Philipp Kohlschreiber hätte niedergeschlagen sein können, keine Frage. Fast zweieinhalb Stunden hatte er gekämpft, am Ende vergebens. Ausgerechnet in München, bei seinem liebsten Turnier, wo er mit drei Titeln Rekordsieger ist, war schon in Runde eins Schluss.
Doch Kohlschreiber ist keiner, der so einfach den Tennis-Schläger aus der Hand legt. Niederlage? Na und! Also ging er wieder raus auf einen Nebenplatz auf der Anlage des MTTC Iphitos - und trainierte gleich noch mal ein bisschen.
Kohlschreiber ist jetzt 37 Jahre alt, im Oktober wird er 38. Er war mal die Nummer 16 der Welt, das ist aber auch schon bald neun Jahre her. Derzeit wird er auf Position 114 geführt. Der letzte von acht Siegen auf der ATP-Tour gelang ihm 2017 in Kitzbühel, bis vor einem Jahr seine Wahlheimat. Nein, eine große Zukunft hat Kohlschreiber jetzt nicht mehr vor sich - aber aufhören? "Ich denke nie ans Aufhören", betonte er nach seiner Dreisatz-Niederlage gegen Dominik Koepfer, "mir machts noch unheimlich viel Spaß."
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Also weiter, immer weiter. Oder doch nicht? Im Februar 2020 hat Kohlschreiber die erste Runde in Dubai überstanden, seitdem kein Match mehr gewonnen - bei allerdings auch nur fünf Turnierteilnahmen.
Daher auch das Abrutschen in der Weltrangliste. In München erhielt er eine Wildcard für das Hauptfeld, weshalb ihm die Qualifikation erspart blieb. Daher sagte Kohlschreiber auch: "Die Wahrheit ist: "Ich muss Punkte machen." Sein nächstes Turnier ist deshalb das Challenger in Heilbronn ab 9. Mai. Zweite Liga.

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Abrechnung am Ende der Saison

"Manchmal", sagte Kohlschreiber, "muss man einen kleinen Schritt zurückgehen, um viele gute Matches zu haben", um "Selbstvertrauen zu holen." Es kommen ja bald auch die French Open. Dort wird Kohlschreiber, der immerhin auch 41 Matches für Deutschland im Davis Cup bestritten hat, im Hauptfeld stehen, seinem sogenannten "protected ranking" sei Dank.
In Roland Garros, das wegen Corona diesmal erst vom 30. Mai bis zum 13. Juni gespielt wird, könnte er sich noch für Olympia in Tokio qualifizieren: Ein "Highlight" wäre das. Dafür müsste aber vieles zusammenpassen.
Kohlschreiber verspürt den "Ehrgeiz, den "Wunsch, nochmal gutes Tennis zu spielen". Deshalb hat er sich vorgenommen, "alles zu geben in diesem Jahr", sich jetzt "nochmal voll reinzuhängen".
Am Ende des Saison will er dann abrechnen und sich fragen: "Bin ich noch gut genug oder nicht?" Sprich: "Kann ich noch Toplevel spielen" - oder wird es dann doch Zeit, Abschied zu nehmen. Einen Rückzugsort hat er schon: Seit einem Jahr wohnt er wieder in Deutschland, er hat im Süden von München ein Haus gebaut.
Aber genau genommen wäre es Kohlschreiber schon ganz recht, wenn es auch im kommenden Jahr weiterginge. Toplevel zu spielen, "ich glaube, ich kann das noch".

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(SID)

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