Boris Becker stimmt Kritik von Alexander Zverev zu: Tennis-Weltrangliste unverständlich

ATP und WTA wurden und sind durch die Corona-Pandemie gezwungen, die Weltranglisten anzupassen. Die Art und Weise der Berechnung ruft aber Kritik hervor, Alexander Zverev etwa sprach von einer "Katastrophe". Eine Sichtweise, der Boris Becker im Eurosport-Podcast Das Gelbe vom Ball zustimmt. Mehr noch: "Es steht außer Frage, dass es eine Reform der Weltrangliste geben muss", so die Tennis-Ikone.

Alexander Zverev (li.) im Gespräch mit Boris Becker (re.)

Fotocredit: Imago

"Das aktuelle System verstehe ich nicht."
Boris Becker gibt offen zu, dass er mit der aktuell gültigen Weltrangliste wenig anfangen kann.
Tatsächlich ist nur schwer zu durchschauen, wie die Punkte der Profis zustande gekommen sind.
Erst am 3. März nahm die ATP wieder Änderungen vor. Doch der Reihe nach. Am 16. März 2020 wurde das Ranking infolge der Corona-Pandemie zunächst eingefroren.
Nach Wiederaufnahme des Spielbetriebs im Sommer wurde entschieden, Turniere aus den vergangenen 22 Monaten statt der üblichen 12 zu berücksichtigen. Im Oktober verkündete die ATP, die Bemessungsperiode auf zwei Jahre auszudehnen.

Das Ranking: Keine klare Sache mehr

Auf Basis dieser Grundlage wird noch - Stand jetzt - bis zum 9. August dieses Jahres gearbeitet.
Allerdings mit weiteren Anpassungen. Turniere, die zwischen dem 4. März und 5. August 2019 ausgetragen wurden und in der Saison 2020 ausfielen oder nach hinten verschoben wurden, gehen ein weiteres Jahr lang in die Wertung ein - wenn auch nur zu 50 Prozent.
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Becker: "Ich hoffe, dass Federer diesen Fehler nicht macht"

Quelle: Eurosport

Die maximale Anzahl der Wettbewerbe, die in die Berechnung der Punktzahl eingeht, liegt aktuell bei 20. Im Idealfall sind dies vier Grand-Slam-Events, acht Masters, die besten sieben übrigen Turniere sowie die ATP Finals am Jahresende.
Hat man dies erst einmal verstanden, wird klar, dass dies zu einem Nachteil für Profis werden kann, die derzeit viel spielen und damit riskieren, bei schlechten Ergebnissen Punkte gegenüber der pausierenden Konkurrenz zu verlieren. Ein Umstand, der bei Eurosport-Experte Becker auf Unverständnis stößt.

Becker irritiert: Kein Vorteil für spielende Profis?

"Es ist verwunderlich, wenn ein Profi, der seit September regelmäßig spielt, nicht von seinen Erfolgen profitiert. Vor allem, wenn andere im Ranking nicht abstürzen, obwohl sie gar nicht spielen", erläutert der 53-Jährige. Besonders deutlich zeigt sich dies bei Roger Federer oder Ashleigh Barty.
Beide verzichteten lange Zeit auf Turniere, hielten sich aber dennoch sehr gut im Ranking - Barty ist sogar noch immer die Nummer eins der WTA.
Das Geschehen in der Weltrangliste sei "ein bisschen absurd", betonte Alexander Zverev Mitte März im Interview mit dem mexikanischen TV-Sender "Central Fox".
Dirk Hordorff, Vizepräsident des Deutschen Tennisverbandes (DTB), kommentierte die Situation bei den Herren auf seiner Facebook-Seite mit triefendem Sarkasmus: "Einige von euch haben das Problem, das Ranking-System der ATP zu verstehen. Dabei ist es so einfach. Roger Federer kann seinen Ranglistenplatz aussuchen - sogar, wenn er nicht spielt."

Wagen ATP und WTA die Ranglistenreform?

Becker spricht indes von "einer Notsituation", die sich infolge der Corona-Pandemie auch im Tennis ergeben habe. "Ich bin sehr froh, dass es seit September überhaupt wieder Turniere gibt", sagt der sechsfache Grand-Slam-Turniersieger, fordert aber gleichzeitig, dass "diejenigen belohnt werden müssen, die das Risiko eingehen, reisen und spielen".
Vor diesem Hintergrund wird spannend zu beobachten sein, ob und wann ATP und WTA sich dafür entscheiden, ihre Ranglisten zu reformieren.

Die ganze Folge des Podcasts mit Barbara Rittner & Boris Becker hier anhören:

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Quelle: Eurosport

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