Carlos Alcaraz im Wunderland - warum Spanien in der Tenniswelt alles in den Schatten stellt
Carlos Alcaraz und Rafael Nadal führen die ATP-Weltrangliste an. Es ist kein Zufall, dass es zwei Spanier sind, die dafür gesorgt haben, dass erstmals nach 22 Jahren wieder zwei Spieler derselben Nation die Plätze eins und zwei belegen. Die massive Klasse der iberischen Tennisprofis habe Gründe, erklärt Mischa Zverev bei Eurosport. Vor allem in jungen Jahren gebe es einen entscheidenden Vorteil.
Der Matchball: Alcaraz gewinnt die US Open 2022
Quelle: Eurosport
Mit sechs Spielern in den Top 40 der Weltrangliste und den amtierenden Champions bei den Australian Open, French Open und US Open ist Spanien bei den Männern derzeit die dominierende Tennis-Nation.
Mehr noch: Mit den beiden US-Open-Juniorensiegern Martín Landaluce (2022) und Daniel Rincón (2021) stehen weitere Toptalente in den Startlöchern.
Auch Alejandro Davidovich Fokina, Junioren-Champion 2017 in Wimbledon, ist erst 23 Jahre alt und war bereits in den Top 30 der Welt zu Gast.
"Es gibt natürlich Zeiten, da kommt in einzelnen Ländern alles zusammen. Denken wird an die Schweiz, als plötzlich Martina Hingis, Roger Federer und Stan Wawrinka hochkamen", sagt Mischa Zverev exklusiv bei Eurosport.
Zverev: Das Problem nördlich der Alpen
Spanien sei dennoch ein Sonderfall. "Das Land verfügt über eine große Zahl an Tennis-Akademien. Da müssen die jungen Talente gar nicht unbedingt Turniere spielen, sondern werden allein schon dadurch besser, dass sie sich untereinander messen und so verbessern", erklärt der 35-Jährige, der 2017 das Viertelfinale der Australian Open erreichte.
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Finale: Alcaraz krönt sich mit 19 zum Champ - Highlights
Quelle: Eurosport
Dies sei "ein Aspekt, der nördlich der Alpen etwas fehlt. Das Wetter ist nicht so gut, es gibt nicht so viele Akademien - und auch das unterschiedliche Schulsystem erschwert den Zugang zum Profitennis", betont Zverev. Der Klima-Faktor dürfe überdies nicht unterschätzt werden. "Das gute Wetter und damit die Möglichkeit, fast immer draußen zu spielen, ist ein Vorteil in Spanien", ergänzt der Eurosport-Experte.
Bruder Alexander Zverev gewann 2014 als Jugendspieler die Australian Open und war damit in den vergangenen 25 Jahren (!) der einzige Deutsche, der im Männerbereich einen der vier Grand-Slam-Wettbewerbe bei den Junioren für sich entscheiden konnte.
Spanien stark in allen Bereichen
Heute ist der 25-Jährige der letzte deutsche Profi in den Top 50 des ATP Rankings. Ganz anders die Situation im spanischen Tennis. Mit Rafael Nadal, Pablo Carreño Busta, Roberto Bautista Agut und Albert Ramos Viñolas hat man vier erfahrene Ü30-Profis unter den ersten 40 der Weltrangliste.
Den "Mittelbau" bilden Jaume Munar, Pedro Martínez und Bernabé Zapata Miralles. Die drei 25-Jährigen stehen in den Top 100 und schielen nach oben. Die Zukunft aber gehört den ganz Jungen um Alcaraz, Davidovich Fokina und Landaluce. Namen und Erfolgsgeschichten, die Sogwirkung entwickeln für die Allerjüngsten. An Nachwuchs muss sich die Real Federación Española de Tenis (RFET) jedenfalls keine Gedanken machen.
Alcaraz und Landaluce standen indes wenige Wochen nach ihren US-Open-Erfolgen gemeinsam auf dem Platz und trainierten in der JC Ferrero Equelite Sport Academy in Villena in der Provinz Alicante.
Das Sand-Klischee ist längst widerlegt
Das Zentrum ist ein perfektes Beispiel für die fruchtbare Arbeit, die im spanischen Tennis geleistet wird. Namensgeber Juan Carlos Ferrero, einst die Nummer eins der Welt und heute Coach von Alcaraz, leitet regelmäßig selbst Trainingssessions. Das Know-How wird weitergeben. Wenngleich die Ausbildung auf Sand stattfindet, haben Spaniens Tennisprofis das Klischee längst widerlegt, wonach sie nur auf dem roten Belag zu Höchstleistungen auflaufen.
Drei der vergangenen sechs Titel bei den US Open der Männer gingen an Nadal und Alcaraz, ebenso zwei von vier Turniersiege bei den Hartplatz-Masters der laufenden Saison. Alcaraz setzte sich in Miami durch, Carreño Busta in Montréal.
Das erfolgreichste Land im Davis Cup in den vergangenen 20 Jahren? Richtig, Spanien.
Mischa Zverev hat schon recht, wenn er sagt, dass in manchen Ländern eben "alles zusammenkommt".
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