Als Hendry seinen Rücktritt damals auf der Pressekonferenz bekannt gab, erhielt er Standing Ovations der anwesenden Medienvertreter. Nicht nur wegen seiner Dominanz in den neunziger Jahren, als er acht Jahre lang ununterbrochen die Weltrangliste anführte, spielte er eine herausragende Rolle im Snooker. Er hob Snooker auf ein neues Niveau.

Snooker
"Ein paar Käfer essen": O'Sullivan will ins Dschungelcamp
27/08/2020 AM 04:59

Das konsequente Break-Building, das aus dem modernen Snooker nicht mehr wegzudenken ist, hat er entwickelt. Aber es war nicht der Sport alleine, der ihn immer motiviert hatte. Angetrieben war er vom Willen, immer zu siegen. Als ihm das nicht mehr gelang, da fiel ihm dann auch die Trainingsfron zunehmend schwer.

Nun also der Rücktritt vom Rücktritt. Auch wenn er zuletzt noch bei der Senioren-WM das Halbfinale erreicht hatte, kam dieser Schritt dann doch überraschend. Im Vorfeld hatte Hendry einige Trainings-Sessions mit Steve Feeney gehabt. Der hatte mit seiner "Sight Right" Methode ja schon Mark Williams die Freude am Snookerspielen zurückgebracht und war so maßgeblich am dritten WM-Titelgewinn des Walisers im Jahr 2018 beteiligt.

world open China 2012 : Stephen Hendry

Fotocredit: Eurosport

Hendry kommt wohl bei der UK Championship zurück

So weit denkt Hendry noch nicht, obwohl er zugibt: "Noch einmal als Spieler in die Crucible-Arena zu kommen, das wäre ein Traum". Er weiß aber auch, dass das ein sehr weiter Weg wäre. Offensichtlich wird er auch nicht bei allen Turnieren spielen (der enge Terminplan war damals einer seiner Rücktrittsgründe).

Die "BBC" berichtet auf ihrer Website, dass die UK Championship wohl das erste Turnier für Hendry sein wird. "Ich bin ja in der Setzliste ganz unten und treffe dann sofort auf einen der Top-Spieler. Gegen so einen auf dem TV-Tisch zu spielen wäre aufregend, obwohl ich nichts erwarte." Zu Null zu verlieren sei ein Risiko, dass er eingehen müsse.

Ronnie O’Sullivan hatte mit seinem Triumph bei der Weltmeisterschaft sein 37. Ranglisten-Turnier gewonnen und damit den alten Rekord von Hendry überboten. Doch der Schotte meinte, dass habe nichts mit seiner Entscheidung zu tun: "Ich vermisse die Atmosphäre und die Aufregung, wenn man in einer Snooker-Arena an den Tisch kommt."

Hendry hat wieder die Lust am Snooker spielen gefunden

Das Training mit Feeney und seine Erfahrungen bei der Senioren-WM haben ihn offensichtlich motiviert: "Snooker ist alles, was ich kenne, und es macht mir wieder Spaß zu spielen. Bei den Senioren-WM habe ich auch wieder Breaks geschafft, und das macht mein Spiel ja aus. Es würde doch Spaß machen, für einige Überraschungen zu sorgen und auf dem Match-Tisch wieder eine gute Leistung zu zeigen."

Hendry gibt sich keinen Illusionen hin, wieder an seine alten Erfolge anzuknüpfen. Er war ja immer dem Snooker verbunden geblieben und weiß selbst, wie sehr sich das Spiel weiterentwickelt hat. Aber er hat einfach wieder Spaß daran, sich dem Wettkampf zu stellen; diesen Spaß hatte er vor acht Jahren nicht mehr. Da ist es vollkommen legitim, dass er die ihm angebotene Möglichkeit nutzt.

Ob ein Hendry heute eine sportliche Bereicherung für die Maintour sein wird, das weiß nicht mal er selbst. Ich habe da erhebliche Zweifel. Aber er ist eine Snooker-Legende und seine Rückkehr wird für viel Aufmerksamkeit sorgen. Neben ihm spielen übrigens auch Jimmy White, Ken Donherty und James Wattana mit einer Invitational Tour Card.

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Herzliche Grüße

Ihr / Euer Rolf Kalb

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