Australian Open - Boris Becker: So coache ich Holger Rune über 16.000 Kilometer Entfernung in Melbourne

Boris Becker und sein Schützling Holger Rune bestreiten bei den Australian Open das erste Grand-Slam-Turnier seit Beginn ihrer Zusammenarbeit - das allerdings unter besonderen Vorzeichen. Becker wird nicht in Melbourne vor Ort sein und das Event als TV-Experte für Eurosport aus München begleiten. Ein Problem? "Nein", sagt Becker und erklärt, wie das Coaching über 16.000 km Entfernung funktioniert.

Becker über Rune-Coaching: "Muss nicht vor Ort sein, denn ..."

Quelle: Eurosport

Wie schwer wiegt die Tatsache, dass Boris Becker bei den Australian Open nicht in der Box von Holger Rune sitzt? Mit belastbaren Zahlen lässt sich die Frage freilich nicht beantworten, dennoch versucht Becker in der Eurosport-Presserunde Licht ins Dunkel zu bringen.
"Mit Holger bin ich jeden Tag in Kontakt, ob das jetzt in Brisbane war oder in Melbourne. Ich muss nicht vor Ort sein, um mit ihm oder - und jetzt kommt der Punkt - mit allen Mitstreitern zu kommunizieren. Das ist eine Teamleistung wie im Fußball oder Basketball", erläutert der 56-Jährige, der Rune seit vergangenem Oktober trainiert.
Man habe "einen Physio, einen Konditionstrainer oder auch einen Experten für die gesamten Fakten" in der Mannschaft. Und: Rune verfüge inzwischen über drei Coaches.
"Ich wurde von seiner Mutter gefragt, ob ich ein Team zusammenstellen kann, um die Weiterentwicklung von Holger zu unterstützen. Da haben wir natürlich mit einigen Trainern geliebäugelt und dann gab es plötzlich die Möglichkeit, Severin Lüthi für uns zu gewinnen, der Roger Federer 15 Jahre lang begleitet hat - mehr muss ich dazu nicht sagen", führt Becker aus.

Lüthi über Rune: "Hand auflegen" alleine reicht nicht

Tatsächlich ist dem Rune-Lager mit der Verpflichtung des Schweizers ein Coup gelungen. Lüthi stand Federer von 2007 bis 2022 zur Seite und begleitete den Basler auf dem Weg zur Sport-Ikone. Nun soll Rune von den Fähigkeiten des 48-Jährigen profitieren.
Lüthi kümmert sich vor Ort in Melbourne um Rune, Becker gibt telefonisch aus dem winterlichen Deutschland Input. "Wenn ich in München bin, bin ich mit einem Ohr immer bei Holger. Wenn es eine Nachricht oder ein Gespräch gibt, werde ich dieses immer führen", versichert Becker.
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Den Coaches ist klar, dass die Aufgabe kein Selbstläufer wird. "Nur weil es bei mir mit Roger klappte und bei Becker mit Djokovic, kommt der Erfolg nicht automatisch", warnt Lüthi. Mit "Hand auflegen" alleine sei es nicht getan.

Becker bildet Trainer-Team mit Lüthi und Carlsen

Becker aber ist froh, dass der einstige Federer-Flüsterer nun im Team Rune wirkt. Mit Lüthi sei "ein mindestens ebenbürtiger Trainer in Melbourne dabei, der Holger nach bestem Wissen und Gewissen" unterstütze. Im Laufe der Saison werde es überdies Wettbewerbe geben, wo sowohl er als auch Lüthi vor Ort seien.
Komplettiert wird die Trainer-Équipe des Weltranglisten-Achten von Kenneth Carlsen. Der 50-Jährige gewann um die Jahrtausendwende drei Titel auf der ATP Tour und galt bis dato als bester dänischer Tennisprofi der Geschichte.
"Kenneth ist in Kopenhagen zu Hause. Das heißt, wenn Holger dort ist, trainiert er mit ihm. Damit hat er drei Coaches für das gesamte Jahr zur Verfügung und was die Erfahrung und die Namen angeht, kann sich dieses Team sehen lassen", betont Becker.
Die Aufteilung des Jobs auf drei Personen sei aber nicht nur logistisch von Vorteil. "Es wäre unklug zu behaupten, dass ein Trainer alles kann. Ich weiß, wo meine Stärken sind, aber auch, was ich nicht so gut kann. Deswegen bin ich froh, dass ich die anderen an meiner Seite habe. Es ist eine echte Teamleistung, einen Weltklassespieler wie Holger zu betreuen", sagt Becker.

Becker: Aclaraz, Djokovic und Sinner machen es genauso

Diese Herangehensweise ist nicht neu. "Carlos Alcaraz, Novak Djokovic und auch Jannik Sinner haben mehrere Trainer bei sich. Insofern ist das mittlerweile Usus", unterstreicht Becker. "Das ist die moderne Form des Trainertums im Tennis."
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Er wolle es Rune darüber hinaus nicht zumuten, ihm 52 Wochen im Jahr auf die Pelle zu rücken, zumal er weitere berufliche Verpflichtungen habe. "Das ist bei den anderen Teammitgliedern genauso. Es geht nicht, dass eine Person alles abdeckt und das gesamte Jahr bei Holger ist", erklärt Becker.
Es gebe in dieser Hinsicht nur eine Ausnahme: Mutter Aneke, die ihren Sohn managt. Becker bezeichnete die Dänin schon zu Beginn der Zusammenarbeit im Eurosport-Podcast Das Gelbe vom Ball als die "Wichtigste" im Team. Der Grund ist simpel: "Ohne sie funktioniert gar nichts." Das dürfte auch in Melbourne so sein.
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