485, 289, 112 - Aslan Karatsevs Weltranglistenplatzierungen zum Ende der vergangenen drei Jahre zeigen: Der Mann aus dem Nordkaukasus hat eine lange Reise hinter sich bis ins Halbfinale der Australian Open.
Ob ihn das überrascht? "Ich versuche es zumindest nicht zu zeigen", scherzte der 27-Jährige nach seinem historischen 2:6, 6:4, 6:1, 6:2 im Viertelfinale gegen Grigor Dimitrov.
Nach drei Siegen beim Qualifikationsturnier in Doha löste Karatsev erstmals das Ticket für das Hauptfeld eines Majors-Turniers - um dort unter anderem Diego Schwartzman, Félix Auger-Aliassime und Dimitrov in die Knie zu zwingen.
Australian Open
114 der Welt im Halbfinale! Karatsev schreibt Grand-Slam-Geschichte
16/02/2021 AM 06:46
Allesamt Spieler, die in den Top 20 der Setzliste zu finden waren.

Djokovic: Karatsev noch nie spielen sehen

Nun wartet auf den tapferen Qualifikanten die größtmögliche Herausforderung - die Nummer eins der Setzliste, der Weltrangliste und der Australian-Open-Geschichte: Novak Djokovic
Der gab unumwunden zu, "Karatsev vor den Australian Open noch nie spielen gesehen" zu haben. Djokovic und Karatsev treffen zum ersten Mal aufeinander, man kann aber davon ausgehen, dass der Russe den Serben wesentlich besser kennt als umgekehrt.
Djokovic hat seine Hausaufgaben inzwischen gemacht. "Aslan hat viel Power von der Grundlinie, ist stark auf der Rückhand und hat einen guten Aufschlag", umriss der Titelverteidiger die Stärken seines Herausforderers.
"Natürlich ist es für ihn der größte Erfolg, den er bisher hatte", so der Favorit, der aufgrund seiner Bauchmuskelprobleme auch am Mittwoch nicht trainierte: "Er hat wirklich nichts zu verlieren. Er ist motiviert. Ich erwarte von ihm, dass er rauskommt und alles gibt, um den Sieg zu holen."

Voll auf der Höhe: Djokovics beste Schläge gegen Zverev

Simona Haleps Coach Brad Gilbert fand indes im Gespräch mit der ATP einen kuriosen Vergleich, um den Höhenflug des Sensations-Halbfinalisten zu beschreiben.
Karatsev, so der 59-Jährige, sei "wie so ein englischer Drittligist im Fußball", der aber überhaupt nicht so spielt. "Wenn du beim Match gegen Schwartzman auf der Tribüne gesessen wärst und dir jemand erzählt hätte, dass einer der beiden Spieler auf Platz neun und der andere auf 114 im Ranking steht, dann hättest du gesagt, Schwartzman ist die Nummer 114", so Gilbert.

Karatsev: Der Plan geht auf

Tatsächlich ist es beeindruckend, wie selbstbewusst und souverän dieser Karatsev im Melbourne Park auftritt; und das ohne jede Erfahrung auf diesem Niveau. "Es ist ein unglaubliches Gefühl. Mein erstes Grand-Slam-Turnier, dann gleich Halbfinale. Unglaublich", brach es aus dem Russen heraus. "Eine wunderbare Geschichte", lobte Eurosport-Experte Boris Becker.

Highlights | Sieg gegen Dimitrov: Karatsev schreibt Geschichte

Karatsev folgt taktisch eisern seinem Plan.
"Ich mag die langen Punkte und das Gerenne hinter der Grundlinie nicht so sehr. Daher versuche ich, eng an der Linie zu bleiben." Mit dieser Herangehensweise hat der Außenseiter bislang nur drei Sätze im Turnierverlauf abgegeben. Zwei davon gegen Auger-Aliassime, als er einen 0:2-Satzrückstand wettmachte.

Karatsevs unglaubliche Reise

Dass Karatsev erst im relativ fortgeschrittenen Tennisalter zu einem derartigen Höhenflug ansetzen konnte, lag an dem verschlungenen Weg, den er gehen musste.

Phänomen Karatsev: Das ist der Mann, der Djokovic stoppen will

Geboren in der Kaukasus-Stadt Wladikawkas nahm er in Israel, wohin die Familie gezogen war, mit vier Jahren erstmals einen Schläger in die Hand. Mit 13 Jahren ging es für den jungen Aslan zurück nach Rostov in Russland.
Es folgten Stationen in Moskau, Halle und Barcelona, die von Verletzungen und Unstimmigkeiten mit Trainern begleitet waren. Seit zweieinhalb Jahren lebt Karatsev im belarussischen Minsk, wo er mit Yahor Yatsyk trainiert - und Erfolg hat.

Djokovic: Mit aller Macht Richtung 18. Grand-Slam-Titel

Nimmt man die bisherigen Auftritte des Shootingstars zum Maßstab, dann wird er auch gegen Superstar Djokovic selbstbewusst auftreten.
Karatsev, der in Melbourne schon jetzt mehr Preisgeld verdient hat als in seiner ganze bisherigen Karriere, hat nichts zu verlieren.
Ganz anders die Lage beim Serben, der seinen 18. Major-Titel jagt und sich auf seiner Mission, zum Rekord-Grand-Slam-Champion aufzusteigen, keine Niederlage im Finale leisten kann. Eine sehr, sehr interessante Ausgangslage ...

Das Gelbe vom Ball - der Tennis-Podcast von Eurosport:

Den Tennis-Podcast gibt es bei Spotify, Apple Podcast oder der Plattform deines Vertrauens
Das könnte Dich auch interessieren: "Mag ihn überhaupt nicht": Kyrgios erklärt seine Djokovic-Imitation

Highlights | Nach 0:2-Satzrückstand: Karatsev sorgt für nächste Sensation

Australian Open
Siegesserie ausgebaut: Osaka stürmt ins Halbfinale von Melbourne
16/02/2021 AM 04:22
Australian Open
Spielplan am Dienstag: Zverev fordert Djokovic im Viertelfinale
15/02/2021 AM 09:23