Masters: Macht es einer der "Big 4"? Ronnie O'Sullivan, Mark Selby, Judd Trump und Neil Robertson kämpfen um Titel

Klar: Wenn die besten 16 Spieler aufeinandertreffen, dann muss man jedem den Sieg zutrauen. So ist das natürlich auch beim Masters in London, das am Sonntag beginnt. Aber ganz so klar scheint es denn doch nicht zu sein, meint Eurosport-Kommentator Rolf Kalb. Bei den letzten 15 Ausgaben des Masters hieß der Sieger zehn Mal Ronnie O’Sullivan, Mark Selby, Judd Trump oder Neil Robertson.

Ronnie O'Sullivan

Fotocredit: Getty Images

Es sind also die aktuellen Top Vier der Weltrangliste, die die letzten 15 Jahre das Masters dominiert haben. Die anderen Champions in dieser Zeit waren Ding Junhui (2011), Shaun Murphy (2015), Mark Allen (2018), Stuart Bingham (2020) und Yan Bingtao (2021). Mit dem derzeit gesperrten Yan Bingtao war eigentlich nur ein einziger wirklicher Überraschungs-Sieger dabei. Und als er gewann, da wurde ohne Publikum in Milton Keynes gespielt. Da fühlte sich das Masters natürlich ganz anders an.
Selbst in einem solchen Top-Feld scheint es also etwas zu geben, das dafür sorgt, dass die wirklich Großen des Snooker immer noch einen Vorteil haben. Natürlich sorgt das Prestige des Masters für einen besonderen Druck. Das wird sicherlich eine Rolle spielen. Wenn man in den Snooker-Olymp will, dann muss man auch das Masters gewonnen haben.
Entscheidend ist aber für mich etwas anderes: Die laute und manchmal etwas raue Atmosphäre beim Masters stellt besondere Anforderungen an die Spieler (eine Spielerin hat sich bis jetzt ja leider noch nie qualifiziert). Die Fans in London machen nie einen Hehl daraus, auf wessen Seite sie stehen. Manchmal wirkt das dann sogar ein bisschen unfair (und manchmal nicht nur ein bisschen, zum Beispiel bei Ding Junhui im Finale 2007).
Man muss nicht nur ein sehr guter Snooker-Spieler sein, um das Masters gewinnen zu können. Man muss vor allem mit dieser Atmosphäre zurechtkommen. Die darf einen nicht verunsichern oder gar Angst machen. Im Gegenteil: Erfolgreich wird im Alexandra Palace sein, wer diese Stimmung zur zusätzlichen Motivation zu nutzen versteht. Das funktioniert auch, wenn die Fans auf Seiten des Gegners stehen. Motto: „Euch werde ich es zeigen!“
Das können eben einige besser als andere. Die Erfahrung spielt da eine Rolle, aber natürlich auch die eigene Persönlichkeit.
Es würde mich also nicht wundern, wenn auch in diesem Jahr einer der großen Vier den Titel holt. Als Erster ist da natürlich Ronnie O’Sullivan zu nennen. Der ist nicht umsonst der Rekord-Champion. Auch wenn er bisher die Saison ehr etwas locker angegangen ist: Das Masters ist sein Turnier, und da wird er sich top vorbereitet präsentieren.
Gespannt bin ich auf den Auftritt von Mark Selby. Das Masters im Vorjahr war ein Tiefpunkt für ihn, und nach seinem Ausscheiden hatte er seine mentalen Probleme ja öffentlich gemacht. Nach seinem Sieg bei den English Open hatte er gesagt, er freue sich darauf, mit einem Lächeln auf den Lippen beim Masters anzutreten. Der hat nichts zu verlieren. Entsprechend geringer ist der Druck.
Titelverteidiger Neil Robertson ist natürlich mittlerweile ein Riese. An einem guten Tag kann ihm kaum jemand das Wasser reichen. Zudem hat er das Masters nicht nur zweimal gewonnen, sondern auch 22 seiner 36 Matches beim Masters gewonnen; das ist eine sehr hohe Quote.
Bei Judd Trump dagegen bin ich mir nicht so sicher. Der schwächelt ja gerne mal bei den Triple Crown Events. Natürlich ist auch er ein ehemaliger Masters-Champion, und seine Quote (13 von 23 Matches gewonnen) ist gar nicht so schlecht. Aber um im Ally Pally zu gewinnen muss man sehr selbstbewusst sein, und da habe ich bei ihm derzeit Zweifel.
Vielleicht aber überrascht ja auch einer der anderen Spieler. Zuzutrauen ist es ihnen allemal.
Die andauernde Manipulations-Affäre im Snooker trübt die Vorfreude auf das Masters natürlich erheblich. Hier finden Sie meinen aktuellen Blog zu diesem Komplex.
Herzliche Grüße
Ihr / Euer Rolf Kalb
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Quelle: Eurosport

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