"Danke an jeden, der zuschaut, an meine Freunde zuhause", bedankte sich Shaun White für die jahrelange Unterstützung, die ihn nicht nur in seinem Sport zu einem Weltstar werden ließ.
Im Alter von 19 Jahren holte er in der Halfpipe von Turin sein erstes olympisches Gold, vier Jahre später legte er in Vancouver nach. 2018 in Pyeongchang folgte dann gar der dritte Olympiasieg. Dazu kommen 15 Goldmedaillen bei den X-Games, neben den Olympischen Spielen das wichtigste und größte Event im Snowboard und Ski-Freestyle.
Doch Whites Legendenstatus lässt sich nicht allein auf seine sportlichen Erfolge reduzieren. Er war der Erfinder zahlreicher Tricks und machte das Snowboarden weltweit groß. Bereits zwei Jahre nach seinem Triumph in Turin brachte er mit "Shaun White Snowboarding" seine eigene Videospielreihe heraus. Hinzu kommen noch zahlreiche weitere Unternehmertätigkeiten.
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Schon vor den Spielen in Peking stand fest, dass dies Whites letzter olympischer Auftritt werden würde. Entsprechend groß war die Aufmerksamkeit. In der Qualifikation löste er mit einem starken letzten Lauf als Vierter das Ticket fürs Finale, dort blieb ihm dann die Krönung mit dem vierten olympische Gold verwehrt. Stattdessen reichte es nur für den undankbaren vierten Platz.

Tränen beim Abschied: Der letzte Run von Legende White

Nach der ersten Enttäuschung über Platz vier überwiegt der Stolz

"Es ist schwer für mich, mich nicht an diesem letzten Lauf aufzuhängen. Ich wollte es unbedingt. Aber - ich weiß nicht warum - meine Beine habe aufgeben. Vielleicht war es der Druck, vielleicht auch einfach die Müdigkeit und die Nervosität", machte White aus seiner Enttäuschung über die verpasste Medaille keinen Hehl: "Ich wäre sehr gerne nochmal mit allen da oben gestanden. Aber du kannst nicht immer bekommen, was du willst, aber du bekommst, was du brauchst. Ich bin glücklich."
Und so verflog die Enttäuschung bei den Interviews im Zielbereich auch schnell und der Stolz überwog. "Ich bin stolz auf die Runs, die ich gezeigt habe. Ich bin stolz für mein letztes Goodbye hier sein zu können", sagte der US-Amerikaner und wurde sichtlich emotional.
Im Interview mit der "ARD" stellte er noch einmal heraus, was Snowboarden für ihn bedeutet. "Als Kind hatte ich soviel Energie, ich war der schreckliche Rothaarige aus der Nachbarschaft, der immer Probleme macht und bin da schließlich rausgekommen", erzählte White.
Snowboarden sei für ihn mehr als nur die Tricks, sondern auch die Kleidung, die Musik und generell die ganze Kultur dieses Sports, führte er weiter aus.

White sagt Goodbye: "Danke, Snowboarden - das war mein Leben!"

White: "Was ich an diesem Sport liebe, ist, dass nichts in Stein gemeißelt ist"

"Was ich an diesem Sport liebe, ist, dass nichts in Stein gemeißelt ist", erklärte White: "Die Möglichkeit einen neuen Trick zu zeigen, den bisher noch keiner gemacht hat und damit der Beste zu sein." Er selbst hat von dieser Chance öfters gebraucht gemacht.
So war er der erste Snowboarder der in der Halfpipe "back-to-back" Double Corks stehen konnte. Bei dieser Trick-Kombination zeigt der Sportler in zwei aufeinanderfolgen Sprüngen eine doppelte Drehung um drei Achsen.
Mit seinen Tricks und seiner Leidenschaft für den Sport trieb er Snowboard auf immer neue Höhen. "Alle anderen haben mir gesagt, dass der Sport und die Tricks ohne mich jetzt nicht so weit wären, wie sie es sind. Das macht mich wirklich glücklich", sagte White bei "NBC".
Zugleich gab er den Staffelstab an die nächste Generation weiter. "Wir haben von den anderen Athleten super Läufe gesehen. Es ist jetzt an ihnen zu zeigen, wohin dieser Sport geht. Es liegt nicht mehr an mir, sondern an ihnen. Ich freue mich den Weg des Sports zu verfolgen", so White in der "ARD".

"Der letzte Tanz": Superstar White nimmt mit Tränen Abschied

White zeigt sich von Ayumu Hirano begeistert: "Das war der Run seines Lebens"

Der Generationenwechsel wurde bereits im Halfpipe-Finale sichtbar. Gold sicherte sich der 23-jährige Japaner Ayumu Hirano mit 96,00 Punkten vor dem Australier Scotty James und dem Schweizer Jan Scherrer, beide 27 Jahre alt.
Besonders Hiranos Auftritt beeindruckte White. "Ich bin glücklich für Ayumu. Ihn hier diesen Run schmettern zu sehen, ich meine: Das war der Run seines Lebens und er hat ihn auf den Punkt hingesetzt", lobte die Legende den neuen Olympiasieger bei Eurosport.

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Und was folgt für White jetzt? Langweilig wird ihm auch nach der sportlichen Karriere sicher nicht werden. Erst im Januar wurde bekannt, dass er mit seinem Bruder eine Snowboard- und Lifestyle-Marke aufbauen möchte. "'Whitespace' steht für etwas absolut Neues, so unterstütze ich weiter meinen Sport. Ich hoffe, dass ich so weitermachen kann und der nächsten Generation helfe", erklärte White.

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White wird nicht langweilig werden

Er wird also "seinem" Sport definitiv erhalten bleiben und möchte dabei auch die nachfolgende Generation fördern.
"Ich möchte die besten Fahrer, die die den Funken haben, raussuchen und unter Vertrag nehmen sowie mein Wissen und die Erfahrungen aus meiner Karriere weitergeben", erläuterte White seine zukünftigen Ziele, während er abermals mit den Tränen kämpfte.
Leicht fallen wird ihm die Umstellung jedoch nicht, wie der 35-Jährige selbst zugab. Er werde eine Zeit lang brauchen, um sich in seinem neuen Leben einzurichten. Aber er freue sich drauf, so White.

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