Es gibt Dinge, die hat selbst der beste Sandplatzspieler, den der Tennis-Sport bisher gesehen hat, noch nicht erlebt. "Ich habe noch nie ein Finale wie dieses gespielt", gab Rafael Nadal nach dem 6:4, 6:7 (6:8), 7:5 im Finale gegen Stefanos Tsitsipas zu.
Dem Superstar war beim Sieger-Interview auf dem Centre Court, der passenderweise den Namen "Pista Rafa Nadal" trägt, anzumerken, was ihm dieser Erfolg bedeutet.
Es war eine klare Ansage an die Konkurrenz: Ich bin wieder da - das Sandplatz-Monster ist zurück.
ATP Barcelona
Unfassbares Finale! Nadal kämpft Tsitsipas nach Marathon nieder
25/04/2021 AM 17:52
Bereits während der Turnierwoche hatte Boris Becker im Interview mit Eurosport diejenigen gewarnt, die das Ende der Regentschaft von Nadal schon bei den kommenden French Open für möglich halten. "Wer gegen Rafa in Paris wettet, ist ein Idiot. Das würde ich niemandem raten", betonte der sechsmalige Grand-Slam-Turniersieger.

Nadal: Wie angreifbar ist der Sandplatz-König?

Die lange Spielpause, die wenigen Matches in diesem Jahr und die Viertelfinal-Niederlagen bei den Australian Open sowie vor eineinhalb Wochen beim Sandplatz-Masters von Monte-Carlo wurden Nadal als Schwäche ausgelegt. Der König schien angreifbarer geworden zu sein - auch auf seinem geliebten roten Belag.
Ein Stück weit teilt Becker diese Ansicht sogar. "In Monte-Carlo hat er nicht gegen irgendwen verloren, sondern gegen Andrey Rublev. Der ist nicht nur jung, sondern wird auch noch besser", so der 53-Jährige. "Die Luft für Nadal wird dünner", zumal es ja da noch diesen Stefanos Tsitsipas gebe.
Doch genau der bekam nun im Finale von Barcelona die geballte Macht des Rekord-Grand-Slam-Champions zu spüren.
Tsitsipas kam deutlich besser ins Match als Nadal - und verlor den ersten Satz. Im zweiten wehrte er zwei Matchbälle des Spaniers ab, hatte im dritten das Momentum auf seiner Seite und Matchball. Trotzdem war es Tsitsipas, der nach 3:38 Stunden den Court verließ und auf seiner Bank enttäuscht ins Leere starrte.

Tsitsipas mit wirkungsvoller Waffe gegen Nadal

Nadal hatte mal wieder gezeigt, was Willen bedeutet. Es ist, neben der sportlichen Klasse, diese Eigenschaft, die Becker glauben lässt, dass der 34-Jährige auch in dieser Saison bei den French Open nicht zu schlagen sein wird. "Rafa hat Roland Garros 13 Mal gewonnen und ist für mich auch in diesem Jahr der Topfavorit."

Stefanos Tsitsipas beim ATP-Turnier von Barcelona

Fotocredit: Getty Images

Das ist zweifellos so, wenngleich der Erfolg in Barcelona auch gezeigt hat: Es gibt Waffen, mit denen Nadal auf Sand beizukommen ist.
Der gefürchteten linken Vorhand mit dem enormen Spin setzte Tsitsipas seine einhändige rechte Rückhand entgegen - und tat dem Ausnahmespieler damit empfindlich weh. Selten brachte ein Gegner es in den vergangenen Jahren fertig, Nadal auf Sand dermaßen unter Druck zu bringen.
Rublev war das in Monte-Carlo sogar noch ein wenig besser gelungen, als er den Mallorquiner mit 6:2, 4:6, 6:2 bezwang. Nadal sprach danach von Problemen auf der Rückhand. "Ich werde jetzt nach Barcelona fahren und härter trainieren", kündigte er an. Genau das hat er getan, was aber nicht heißt, dass plötzlich alles wie von alleine läuft.

Nadal: "Du musst dafür kämpfen"

Gleich in seinem ersten Match muss er gegen den Weltranglisten-111. Ilya Ivashka einen Satzrückstand wettmachen und auch gegen Kei Nishikori kam er nicht in zwei Sätzen durch. Am Ende war es der erste Titel für Nadal in Barcelona, bei dem er im Turnierverlauf mehr als einen Satz abgeben musste.
"Ich habe mein Niveau während der Woche stetig verbessert. Durch täglich harte Arbeit. Du musst dafür kämpfen und jeden Tag nach Lösungen suchen", erklärte der Champion. Klingt nach Phrasen, trifft aber den Kern. Selbst einer wie der 13-fache French-Open-Sieger kann seine Topform nicht auf Knopfdruck aktivieren.
Und obwohl das Duell mit Tsitsipas in Barcelona auf einem exorbitant hohen Level ablief, hat sich gezeigt: Nadal ist noch nicht der Dominator, der er war. Alexander Zverev, Daniil Medvedev, Dominic Thiem, Novak Djokovic oder Matteo Berrettini werden sich die Partie genau anschauen und ihre Schlüsse ziehen.
Nadal wiederum wird bei den Masters-Events in Madrid und Rom daran feilen, diese Dominanz wiederzufinden. Inwieweit ihm der kraftraubende Final-Marathon gegen Tsitsipas dabei hilft, ist schwer zu beantworten. Vielleicht ist es das Beste, nicht allzu viel in die Partie hineinzuinterpretieren, sondern sie als das zu sehen, was sie war: ein unfassbar gutes Sandplatz-Match.
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