Novak Djokovic wegen Unterstützung von Studentenprotesten in Serbien unerwünscht: Sein neues Leben in Griechenland

Novak Djokovic schlägt diese Woche in Athen beim kleinen 250er-Turnier der ATP Tour auf. Die griechische Hauptstadt hatte im Sommer als Austragungsort den Platz von Belgrad eingenommen, das Turnier wird aber weiter von der Familie Djokovic geleitet. Der Superstar zieht dabei Konsequenzen aus dem harten Konflikt mit Medien und Regierung in seiner Heimat - Athen ist nun sein neuer Lebensmittelpunkt.

Novak Djokovic und Serbiens Präsident Aleksandar Vucic im Spannungsfeld

Fotocredit: Quentin Guichard

Es war eine stille, fast heimliche Ankündigung mitten im Sommer. Anfang August gab die ATP bekannt, dass das Turnier von Belgrad nach Athen verlegt wird und vom 2. bis 8. November, direkt vor dem Masters in Turin, stattfindet.
"Es wird weiterhin von einem erfahrenen Team organisiert, das bereits neun internationale Turniere betreut hat", ließ die ATP verlauten.
Für Aufsehen sorgte die Nachricht, weil das 2009 gegründete Turnier in Belgrad der Familie von Novak Djokovic gehört. Sein Bruder Djordje, bislang Turnierdirektor in Belgrad, übernimmt dieselbe Rolle in Athen.
Parallel dazu wurde bekannt, dass Djokovic seine ganze Familie gleich mit nach Griechenland nimmt - zumindest vorerst. Die Kinder sollen bereits seit September eine Privatschule in Athen besuchen, die Djokovics haben ein großes Haus im südlichen Vorort Glyfada gemietet. Ein Neuanfang, der vor zwölf Monaten noch undenkbar gewesen wäre für den Nationalhelden.

Unglück von Novi Sad als Auslöser

Alles begann mit einer Tragödie. Am 1. November 2024 gegen 11:50 Uhr stürzte das frisch renovierte Betonvordach des Bahnhofs Novi Sad ein und begrub 16 Menschen unter sich, zu den Opfern gehörte auch ein sechsjähriges Kind. Die Katastrophe löste landesweit großflächige Proteste aus, vor allem unter Studierenden. Die Regierung wird beschuldigt, bei der öffentlichen Infrastruktur geschlampt und mit dem Versuch, auf einfachem Wege Kosten einzusparen, die Katastrophe ausgelöst zu haben.
Die politischen Konsequenzen aus der Tragödie - Rücktritt des Premierministers, Anklage gegen den Verkehrsminister - beruhigten die Lage nicht. Die Forderungen gingen zunehmend über das Unglück von Novi Sad hinaus: Kampf gegen Korruption, mehr Mittel für Gesundheit, Justiz und Bildung.
Die serbische Jugend zeigte ihren Zorn und ihren Wunsch nach Veränderung. Im Januar 2025 beteiligten sich 130 Städte an Blockadeaktionen. Die Spannungen zwischen Demonstranten und der regierenden Fortschrittspartei von Präsident Aleksandar Vučić eskalierten.

