Alexander Zverev war auch nach dem 7:5, 6:4, 6:3-Sieg gegen Maxime Cressy noch ziemlich erstaunt.
"Ich glaube, ich habe noch nie gegen so einen Gegner gespielt. Es gibt niemanden, der den ersten und zweiten Aufschlag so konstant und so gleich serviert. Das gibt es eigentlich gar nicht", bekannte der Weltranglisten-Siebte im Eurosport-Interview.
Tatsächlich suchte Cressy, seines Zeichens die Nummer 172 im ATP-Ranking, bei eigenem Aufschlag konsequent den Weg ans Netz.
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Zverev reagierte richtig auf die spezielle Taktik seines Kontrahenten - und blieb ruhig. Diese Coolness war eines von drei Assen, das der Hamburger in der Rod Laver Arena ausspielte:

1.) Gewaltiger Aufschlag trotz Handicap

Das Match war gerade einmal 24 Minuten alt, da demonstrierte Zverev, was beim Aufschlag möglich ist. Der 23-Jährige musste beim Stand von 3:4 über den zweiten Aufschlag gehen - und feuerte ein Ass mit 218 km/h übers Netz.

218 km/h mit dem zweiten Aufschlag! Eiskalter Zverev serviert Ass

"Der Aufschlag war beeindruckend", lobte Eurosport-Experte Boris Becker. "Er hat wirklich schön variiert - mal mit einem harten, weichen und einem Kick- oder Spin-Aufschlag", so der zweimalige Australian-Open-Champion.
Diese Qualitäten habe Zverev auch in brenzligen Situationen abgerufen. "Der Gradmesser ist wirklich sein Aufschlag. An guten Tagen ist er vielleicht der beste Aufschläger der Welt." Bemerkenswert: Obwohl Zverev, dem 15 Asse gelangen, Bauchmuskelprobleme hatte, ließ er kein Break gegen sich zu.

Bauchmuskel-Probleme bei Zverev: "Mit Schmerzmitteln gespielt"

"Ich konnte mich nicht frei bewegen und mein Aufschlag war viel langsamer, als er das normalerweise ist. Ich habe mit Schmerzmitteln gespielt", bekannte der US-Open-Finalist von 2020. Vor diesem Hintergrund ist Zverevs Leistung noch höher einzuschätzen.

2.) Stress - welcher Stress?

Cressy kannte nur einen Weg: nach vorne. Nach dem Sprung beim Aufschlag landete der US-Qualifikant weit im Feld und stürmte sofort in Richtung Netz, um den Punkt in bester Serve-and-Volley-Manier abzuschließen.

Highlights | Zverev brilliert gegen Cressy

Das kann den Gegner schonmal aus dem Rhythmus bringen, zumal Cressy vor allem zu Beginn der Begegnung Erfolg hatte mit seiner Methode.
Und Zverev? "Da hast du nie das Gefühl gehabt, dass er irgendwie Stress hat oder Druck aufkommt. Sascha hat das Match mit gutem Tempo begonnen und auch beendet. Er war ruhig", betont Becker.
Durch den glatten Dreisatzerfolg sparte Deutschlands Nummer eins überdies Kraft ein - was ihm in den vergangenen Jahren häufig nicht gelungen war und in der zweiten Woche auf die Füße fiel.

3.) Achillesferse richtig "behandelt"

"Ich habe besser gespielt als in der ersten Runde." Zverev ging aufgeräumt, zufrieden und bestens gelaunt aus der Partie gegen Cressy heraus.
Einen Fehlstart wie noch beim 6:7 (8:10), 7:6 (7:5), 6:3, 6:2 gegen Marcus Giron in der 1. Runde konnte er sich ersparen - was Gründe hatte. Der Hamburger füllte seine Favoritenrolle dieses Mal voll aus und sorgte dafür, dass der Außenseiter zu keiner Zeit das Momentum auf seiner Seite hatte.

Mischa gefällt das: Zverev mit coolem Netzkonter

Und: Becker erkannte in Zverevs Auftreten einen großen Unterschied zur Saison 2020. "Im vergJahr gab es eine Achillesferse, die hieß zweiter Aufschlag. Das ist im Moment nicht mehr der Fall", analysiert Becker den Auftritt des 23-Jährigen. "Für mich ist der Aufschlag seine große Stärke und da muss sich jeder Spieler der Welt warm anziehen." Eine Erkenntnis, die Zverev gefallen dürfte ...
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