ATP Masters in Rom: Carlos Alcaraz setzt mit Finalsieg gegen Jannik Sinner ein Ausrufezeichen - ein Sieg als "Drohung"
Carlos Alcaraz gewinnt das Masters in Rom nach einem packenden Finale gegen Jannik Sinner. Für den Spanier ist der Sieg nach einer langen Phase ohne Konstanz, insbesondere auf psychologischer Ebene ein immens wichtiger Erfolg - und das kurz vor Beginn der French Open. Für den viermaligen Grand-Slam-Champion ist das eine gute Nachricht, für seiner Konkurrenten dagegen eher eine Hiobsbotschaft.
Alcaraz crasht Sinner-Party im Finale - Highlights
Quelle: Perform
Carlos Alcaraz war zufrieden. "Ich bin stolz auf mich und die Art, wie ich das Spiel angegangen bin. Ich denke, ich habe es mental und taktisch ziemlich gut gemacht", sagte der Spanier auf dem Campo Centrale in Rom.
Gerade hatte er in einem hochklassigen Finale Jannik Sinner 7:6 (7:5), 6:1 geschlagen und zum ersten Mal in seiner Karriere das ATP Masters in Rom gewonnen hatte. Die italienische Zeitung "Tuttosport" schrieb anschließend: "Sinner kämpft in Rom wie ein Löwe, muss jedoch unter Alcaraz‘ tödlichen Hieben kapitulieren."
"Es war keine Achterbahnfahrt. Ich habe mein gutes Niveau das ganze Spiel gehalten. Deswegen bin ich wirklich, wirklich stolz auf alles, was ich heute gemacht habe", führte der 22-Jährige aus.
Man konnte den Eindruck bekommen, dass eine große Last vom viermaligen Grand-Slam-Champion gefallen war, nachdem er den Weltranglistenersten Sinner im zweiten Satz phasenweise regelrecht an die Wand gespielt hatte.
Alcaraz gegen die eigenen Dämonen
Für sich allein genommen wäre dieser Umstand für Alcaraz zwar sicherlich bemerkenswert, aber kein Grund für besondere Jubelstürme gewesen - denn große Erfolge gegen große Namen sind für den Spanier zwar nicht alltäglich, aber auch nichts Neues.
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Highlights: Alcaraz entzaubert Local Hero Musetti im Halbfinale
Quelle: Eurosport
Aber an diesem Sonntag in der Ewigen Stadt spielte der Superstar eben nicht nur gegen Sinner, sondern auch gegen die eigenen Dämonen der vergangenen Monate.
Dem sonst so lockeren und selbstsicheren Alcaraz war seit der 6:7 (3:7), 6:7 (2:7)-Niederlage im Endspiel des Olympischen Tennis-Turniers in Paris gegen Novak Djokovic die Konstanz abhandengekommen.
Auf Erfolge wie Anfang November bei den China Open in Peking oder im Februar in Rotterdam folgten rätselhaft schwache Auftritte wie etwa gegen Tomas Machac im Viertelfinale von Shanghai (6:7 (5:7), 5:7) oder gegen David Goffin in der zweiten Runde von Miami (7:5, 4:6, 3:6).
Alcaraz auf der suche nach Beständigkeit
Zugegeben: Die Krise bei Alcaraz wäre der Karriere-Zenith der allermeisten Tennis-Profis, nur ist der Anspruch des neuen Weltranglistenzweiten an sich selbst ein anderer.
Auch, wenn er Anfang April in der spanischen "GQ"-Ausgabe seine Ambitionen herunterspielte, möchte Alcaraz eben doch die größtmögliche Menge an Turnieren gewinnen.
Mit Blick auf die bevorstehenden French Open (ab 25. Mai live im TV bei Eurosport und im Stream bei discovery+) ist es für den "Erben" von Rafael Nadal daher ungemein wichtig, nicht ständig in der "Achterbahn" (O-Ton Alcaraz) unterwegs zu sein.
Der Trend hatte schon seit einem Monat in die richtige Richtung gezeigt. Gleich bei seinem ersten Sandplatzauftritt der Saison hatte der zweimalige Wimbledonsieger in Monte-Carlo triumphiert.
Alcaraz: Rom plötzlich richtungsweisend
Bei seinem nächsten Auftritt stürmte er in Barcelona bis ins Endspiel, wo er allerdings - Stichwort Achterbahn - im Finale gegen Holger Rune (6:7 (6:8), 2:6) einbrach und die eigentlich für den Anschluss geplante Teilnahme am Masters in Madrid wegen Adduktorenproblemen absagen musste.
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Carlos Alcaraz mit dem Siegerpokal in Rom
Fotocredit: Getty Images
Rom bekam plötzlich einen richtungsweisenden Charakter: Ein vorzeitiges Aus oder Fragezeichen bei der Leistung hätten die Niederlage von Barcelona bestätigt - Zweifel vor Roland-Garros wären vorprogrammiert gewesen.
Der Sieg gegen Sinner am Sonntag macht aus der Pleite gegen Rune auf der Zeitachse seit Monte-Carlo einen Ausrutscher - statt eines ständigen Auf und Ab geht die Tendenz nach oben.
Den Stellenwert der Partie gegen Sinner hob Alcaraz nach dem Match selbst noch einmal hervor: "Jannik zu schlagen, Rom zu gewinnen - beide Dinge zusammen geben mir großes Selbstbewusstsein vor den French Open."
Ein Sieg als "Drohung"
Was für den 22-Jährigen eine gute Nachricht ist, dürfte sich für den Rest des Feldes in Paris wie eine Drohung anhören. Bevor der Spanier in der französischen Hauptstadt ins Geschehen eingreift, will er aber erst einmal ausspannen.
"Ich bin einfach sehr glücklich. Ich werde diesen Moment mit meiner Familie, meinem Team und meinen Freunden, die von zu Hause gekommen sind, genießen. Ein paar Tage Erholung, um zu realisieren, was ich geschafft habe. Das ist auch wichtig", erklärte Alcaraz.
Den Blick gänzlich vom großen Ziel lösen konnte er freilich nicht, weshalb Alcaraz schnell nachschob: "Dann liegt mein Fokus auf Roland-Garros."
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Quelle: Eurosport
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