Ronnie O'Sullivan zeigte sich im Exklusiv-Interview mit Eurosport "wirklich schockiert" über das Verhalten Mark Selbys nach dessen Niederlage im WM-Halbfinale im Crucible. Offensichtlich habe die Partie Selby "verletzt" und "gezeichnet".

"Nach meinem letzten Spiel gegen Selby ist mir klar geworden, dass das WM-Halbfinale ihn wirklich schmerzen muss", sagte O’Sullivan. "Damals hatte ich das nicht gemerkt. Ich dachte, es ist nur ein Spiel, und er hat halt das Halbfinale verloren. Kein Problem, er kommt zurück und holt sich den Titel ein anderes Mal."

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Er fuhr fort: "Aber als ich sein Interview nach dem Match gesehen habe, habe ich erkannt, dass er verletzt war. Er hatte 33 Frames vergessen und nur noch zwei Spielzüge im Kopf. Ich glaube, das hat ihn in gewisser Weise gezeichnet. Ich denke, dass er darüber nicht hinwegkommen wird, denn für ihn ist es eine WM, die er verloren hat, und die er nie mehr zurückbekommt."

O'Sullivan ist überzeugt: "Selbst wenn er das Turnier noch ein- oder zweimal gewinnt, wird er das Match nie vergessen. Er dachte, er hätte es schon gewonnen. Wie er sich seitdem verhält und manche Dinge, die er seitdem sagt, zeigen, dass ihn das viel mehr stört, als ich jemals vermutet hätte. Um ehrlich zu sein, war ich wirklich geschockt. Aber er muss damit auf seine Weise umgehen".

Wahnsinn mit Methode

Selby hatte O'Sullivan vorgeworfen, sich ihm und dem Sport gegenüber respektlos verhalten zu haben, weil er während Snooker-Situationen einfach in hohem Tempo die Kugeln spielte und auf das Beste hoffte, anstatt sich auf eine taktische Partie einzulassen.

"Ich habe das Gefühl, dass er mir und dem Spiel gegenüber ein bisschen respektlos war. Nicht viele Spieler würden einfach loslegen und mit 100 Meilen pro Stunde spielen, wenn sie in einem Snooker stecken", sagte Selby.

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Trotz dieser Einwände wurde die Methode im Wahnsinn O'Sullivans deutlich. Der erfolgreichste Spieler der Geschichte kämpfte sich mit drei schnellen Frames von einem 14:16-Rückstand zurück und besiegelte einen denkwürdigen Sieg nach drei nervenaufreibenden Tagen.

Zudem kam seine Herangehensweise nicht unbedingt als Schock. Schon im Juni erklärte er, eine weitere taktische Schlacht mit Selby um jeden Preis vermeiden zu wollen. "Ich lasse mich nicht in acht oder neun Frames über 50 Minuten hineinziehen, denn sie zerstören einen", sagte O’Sullivan.

Weitere Sticheleien

Beim 9:3-Erfolg Selbys im Finale der Scottish Open vergangenen Monat kam es erneut zu Auseinandersetzungen der Rivalen. Beide Spieler beschuldigten den anderen der Unsportlichkeit.

Selby warf O’Sullivan vor, sein Queue in der Anfangsphase des Matches einzukreiden, um ihn aus dem Rhythmus zu bringen. O‘Sullivan entgegnete, dass Selbys Wasserflasche ihn während des Spiels gestört habe. Selby stichelte außerdem gegen O’Sullivan, weil der sich über seine Queuespitzen und das Spiel mit dem Queue beklagte.

O’Sullivan erlebte bereits am eigenen Leib, wie der Spieler, den er einst "den Folterer" nannte, sich 2014 von einem 5:10-Rückstand zurückkämpfte und ihm mit 18:14 den sechsten WM-Titel verwehrte.

"Die Leute sagen vielleicht, dass mir der Titel 2014 durch die Finger geglitten ist", sagte O’Sullivan. "Aber er hat das Gleiche mit Higgins gemacht. Inzwischen glauben die Leute, dass er ein besserer Spieler ist, wenn er vier oder fünf Frames Rückstand hat."

Er erklärte: "Und er ist dann auch gefährlicher, weil er seine Herangehensweise ändert. Ich habe 2014 verloren, aber ich war nie der Meinung, dass ich das hätte gewinnen müssen. Ich wusste bei 10:5, dass es noch ein weiter Weg ist. Ich hatte eine schwarze Kugel verpasst und gedacht: 'Das kann sich noch rächen'. Wenn man gegen die meisten Spieler bei 10:5 eine Kugel verpasst, ist das nicht das Ende der Welt. Aber er ist aus härterem Holz geschnitzt."

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