Regierung untergräbt Djokovics Glaubwürdigkeit

Dann kam Novak Djokovic ins Spiel. Bei den Australian Open 2025 sendete er nach Siegen Botschaften über die Kameras und äußerte sich regelmäßig in Pressekonferenzen mit unterstützenden Worten für die Demonstrierenden.
"Ich kann nicht so tun, als ob in Serbien nichts passiert. Natürlich bewegt mich das", sagte er und verwies auf eine Studentin, die von einem Auto angefahren wurde. "Leider ist das nicht der einzige Fall von Gewalt gegen junge Menschen. Das ist eine große Niederlage für uns als Gesellschaft." Da Djokovic diese Sätze in seiner Muttersprache sprach, blieb die internationale Resonanz jedoch gering.
Am 31. Januar, zurück in Belgrad nach seinem Halbfinal-Aus in Melbourne, erschien Djokovic beim Basketball-Derby Roter Stern gegen Partizan - im Hoodie mit der klaren Botschaft: "Students are champions". Als die Proteste auch im März anhielten, nannte er aus dem fernen Miami eine in Belgrad stattfindende Kundgebung "historisch und großartig".
Präsident Vučić reagierte zunehmend gereizt, denn Djokovic ist in Serbien mehr als ein Sportidol: Er ist Vorbild, Inspiration, Stimme für Millionen. Mit 25 Millionen Followern auf Social Media hat sein Wort Gewicht.
Die Regierung startete daraufhin eine Kampagne, die darauf abzielte, die Glaubwürdigkeit des 24-maligen Grand-Slam-Champions zu untergraben. Regimetreue Medien bezeichneten Djokovics Äußerungen als "Schande" und warfen ihm gar vor, eine aus dem Ausland gesteuerte Destabilisierung der Führung zu betreiben.
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Einst Freunde, mittlerweile Feinde: Novak Djokovic mit Serbiens Präsident Aleksandar Vucic

Fotocredit: Getty Images

Wandbild von Djokovic in Serbien schwarz übermalt

Aus dem Idol wurde ein Paria - zumindest in den Augen der Macht. Der Status des Volkshelden änderte sich in seinem eigenen Land drastisch, auch wenn ein Großteil der Bevölkerung ihm weiterhin Zuneigung und Bewunderung entgegenbrachte.
Nach und nach reifte bei Djokovic die Überlegung, der Regierung eine Antwort zu geben. Sein Entschluss: Das Turnier in Belgrad nach Athen zu verlegen und mit seiner Familie wegzuziehen. Offiziell ging es laut Bruder Djordje um "die Einhaltung von Vorgaben der ATP". Aber für 2025 war Belgrad im Kalender bestätigt worden. Die Wahrheit lag also woanders.
"Es war sehr schwer für uns Serben, diese Entscheidung zu treffen, weil wir in Belgrad geboren und aufgewachsen sind", gestand Djordje Djokovic. "Wir hatten die Organisation schon Monate vorher begonnen und mussten alles aufgeben und neu starten."
In Serbien kam der Umzug nicht überall gut an. Mitte Oktober wurde ein im Juli eingeweihtes Wandbild von Novak Djokovic übermalt - seine Silhouette komplett in Schwarz. Kleine Nadelstiche, die viel sagen.

Der "Athener" Djokovic spielt zu Hause

Nun schreibt Djokovic in Griechenland ein neues Kapitel "seines" Turniers. Schon bei den US Open, nach seiner Halbfinal-Niederlage gegen Carlos Alcaraz, sagte er: "Das Saisonende, die Australian Open... In dieser Phase meiner Karriere ist das alles noch weit weg. Das Einzige, was ich weiß, ist, dass ich in Athen spielen werde. Das steht fest."
Mitte September sah man ihn beim Davis-Cup-Duell zwischen Griechenland und Brasilien in Athen. Er warb für das Turnier - mit Erfolg. Die Zahlen der verkauften Tickets können sich sehen lassen, auch wenn das Teilnehmerfeld überschaubar ist. Der kurzfristige Ausfall von Stefanos Tsitsipas wegen anhaltenden Rückenproblemen ist ein Rückschlag. Doch solange "Nole" dabei ist, bleibt der Event-Charakter.
Noch ist er kein Prophet im neuen Land. Beim Euroleague-Spiel der Basketballer von Panathinaikos und Maccabi Tel Aviv im Telekom Center, wo das Turnier steigt, wurde er bei seiner Einblendung auf den Bildschirmen von Teilen des Publikums ausgebuht.
Diese Woche spielt Novak der "Athener" mehr denn je zu Hause. Es ist kein Grand Slam, seine einzige echte Motivation mit 38 Jahren, wie er oft betont. Aber etwas sagt uns: Diesen Moment, auch wenn es "nur" ein 250er mit mäßigem Glanz ist, will er nicht verpassen.
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Highlights: Vacherot setzt Sensationslauf auch gegen Djokovic fort

Quelle: Perform


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