Der Sportsgeist von Ronnie ist vorbildlich, und das ist immer so", hob der englische Eurosport-Experte Alan McManus hervor. Und auch BBC-Kommentator Neil Robertson, Weltmeister von 2010, pries die Aktion als "wahrscheinlich eines der größten Stücke von Sportsgeist, das ich je in irgendeinem Sport gesehen habe".

O'Sullivan wollte "Zeichen setzen"

Hochgestochene Sätze, die auf Social Media viele Fans teilten. Doch allen Lobpreisungen zum Trotz gab es auch kritischere Worte.
Dass es nicht ganz so harmonisch war, darauf lassen O'Sullivans eigene Gedanken schließen.
"Ich wollte nur beweisen, dass sie sich geirrt hat", sagte der siebenmalige Weltmeister während eines Eurosport-Pauseninterviews beim Stand von 8:8: "Ich glaube, einige der Referees haben es auf mich abgesehen."
Als im zwölften Frame die schwarze Kugel dann endlich lag, habe er jedoch "kein gutes Gefühl mehr" gehabt, weil er den Ball versenken musste. "Aber ich wollte nur ein Zeichen setzen", erklärte O'Sullivan, und "das Zeichen wurde gesetzt".
Er sei nicht so hungrig, auf diese Weise zu gewinnen, führte O'Sullivan abschließend aus: "Ich bin eher ein prinzipientreuer Mensch." Also seien die Prinzipien gemacht worden, so der Weltranglistenerste: "Ich kann nachts schlafen."
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Century! O'Sullivan packt gegen Bingham Top-Snooker aus

Quelle: Eurosport


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