Vor einer Sache hatte Ronnie O'Sullivan im Snooker immer Angst.
"Ich wollte nie der Typ Spieler sein, der nach einer Partie mit 1000 Zuschauern dran ist, an den Tisch geht und dann nur noch vor 70 Leuten spielt. Ich wollte nie ein Publikum vor Langweile aus der Halle treiben", sagt O'Sullivan im Gespräch mit Eurosport.
Man kann festhalten: Die Gefahr bestand nie.
UK Championship
O'Sullivan: "Für mich ist jedes Turnier wie Urlaub"
22/11/2021 AM 22:19
Nicht umsonst trägt der 45-Jährige den Spitznamen "The Rocket". Der Grund liegt auf der Hand: O'Sullivan spielt extrem schnell, geht hohes Risiko, attackiert gerne.

OSullivan: "Du musst wie Davis, Selby und Higgins sein"

"Die Logik aber sagt, dass du damit eigentlich nicht viel gewinnen kannst. Dafür musst du wie Steve Davis sein, wie Mark Selby oder methodisch wie John Higgins", führt der Superstar aus. "Du musst wie eine Maschine sein, denn im Snooker gewinnen normalerweise die Maschinen."

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Das allerdings war nie die Sache von O"Sullivan. "Ich möchte der Spieler sein, für den 1000 Leute kommen, weil sie genau ihn spielen sehen wollen." Das sei "ein großartiges Gefühl", gibt der Engländer zu. Aber auch eine Gratwanderung: "Du willst ja nicht einen Stil spielen, mit dem du keinen Erfolg hast."
O'Sullivan ist der Spagat indes gelungen, vielleicht besser als jedem anderen Profi in der Snooker-Geschichte. Er sei "wahrscheinlich der Einzige in der Geschichte, der mit Angriffssnooker zum erfolgreichsten Spieler wurde". Tatsächlich hält der Virtuose eine ganze Reihe an Rekorden, darunter den für die meisten Titel bei Ranglistenturnieren (37) oder den der meisten Maximum Breaks (15).

OSullivan: "Bin nicht der beste Allrounder"

Überraschenderweise legt O'Sullivan aber keinen Wert darauf, als einer der besten Allrounder zu gelten. "Manchmal denke ich, dass das wahrscheinlich nicht gut ist. Es ist entscheidend, in zwei der drei Dinge sehr, sehr gut zu sein, die im Snooker wichtig sind: dem Lochen, dem Break-Building und dem Safety-Spiel. Und dann gibt es da noch die mentale Seite. Also sind es eher vier Faktoren", erläutert O'Sullivan.
Er selbst sei "überragend in zwei Dingen und nicht so großartig in den anderen beiden".

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Was er nicht verriet: welche Bereiche er beherrscht und welche nicht. Klingt alles ein wenig kompliziert, das weiß auch O'Sullivan, weshalb er nachschiebt: "Ich bin insgesamt so gut, dass ich mit den anderen Jungs mithalten kann. Ergibt das Sinn?" Am Ende sei es so, dass er "wahrscheinlich nicht der beste Allrounder aller Zeiten sei, aber der erfolgreichste Spieler".
Das will er ab Dienstag auch bei der UK Championship (live bei Eurosport im TV und bei Eurosport auf Joyn) unter Beweis stellten. O'Sullivan ist mit sieben Titeln Rekord-Champion in York, 1993 gewann er das Turnier zum ersten Mal, 28 Jahre ist das nun her.
Dieses Mal geht das Endspiel der UK Championship am 5. Dezember über die Bühne. An dem Tag feiert O'Sullivan seinen 46. Geburtstag, vorzugsweise am Snooker-Tisch im Barbican Centre.
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