Australian Open 2022 - Alexander Zverev und sonst nichts? Klartext von Kohlschreiber und Rittner

Philipp Kohlschreiber hat sich bei den Australian Open im Eurosport-Interview sehr kritisch zur Situation im deutschen Herren-Tennis geäußert. "Da kommt zu wenig nach", moniert der 38-Jährige. "Wenn man es realistisch betrachtet, ist es in der Masse für die Anzahl der Menschen, die in Deutschland Tennis spielen, schlecht." Die Ergebnisse von Melbourne - bei Herren wie Damen - stützen die These.

Alexander Zverev - Aushängeschild des deutschen Tennis

Fotocredit: Getty Images

Zwölf deutsche Profis gingen bei den Australian Open im Hauptfeld an den Start - genau einer hat es in die 3. Runde geschafft: Alexander Zverev.
"Sascha ist natürlich immer der Lichtblick, der alles rausreißt", befindet Philipp Kohlschreiber nach seiner Zweitrunden-Niederlage im Gespräch mit Eurosport-Reporter Markus Paszehr. Das dürfe aber nicht darüber hinwegtäuschen, dass "extrem wenig" nachkomme. "Man müsste einfach auch mal kritisch hinterfragen, warum das so ist."
Kohlschreiber verwies dabei auf den französischen Tennisverband, wo sehr viele ehemalige, erfolgreiche Profis involviert seien. Auch in Italien gelinge es in wesentlich besserer Art und Weise, "junge Spieler wie Jannik Sinner oder Lorenzo Musetti" an die Weltspitze heranzuführen.
In Deutschland mangele es hingegen an aufstrebenden Profis, die "so um Platz 200 der Weltrangliste stehen" und die Perspektive hätten, in Richtung Top 100 zu gehen.
Tatsächlich gibt es mit Daniel Altmaier derzeit nur einen Deutschen in den Top 250 der Welt, der 23 Jahre alt oder jünger ist.

Historisches Debakel - Rittner sieht trotzdem Licht

Doch auch die deutschen Damen, in den vergangenen zehn Jahren bestens aufgestellt und von den großen Erfolgen von Angelique Kerber getragen wurden, haben inzwischen gravierende Probleme.
Kerber, Andrea Petkovic und Tatjana Maria mussten in Runde eins die Segel streichen - das schlechteste Abschneiden bei den Australian Open seit 45 Jahren. Bereits die Tatsache, dass nur drei deutsche Spielerinnen im Hauptfeld standen, war ein Offenbarungseid.
"Es ist keine Entschuldigung, aber die Auslosung war hart", urteilt Chef-Bundestrainerin Barbara Rittner bei Eurosport. "Petkovic bekam es mit French-Open-Siegerin Barbora Krejcikova zu tun. Maria kam nach ihrem zweiten Kind toll zurück, traf aber mit Maria Sakkari gleich auf eine Top-8-Spielerin. Für Angie war es schwierig. Sie hatte vorher noch Corona und eine verkürzte Vorbereitung", so die 48-Jährige.
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Droht Grand-Slam-Turnier ohne deutsche Damen? Das sagt Rittner

Quelle: Eurosport

Schon werden Befürchtungen laut, es könne bald zu einem Grand-Slam-Event kommen, das gänzlich ohne deutsche Damen ausgetragen wird.

Grand Slam ohne deutsche Damen?

Rittner widerspricht. "Davon ist in diesem Jahr nicht auszugehen. Kerber und Petkovic spielen ja weiter, dazu kommt Laura Siegemund zurück, die man nicht vergessen darf", erinnert die Eurosport-Expertin. "Aber natürlich sind diese Spielerinnen in einem Alter, in dem sie eine Krankheit oder Verletzung aus der Bahn werfen kann."
Die Gefahr eines Major-Turniers ohne deutsche Beteiligung sei vor diesem Hintergrund nicht ganz von der Hand zu weisen. "Wir müssen uns daher Gedanken um den Nachwuchs machen", betont Rittner.
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Highlights: Kanepi upsets Kerber in first round

Quelle: Eurosport

Es gebe aber keinen Grund zur Panik. "Jule Niemeier ist jetzt 22 Jahre alt und auf dem Sprung in die Top 100. Dann ist da Anna-Lena Friedsam, die nach zwei Schulter-Operationen noch körperliche Probleme hat. Beide verlieren derzeit noch die engen Matches, aber das kann sich sehr schnell drehen", führt Rittner aus.

Rittner lobt: "Deutschland hat tolle Talente im U20-Bereich"

Darüber hinaus habe "Deutschland tolle Talente im U20-Bereich" der Damen. "Alexandra Vecic stand bereits im Halbfinale der Juniorinnen bei den Australian Open. Eva Lys wurde mit jetzt 20 Jahren deutsche Meisterin, Nastasja Schunk war im Juniorinnen-Endspiel von Wimbledon."
Natürlich klaffe noch eine große Lücke zwischen den Youngstern und den arrivierten Profis um Kerber - aus gutem Grund.
"Die Zwischengeneration mit Annika Beck und Carin Witthöft, die beide schon in den Top 50 zu finden waren, ist uns weggebrochen", sagt Rittner, die während ihrer Laufbahn bis auf Rang 24 der Weltrangliste kletterte. "Die haben sich für einen anderen Weg entschieden, was zu respektieren ist. Aber wir müssen auch fair sein und denen, die dahinter kommen, die nötige Zeit geben."
Heißt übersetzt: Das deutsche Frauen-Tennis muss sich bei den Grand-Slam-Turnieren auf eine längere Durststrecke einstellen ...
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