Eurosport
Magischer Moment
Von
Publiziert 23/01/2009 um 17:47 GMT+1 Uhr
Emotionen pur bei Fabrice Santoro: Der älteste Spieler bei den Australian Open verabschiedete sich in der dritten Runde aus dem Turnier - und zwar für immer. Die Fans bereiteten dem "Magier" ein anrührendes Adieu aus Melbourne.
Fotocredit: Imago
Nach einer Stunde und 40 Minuten war es vorbei. Die 10.000 Zuschauer in der voll besetzten Hisense-Arena erhoben sich von ihren Plätzen und bejubelten den Mann, den sie in den letzten Jahren so sehr ins Herz geschlossen haben und der gerade sein letztes Match bei den Australian Open bestritten hatte.
Fabrice Santoro nahm am Netz die warmen Worte seines Kontrahenten Andy Roddick entgegen, der ihn mit 6:3, 6:4 und 6:2 in der 3. Runde der Australian Open bezwingen konnte. Beide kennen sich lange und schätzen sich. Dass es nun Roddick war, der ihm die letzte Niederlage im Melbourne Park beibrachte, hätte für Santoro kein schönerer Abschluss sein können.
"Fühle mich hier wie Zuhause"
"Das ist ein großer und bewegender Moment für mich, auch wenn Andy mich geschlagen hat", sagte Santoro, der ganz überwältigt schien, dass der Veranstalter ihm auf dem Platz eine Flasche Champagner überreichte. "Ich habe das nicht erwartet. So eine Verabschiedung, und dass ich jetzt zu Ihnen sprechen kann. Das ist etwas viel für mich", fügte Santoro mit leiser Stimme in Richtung der Zuschauer an und kämpfte dabei mit seinen Emotionen: "Wir sind so weit weg von Frankreich und trotzdem fühle ich mich hier wie zuhause."
Nicht nur die Menschen auf den Rängen rührten seine Worte an, auch Roddick zollte dem Veteranen Respekt: "Fabrice ist einfach etwas ganz Besonderes. Ich kann noch nicht glauben, dass er im nächsten Jahr nicht wiederkommt. Dafür ist er einfach zu gut." Doch Santoro beteuerte zwar, auf jeden Fall nach Melbourne zurückzukehren, allerdings ohne seinen Schläger: "Ich komme bestimmt zurück, ich liebe diese Stadt einfach. Sie hat einen besonderen Platz in meinem Herzen. Und dass ich mich jetzt in der 3. Runde auf einem großen Court gegen einen Topspieler vom Melbourne Park verabschieden durfte, ist einfach wunderbar. Das ist doch besser, als in der ersten Runde auf irgendeinem Platz gegen irgendjemanden."
36 Jahre und immer noch ein Kämpfer
Im Dezember hatte Santoro seinen 36. Geburtstag gefeiert, eigentlich wollte er am Jahresende seine Karriere beenden, doch warum sollte er auch nicht noch eine Saison dranhängen? "Der Magier", wie der nur 1,78m große Santoro aufgrund seiner unorthodoxen Spielweise erstmals von Pete Sampras genannt wurde, liegt immer noch auf einem beachtlichen 60. Platz der Rangliste und wird von den meisten seiner Kollegen gefürchtet. Denn der "Schnibbelkönig" versteht es wie kein anderer Spieler, seine Gegner zu entnerven.
Philipp Kohlschreiber war Santoros letztes "Opfer", in fünf Sätzen rang er den elf Jahre jüngeren Kontrahenten nieder, der sich danach über den "Best-of-Five"-Modus beklagte und über Santoro wetterte: "Dem traue ich nichts mehr zu, der wird untergehen in der nächsten Runde." Untergegangen war Santoro gegen Roddick jedoch keineswegs, er tat sein Möglichstes gegen den aufschlaggewaltigen Amerikaner. Beeindruckend war aber vor allem seine Einstellung gegen Kohlschreiber: "Ich habe gewonnen, weil ich nicht verlieren wollte. Ich habe alles gegeben." Daran hätte sich der wenig selbstkritische Deutsche wohl ein Beispiel nehmen sollen.
Santoro einsamer Rekordhalter
Aber auch in anderer Hinsicht ist Santoro eine Klasse für sich, hält er doch den Rekord für die meisten Grand-Slam-Teilnahmen: 66 Mal stand er bei einem der vier wichtigsten Turniere der Saison auf dem Platz, sogar inzwischen 42 Mal in Folge. Mit Melbourne verbinden Santoro allerdings noch ganz besondere Ereignisse: "Von den zehn schönsten Erinnerungen meiner 20-jährigen Karriere waren fünf hier: Das Davis-Cup-Finale 2001, drei Doppel-Finals und mein Viertelfinale 2006. Diese Erinnerungen werde ich immer bei mir tragen."
So wehmütig der Abschied aus dem Melbourne Park auch für Santoro gewesen ist, diese Saison will er auf jeden Fall noch bis zum Ende spielen. Es werden wohl noch einige "magische Momente" dabei auf ihn warten.
Ähnliche Themen
Werbung
Werbung