Australian Open - Jannik Sinner Superstar in Italien: "Er verkörpert das schöne Bild - ohne jeden Unterschied"
Jannik Sinner ist auf dem (vorläufigen) Karriere-Höhepunkt angelangt. Der Triumph des Südtirolers bei den Australian Open ist aber weit mehr als "nur" ein persönlicher Erfolg. Es ist ein "epochaler Coup" für Italien, wie Tennis-Experte Simone Pace von Eurosport in Mailand unterstreicht. Die Worte, die Sinner nach dem Erfolg gewählt habe, seien entscheidend für die Zukunft des Sports in der Heimat.
Sinner am Tag nach Triumph: "Begreife langsam, was ich geschafft habe"
Quelle: Perform
Vom 3500-Einwohner-Ort Innichen im Pustertal über Italien in die Welt - Jannik Sinner ist auf bestem Wege, zum wichtigsten Sportbotschafter seines Landes zu werden.
"Er verkörpert das schöne Bild Italiens von Nord bis Süd, von Ost bis West - ohne jeden Unterschied. Sinner exportiert die Marke Italien in die ganze Welt", hebt Eurosport-Redakteur Simone Pace die Bedeutung des Australian-Open-Erfolgs des 22-Jährigen hervor.
"Um besser zu verstehen, wovon wir hier sprechen: Sogar Papst Franziskus äußerte sich zu Sinner und erklärte, dass man aus dem Tennis Lehren für das Leben ziehen kann", führt Pace aus. "Die Wahrheit ist, dass in diesen Tagen in Italien jeder - wirklich jeder - über Sinner spricht."
Der Weltranglistenvierte ist längst angekommen im Olymp des italienischen Sports, befindet sich in Sachen Popularität mindestens auf Augenhöhe mit Fußball-Stars, Olympiasiegern und Helden vergangener Epochen.
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Finale: Sinner mit Mega-Comeback gegen Medvedev - Highlights
Quelle: Eurosport
Natürlich war sein Konterfei, das am Wochenende die Titelseiten der großen Sportblätter zierte. Ob "Corriere dello Sport", "Tuttosport" oder die "Gazzetta dello Sport" - Sinner war überall.
Mit dem Grand-Slam-Erfolg down under habe sich der Youngster schon jetzt "unsterblich" gemacht, war in der "Tuttosport" nachzulesen.
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Pressestimmen zum Sinner-Triumph:
Fotocredit: Eurosport
Sinner folgt Schiavone und Pennetta
Als Sinner nach dem Gewinn des Davis Cup im November zu Gast beim Champions-League-Spiel zwischen Milan und Borussia Dortmund war, skandierten die AC-Tifosi seinen Namen. "Nun ist er noch populärer geworden und im Moment der Sportstar in Italien überhaupt", sagt Tennis-Experte Pace.
Italien mag im vergangenen Jahrzehnt mit Francesca Schiavone (French Open 2015) und Flavia Pennetta (US Open 2010) zwei Grand-Slam-Siegerinnen hervorgebracht haben, Sinner aber dürfte der Tennis-Szene im Apennin einen nicht gekannten Boost geben.
Sinner: "Ich wünsche mir, dass alle Kinder die Freiheit haben"
Das liege neben der sportlichen Klasse und dem sympathischen Auftreten an den Aussagen des Südtirolers im Melbourne, wie Pace erläutert. "Janniks Worte unmittelbar nach dem Triumph waren sehr wichtig. Er sagte: 'Ich wünschte, jeder hätte Eltern wie meine. Sie haben mir immer die Wahl gelassen, mich nie unter Druck gesetzt. Ich wünsche mir, dass alle Kinder die Freiheit haben, die ich hatte.' Wir dürfen hoffen, dass ab sofort viele Kinder in Italien zum Tennis kommen", so der Eurosport-Redakteur aus Mailand.
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Sinner vom Erfolg geschockt: "Ich muss das erst verarbeiten"
Quelle: Eurosport
Sinners Bodenständigkeit kommt an. Da glänzt einer durch sein Spiel, Fairness und ohne markige Sprüche und ein Ego, das den Blick verstellt. "Dort, wo meine Eltern gerade sind, herrschen minus 20 Grad am Morgen. Es ist besser, hier in der Sonne zu rennen", scherzte der Pustertaler im Siegerinterview in der Rod Laver Arena.
Der frischgebackene Champion lässt die Fans teilhaben an seinem Weg, gewährt Einblicke, ohne sich aufzudrängen. "Als ich 14 Jahre alt war, bin ich von zu Hause weggegangen. Ich musste demzufolge ziemlich schnell erwachsen werden und versuchen, für mich selbst zu kochen und Wäsche zu waschen", blickte Sinner auf seinen Werdegang zurück.
Einladungen, PR-Termine, Ehrungen - Ablenkungen für Sinner
Das sei eine einschneidende Veränderung gewesen, "aber auf der anderen Seite war das vielleicht die schnellste Art, erwachsen zu werden". Ein Lerneffekt, der dem 22-Jährigen nur helfen kann, denn klar ist auch: Es werden neue Verlockungen auf ihn zukommen, Einladungen, PR-Termine, Ehrungen. Alles Dinge, die ein hohes Ablenkungspotenzial haben.
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Kyrgios zu Sinner: "Wenn's was zu Trinken gibt, ruf mich an!"
Quelle: Eurosport
Emma Raducanu, die 2021 wie aus dem Nichts die US Open gewann, kann ein Lied davon singen. Die Britin wurde im Jahr darauf als bislang jüngste Frau zum Mitglied des Order of the British Empire ernannt und von allen Seiten massiv umgarnt. Bis heute kann Raducanu, aus unterschiedlichen Gründen, nicht mehr an das Level von damals anknüpfen.
"Sinner im Olymp der Superstars zuhause"
Freilich ist jeder Fall und jeder Profi anders, aufpassen aber muss Sinner schon. Das Scheinwerferlicht wird in den kommenden Monaten noch um einiges greller ausfallen, "denn Jannik ist nun zusammen mit anderen Superstars im Olymp des italienischen Sports zuhause", betont Pace.
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Große Emotionen nach Matchball: Sinner am Ziel seiner Träume
Quelle: Eurosport
Es steht allerdings nicht zu befürchten, dass er sich davon den Kopf verdrehen lässt. Das Team um die Coaches Daren Cahill und Simone Vagnozzi wird ein waches Auge auf Sinner haben - und der erweckt den Eindruck, dass er mit dem Erfolg umgehen kann.
Und wenn der Boden doch zu heiß wird, hat er ja immer noch einen Rückzugsort, an dem er sich bei minus 20 Grad herunterkühlen kann ...
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