Und das war anscheinend dringend nötig. Er wollte sich die Zeit nehmen, "um den Kopf hoch zubekommen, nach vorne zu schauen und keine dummen Entscheidungen zu treffen". Ein Satz, der kurz vor dem großen Ziel Wimbledon aufhorchen lässt.
Doch das war bei weitem nicht das Einzige, was an diesem Abend nach dem Aus gegen den Kanadier Felix Auger-Aliassime (6:4, 3:6, 2:6) Rätsel aufgab. Statt wie üblich die Fragen der Journalisten auch auf Deutsch oder Französisch zu beantworten, beschränkte sich Federer dieses Mal auf Englisch. Er wolle es "lieber kurz und einfach halten in der Pressekonferenz", erklärte der Maestro.
Zu sehr beschäftigte den Rekordsieger von Halle noch das seltsame Match, das hinter ihm lag. "Ich habe Zeit gebraucht, um den dritten Satz zu verdauen", sagte Federer. Frustriert war der Schweizer mit hängendem Kopf auf dem Platz umher gewandert, nichts wollte mehr gegen den 20 Jahre alten Kanadier gelingen. "Ich war enttäuscht von mir, dass ich zugelassen habe, dass die Punkte so gespielt wurden, wie sie gespielt wurden." Man müsse fokussiert und bestimmt sein, "das war ich im dritten Satz nicht mehr."
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Die negative Einstellung? "Das ist nichts, was mir normalerweise passiert, egal in welcher Hinsicht", gab der zehnmalige Halle-Gewinner zu. Dabei sollte das erste Turnier auf seinem geliebten Rasen eigentlich anders verlaufen. Immer wieder hatte der 39-Jährige betont, dass nun die "wichtigste Zeit" für ihn beginnt. Erst recht nach dem Rückzug von den French Open Anfang Juni. Zu groß war beim ersten Major-Turnier nach zwei Operationen und einem Jahr Reha die Sorge um sein Knie.

Zweifel an Rückkehr auf die Tour

Doch die Sorgen um seine sportliche Karriere sind nach Halle nicht kleiner geworden. Denn wie schwer die Rückkehr wird, ist dem 20-maligen Major-Sieger nun ausgerechnet auf seinem Lieblingsbelag kurz vor dem absoluten Saisonhighlight Wimbledon (28. Juni bis 11. Juli) wieder bewusst geworden. "Man hinterfragt sich schneller" und mache sich Sorgen, "wie man sich am nächsten Tag fühlt, wie sind die ersten Schritte nach dem Aufstehen?"
Fragen nach seinem körperlichen Zustand wich er zwar aus, er habe aber gemerkt, "wie viel ich bei jedem Punkt geben muss". Direkt im Anschluss an die Niederlage habe er sich erst einmal mit seinem Trainer Ivan Ljubicic besprechen müssen, auch "um positiv zu bleiben" und besagte "dumme Entscheidungen" nicht in Erwägung zu ziehen.
Was er damit meinte, weiß Federer wohl nur selbst. Zumindest will er nach der Rückkehr in seine Heimat die nächsten Schritte Richtung Wimbledon planen. Das Rätsel von Halle gilt es dabei erst einmal zu lösen - auch für Federer: "Ich muss jedes Spiel als Information nehmen, um herauszufinden, was los ist."
Wenn er auf seine Spiele zurückschaue, "können diese Dinge passieren", räumte Federer ein: "Aber das Gute ist, dass ich weiß, dass das beim nächsten Mal nicht passieren wird."
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(SID)

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