Federer im Tal der Tränen

Selbst Legende Rod Laver konnte Roger Federer nicht trösten: Der dreifache Champion weinte bitterlich nach seiner Niederlage gegen Rafael Nadal, als der Traum vom 14 Grand-Slam-Titel geplatzt war. Ob er dieses Kunststück jemals schaffe wird, ist offener d

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Auch wenn es die Zeitverschiebung zwischen Los Angeles und Melbourne nicht gut mit Pete Sampras meinte, so saß er doch mitten in der Nacht vor dem Fernseher. Schließlich wollte es sich der einstige Dominator des Herrentennis nicht nehmen lassen, seinem Freund Roger dabei zuzuschauen, wie er im Finale der Australian Open seinen 14. Grand-Slam-Titel gewinnt und so mit ihm gleichzieht.
Doch Sampras bekam ein anderes Novum zu sehen, als das erhoffte: Denn Nadal wurde der erste Spanier der Turniergeschichte, der im Melbourne Park triumphiert. Mit 7:5, 3:6, 7:6, 6:3 und 6:2 rang Nadal den Schweizer in fast viereinhalb Stunden nieder und bezwang Federer damit erstmals in einem Grand-Slam-Finale, das auf Hartplatz ausgetragen wird. Der Melbourne Park war bisher Federers Bastion mit drei Titeln gewesen, ebenso wie Flushing Meadows mit insgesamt fünf. Nadal schien zunächst nur der Herrscher über die rote Asche zu sein, doch auch in Federers Paradies in Wimbledon drang der Spanier zuletzt ein.
"Vergiss nicht, dass du ein großer Champion bist"
Dass es Nadal nun noch ausgerechnet bei seinem "Happy Slam" gelang, traf Federer tief. Wie tief, war zu sehen, nachdem sein Traum von der magischen 14 zerstört war. Federer weinte, er schien untröstlich. Auch der warme Applaus und die Aufmunterungsrufe der 15.000 Zuschauer, die den Schweizer so sehr in ihr Herz geschlossen hatten, vermochten ihn nur schwer aufzurichten.
Federer wollte ein paar Worte des Dankes sagen, doch seine Stimme versagte. Rod Laver war gekommen, um die Trophäe zu überreichen. Der Mann, der als Einziger zwei Mal den Grand Slam gewann und den Federer als einen der größten Spieler der Geschichte verehrt. Vor drei Jahren hatte Laver noch ihm den silbernen Pokal überreicht, auch damals weinte Federer.
Doch da waren es Tränen der Freude und tiefer Rührung gewesen. Nun sagte er in Richtung Laver: "Es bedeutet mir so viel, dass Sie hier sind", und wieder erstickten Tränen seine Stimme. Dann drehte er sich zu Nadal: "Du bist unglaublich, du hast es dir verdient." Mit einem Arm reckte Nadal seine Trophäe in die Höhe, den anderen legte er Federer zum Trost um die Schulter. "Tut mir leid wegen heute", sagte Nadal, "ich weiß, wie du dich fühlst. Aber vergiss nicht, dass du ein großer Champion bist. Du wirst die 14 von Pete sicher bald verbessern."
Schwache Aufschlagquote von Federer
Es hätte alles so perfekt sein können: Federer gewinnt seinen 14. Titel gegen seinen ärgsten Rivalen, der ihn als Nummer eins verdrängt hat, und Laver überreicht ihm den Preis. Doch dass es anders kam, lag vor allem daran, dass Federer in seinem 19. Vergleich mit Nadal nicht seinen besten Tag erwischte.
Besonders mit dem Aufschlag tat sich der Weltranglistenzweite schwer, mitunter lag seine Quote bei eklatanten 37 Prozent. Zudem leistete er sich etliche leichte Fehler mit der Vorhand. "Ich habe beim Aufschlag einen keinen Rhythmus gefunden. Solche Tage gibt es leider", sagte Federer enttäuscht. Viele seiner Fans hatten wohl inständig gehofft, Nadal sei nach seinem Marathonmatch im Halbfinale vielleicht ermüdet, doch das Kraftpaket hatte noch genügend Energie für ein weiteres Fünfsatzmatch übrig. Dennoch spielte auch Nadal nicht konstant auf seinem besten Niveau.
Und so wurde das siebte Final-Duell bei einem Grand Slam der beiden Tennis-Giganten nicht ihr hochklassigstes, und war mit dem epischen Match in Wimbledon im letzten Jahr nicht zu vergleichen. Aber eines der dramatischsten sollte es wohl werden. Wäre Federer im ersten Satz konsequenter gewesen und hätte seinen 4:2-Vorsprung verteidigt, und im dritten Durchgang einen seiner sechs Breakbälle genutzt, um den Satz für sich zu entscheiden, wäre ihm die Verlängerung wohl erspart geblieben. "Viel schlechter hätte ich nicht aufschlagen können und den fünften Satz habe ich auch schlecht gespielt. Im ersten Moment war ich geschockt und enttäuscht und dann realisiert man, dass man es nicht geschafft hat. Das ist eines der Matches meiner Karriere, bei denen ich denke, dass ich es hätte gewinnen müssen", erklärte Federer.
Linkshänder bei Vorteil im Vorteil
Wieder hatte er mit den extremen Spinschlägen des Spaniers und seinen speziellen Kniffen als Linkshänder seine liebe Mühe. "Ich wünschte, ich wäre auch Linkshänder und könnte auf der Vorteilseite so nach außen aufschlagen", merkte Federer frustriert an, doch es war auch seinem teils mäßigen Returnspiel geschuldet, dass er nur 6 seiner 19 Breakchancen nutzen konnte.
Während sich Nadal über seinen 13. Sieg gegen Federer, seinen sechsten Grand-Slam-Titel und den Siegerscheck in Höhe von knapp einer Millionen Euro freute, wird es wohl eine ganze Zeit brauchen, bis Federer diese so bittere Niederlage verarbeitet hat: "Ich liebe dieses Spiel, es bedeutet die Welt für mich. Zu verlieren tut einfach unheimlich weh." Wo und ob er überhaupt mit Sampras gleichziehen wird, ist offener denn je. Denn seit dem Finale von Melbourne steht fest: Die Aufgabe wird für Federer nicht leichter.
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