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WPBSA und WSF: Snooker-Spieler Simon Lichtenberg bekommt Tourplatz

Gordischer Knoten durchschlagen: Lichtenberg bekommt Tourplatz

16/02/2018 um 18:43

Es ist eine Entscheidung für den Sport und die Fairness: U21-Europameister Simon Lichtenberg bekommt seinen Platz auf der Maintour. Der 20-jährige Berliner erhält eine Zwei-Jahres-Tourkarte ab der Saison 2018/19, wie die World Professional Billiards and Snooker Association (WPBSA) und die World Snooker Federation (WSF) heute bekanntgaben. Nach einer Woche hat Lichtenberg damit Gewissheit.

Sportlich hatte sich Simon Lichtenberg durch seinen Triumph bei der U21-Europameisterschaft vor einer Woche in Sofia für die Profitour qualifiziert. Voraussetzung allerdings, um seinen Tourplatz einnehmen zu können, war, dass der nationale Verband des Europameisters Mitglied der WSF ist.

    Einen Beitritt zur WSF hatte aber die Deutsche Billard-Union (DBU) noch im Januar abgelehnt. Damit saß Lichtenberg in der sportpolitischen Falle, ohne selber an diesem Dilemma etwas ändern zu können. Sein Traum, Profi zu werden, schien wieder in weite Ferne gerückt.

    In Ihrer im Internet veröffentlichen Erklärung machen WPBSA und WSF noch einmal ihren Standpunkt klar und weisen darauf hin, dass im Vorfeld der EM jedem bekannt war, welche Voraussetzungen erfüllt sein müssen, damit ein Spieler Profi werden kann. Allerdings stellen sie auch klar, dass kein Spieler unter den Handlungen seines nationalen Verbandes leiden soll.

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    Sportpolitik soll Lichtenberg nicht im Wege stehen

    Sportpolitik, so heißt es weiter, solle keinen Einfluss auf die zukünftige Karriere eines jungen und talentierten Sportlers haben. Deshalb habe man sich unter Berücksichtigung der besonderen Umstände entschlossen, Simon Lichtenberg den Tourplatz anzubieten.

    Gleichzeit wird in der Erklärung die Erwartung ausgedrückt, dass die DBU nun Mitglied in der WSF wird. Geschieht das bis zum 1. März, dann könnten Sportler der DBU auch an den WSF-Weltmeisterschaften teilnehmen.

    Auch dort geht es um Maintour-Plätze und um Wildcards für die WM-Qualifikation im April 2018 in Sheffield. Die WSF stellt ausdrücklich klar, dass die Mitgliedschaft bei der WSF nicht die Mitgliedschaft in anderen Verbänden oder Konföderationen ausschließt, und dass die Mitglieder auch bei den Meisterschaften anderer Verbände spielen können.

    Simon Lichtenberg

    Simon LichtenbergGetty Images

    Beitritt der DBU erscheint unwahrscheinlich

    Ich kenne den Schriftwechsel in der letzten Woche zwischen der DBU und der WPBSA/WSF nicht. Allerdings hat die DBU ja am letzten Sonntag eine Erklärung auf ihrer Webseite veröffentlicht, in der sie noch einmal ihre Vorbehalte gegenüber der WSF in klaren Worten deutlich gemacht hat. Ich möchte hier nicht beurteilen, ob und wie weit die Vorbehalte der DBU gegenüber der WSF berechtigt sind.

    Die Wortwahl allerdings ließ für mich keine Bereitschaft auf Seiten der DBU erkennen, in irgendeiner Hinsicht eine Einigung zu finden. Da hat es sich der Verband sehr einfach gemacht: Maintourplätze zu vergeben sei Sache der WPBSA. Man habe damit also nichts zu tun und könne deshalb auch nichts machen.

    Der Rest war dann eine Anti-WSF-Tirade. Diese mangelnde Bereitschaft, im Sinne des Sports und im Sinne von Simon Lichtenberg nach einer Lösung zu suchen, fand ich eine große Enttäuschung.

    Ferguson als treibende Kraft

    Jason Ferguson, in Personalunion Vorsitzender der WPBSA und der WSF, hat da anders agiert. Er hat auf starke und polarisierende Worte verzichtet und von Anfang an durchblicken lassen, dass er auf der Suche nach einer positiven Lösung ist.

    Für mich ist er die treibende Kraft bei dieser Entscheidung, die heute öffentlich gemacht wurde, und damit der Mann, der den Mut hatte, den gordischen Knoten zu durchschlagen. Dafür gebührt ihm Dank und Anerkennung.

    Von der DBU habe ich derzeit keine neuen Informationen. Ich weiß also nicht, ob der deutsche Verband seine Entscheidung in Sachen WSF noch einmal überdenkt. Damit ist unklar, ob deutsche Spielerinnen und Spieler bei den WSF-Weltmeisterschaften im März mitspielen können.

    Unterstützung vom Innenministerium fehlt

    Selbst wenn die Voraussetzungen geschaffen würden, sehe ich allerdings schon wieder das Argument aufkommen, dass diese Titelkämpfe nicht zu den vom Bundesministerium des Inneren genehmigten Maßnahmen gehören und man deshalb auch keine Mittel dafür habe. Sollte deutschen Sportlerinnen und Sportlern diese Möglichkeit verwehrt bleiben, wäre dies ein weiterer Bärendienst am Sport!

    Aber freuen wir uns erst einmal über die neueste Entwicklung. Damit spielen also in der nächsten Saison mit Lukas Kleckers und Simon Lichtenberg zwei Deutsche auf der Maintour. Der Weg, den Simon vor sich hat, ist schwer genug. Heiko Mutz, langjähriger Mentor und Unterstützer von Simon in Berlin, hat es auf den Punkt gebracht:

    "Jetzt fängt die Arbeit erst richtig an."

    Dafür wünsche ich Simon viel Erfolg und drücke alle Daumen!

    Herzliche Grüße

    Ihr / Euer Rolf Kalb

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