Alexander Zverevs Weg durch das Jahr 2021 war mit etlichen Erfolgen gepflastert. Ein Siegeszug, der zwischenzeitlich in Olympia-Gold gipfelte und mit dem Triumph bei den ATP Finals in Turin die viel zitierte Kirsche auf der Torte erhielt.
Furiose Leistungen, die den Hamburger in den erlauchten Kreis der Weltbesten katapultierten und auch bei den größten Schwergewichten der Branche bleibenden Eindruck hinterließen. "Er ist ein großartiger Spieler und hat sich in den vergangenen zwei Jahren extrem verbessert", lobte Tennis-Ikone Rafael Nadal jüngst im Gespräch mit der "Sport Bild".
Der spanische Superstar, der gemeinsam mit Roger Federer und Novak Djokovic den Rekord für die meisten Siege bei Grand-Slam-Turnieren hält, ergänzte: "Sein Spiel hat die nächste Stufe erreicht. Er hat große Waffen wie seinen Aufschlag und seine Rückhand." Für Nadal steht außer Frage, dass sich Zverev gemeinsam mit Daniil Medvedev und Stefanos Tsitsipas in Zukunft "einen großen Kampf um die Nummer eins liefern" werde.
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Den Platz an der Weltranglisten-Sonne hat Zverev ohnehin fest vor Augen. Bei diesem Vorhaben helfen würden vor allem Grand-Slam-Titel, erstmals eines der wichtigsten vier Turniere zu gewinnen ist nämlich Zverevs zweites ausgerufenes Ziel. “Ich weiß, dass ich nicht weit davon entfernt bin, aber dafür muss ich auch Turniere und Grand Slams gewinnen", sagte Zverev Ende Dezember exklusiv im Eurosport-Podcast Das Gelbe vom Ball.

Zverev: "Es gibt tausend mathematische Spielereien"

Allzu weit ist er tatsächlich nicht von seinen Zielen entfernt. Bei den Australian Open, dem ersten Grand-Slam-Turnier des Jahres, hat der 24-Jährige bereits die Chance, beide Fliegen mit einer Klappe zu schlagen. Allerdings ist der etwaige Sprung an die Spitze an etliche Variablen geknüpft. Vor allem die bekanntermaßen vertrackte Situation Novak Djokovics in Australien dürfte Zverev beobachten. Am Freitag wurde der Nummer eins der Welt von den australischen Behörden erneut das Visum entzogen. Allerdings kann der Serbe vor einem Gericht Einspruch einlegen.
Wird dem Serben der Start endgültig verweigert, würden sich Zverevs Chancen selbstverständlich um ein Vielfaches erhöhen. "Da gibt es tausend mathematische Spielereien, wenn er Australien nicht spielt und ich gewinne die Australian Open, dann bin ich Nummer Eins der Welt und so weiter und so fort", sagte Zverev bei Eurosport.

Becker fordert Zverev: "Wenn es dieses Jahr nicht passiert, dann ..."

Laut des Olympia-Siegers sei freilich "jetzt nicht die Zeit, daran zu denken, sondern die Zeit, sich so gut wie möglich vorzubereiten", allerdings wird er sich bewusst sein, dass er aufgrund der Leistungen der jüngeren Vergangenheit gemeinsam mit Djokovic und Medvedev automatisch zu den drei beziehungsweise zwei (sollte der Djoker nicht teilnehmen) größten Favoriten zählt. Nadal und Tsitsipas, die im Normalfall auch Sieg-Ansprüche stellen würden, müssen ihre Form hingegen nach Verletzungen zunächst noch unter Beweis stellen.

Becker warnt: "Damit muss er umgehen können"

Eine neue Situation für Zverev, wie auch Boris Becker im Eurosport-Podcast Das Gelbe vom Ball unlängst zu bedenken gab. "Die Konkurrenz schläft nicht, die Topspieler haben in der zweiten Woche dann keinen Druck mehr, wenn sie gegen Sascha Zverev spielen", sagte der dreimalige Wimbledon-Sieger und schob nach: "Er ist plötzlich der Favorit und bei ihm erwartet man mindestens das Halbfinale. Das ist eine andere Erwartungshaltung und damit muss man auch umgehen können."
  • Podcast Das Gelbe vom Ball - Becker analysiert den Fall Djokovic:
Becker führte noch einen weiteren Aspekt auf. Zwar zeigte sich der gebürtige Leimener mit Blick auf einen möglichen Zverev-Sieg in Melbourne durchaus optimistisch, er verwies aber auch darauf, dass die aktuelle Situation einen gewissen Zeitdruck mit sich bringe und ein baldiger Grand-Slam-Erfolg nahezu obligatorisch sei.
"Es ist ein zweischneidiges Schwert", so Becker. "Es ist absolut an der Zeit, weil er einfach gut genug ist. Er ist jetzt in der Form seines Lebens und jetzt müssen die großen Titel her! Wenn das dieses Jahr nicht passiert, dann kommt die nächste Generation und der Druck erhöht sich etwas, die Fragen werden lauter."

Alexander Zverev

Fotocredit: Getty Images

Bundestrainerin und Eurosport-Expertin Barbara Rittner sieht Zverev ebenfalls gut gerüstet für den ersten Grand-Slam-Titel. "Mit seinem Lauf seit dem Sieg bei den Olympischen Spielen hat er sich in eine Art Rausch gespielt. Er ist oben auf", sagte Rittner bei Das Gelbe vom Ball. Sie ergänzte: "Privat ist er auch glücklich, da läuft es gut - das haben sie auch überall gezeigt. Ich glaube, er ist wirklich bei sich und gut drauf."
In Australien habe Zverev, der 2020 bis ins Halbfinale vordrang, sich damals aber dem Österreicher Dominik Thiem geschlagen geben musste und im vergangenen Jahr im Viertelfinale an Djokovic scheiterte, bisher immer ein gutes Bild abgegeben, so Rittner weiter: "Es ist eines seiner großen Ziele, dieses Jahr ein Grand-Slam-Turnier zu gewinnen. In Australien hat er immer gut gespielt, warum jetzt nicht direkt das erste im Jahr?"

Rittner: Das gilt es für Zverev zu beweisen

Jedoch erinnerte Rittner auch daran, dass Zverev seine bis dato glanzvollsten Siege bei Best-of-Three-Wettbewerben errungen habe: "Die ganz großen Erfolge, die Sascha bisher hatte, waren in Best-of-3-Matches. So ist er Olympiasieger geworden und hat das Masters gewonnen. Da gilt es seinerseits noch zu beweisen, dass er auch im Best-of-5 die körperliche und mentale Reife hat."
Oder anders gesprochen: Es gilt für Zverev das nachhaltig zu beweisen, was Nadal ihm zuletzt attestierte. Dass "sein Spiel die nächste Stufe erreicht hat".

Podcast - Das Gelbe vom Ball mit Alexander Zverev

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