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Australian Open: Warum man Novak Djokovic nach Pleite im Halbfinale gegen Jannik Sinner nicht abschreiben sollte
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Publiziert 26/01/2024 um 23:38 GMT+1 Uhr
Novak Djokovics erste Niederlage in einem Halbfinale der Australian Open war für viele ein Schock - vor allem aber für den besten Tennisspieler der vergangenen anderthalb Jahrzehnte selbst. Ist Jannik Sinners größter Karrieresieg nun der Anfang vom Ende der Djoker-Dominanz? Wer sich dieser Frage annähern möchte, muss sich unweigerlich mit der Historie der Olympischen Spiele auseinandersetzen.
Halbfinale: Sinner fegt Djokovic vom Platz - Highlights
Quelle: Eurosport
Wer die Zukunft Novak Djokovics nach der niederschmetternden Niederlage am Freitag bei den Australian Open gegen Jannik Sinner etwas besser einschätzen - ja vielleicht sogar vorhersagen - mag, der muss sich an den 8. August 2016 zurückerinnern.
Djokovic vergoss damals beim Weg vom Platz in die Katakomben, übermannt von den eigenen Emotionen, bittere Tränen. Sekunden zuvor war er überraschend bereits in der ersten Runde des Olympischen Tennisturniers in Rio de Janeiro an Juan Martín del Potro gescheitert. Del Potro, zu der Zeit einer der besten Spieler der Welt, war nach einer Verletzung nicht gesetzt und schlug den Topfavoriten in zwei Tiebreaks.
Nahezu ganz Serbien konnte es nicht fassen. Djokovic hatte gerade erst den Karriereslam vollzogen - die Goldmedaille war fest eingeplant.
Doch Olympia und Novak Djokovic - das war bei bislang vier Teilnahmen wahrlich keine Liebesbeziehung. Für den 24-maligen Grand-Slam-Sieger ist in den Statistiken lediglich eine mickrige Bronzemedaille aus Peking 2008 vermerkt. 2012 ging er als stolzer Fahnenträger seines Landes leer aus. 2021 in Rio wurde er von Alexander Zverev eliminiert und verlor zum Schrecken seiner Landsleute ebenfalls das Spiel um Bronze gegen Pablo Carreño Busta.
An was sich Djokovic jetzt hochziehen kann
Djokovic hat so ziemlich jeden Tennisrekord gebrochen. Seine Hauptkonkurrenten um den Titel des besten Tennisspielers aller Zeiten haben entweder verletzungsbedingt bereits aufgehört (Roger Federer) oder kämpfen mit ihrem Körper gegen die Zeichen der Zeit (Rafael Nadal).
Djokovic mag intrinsisch motiviert sein wie kaum ein zweiter Profisportler - doch auch der Serbe benötigt im Spätherbst seiner Karriere mit 36 Jahren Ziele, an denen er sich nach bitteren Niederlagen, so selten sie auch sein mögen, hochziehen kann.
So durfte es nicht weiter verwundern, dass Djokovic die Olympischen Spiele gegenüber serbischen Journalisten in seiner Muttersprache am Freitag explizit erwähnte, als es um seine Zukunft und Prioritätenliste ging: "Ich habe mir vorgenommen, dieses Jahr alles zu geben, wobei die Priorität auf den Slams und den Olympischen Spielen liegt", erklärte Djokovic, der nachdenkliche Zwischentöne einbaute.
"Wir werden sehen, ob sich etwas ändern wird. In dieser Phase meines Lebens und meiner Karriere sind überraschende Entscheidungen vielleicht eher zu erwarten als vor zwanzig Jahren."
Djokovic machte gegenüber den heimischen Reportern aber deutlich, dass es ihm so kurz nach der Niederlage schwer falle, rational zu denken. "Es gehen einem viele irrationale Gedanken durch den Kopf. Ich möchte, dass meine Gedanken zur Ruhe kommen - wenn ich mich beruhigt habe, werde ich weitermachen und sehen, welche Turniere ich spielen werde."
Djokovic will seine Karriere vergolden
Wer sich genauer mit Djokovic beschäftigt und mit serbischen Kollegen vor Ort in Melbourne spricht, der kann nur erahnen, wie tief Djokovics olympischer Schmerz noch immer sitzt. Paris 2024 ist die letzte Chance, seine Karriere zu vergolden. Und die will Djokovic nutzen, daran ändert auch eines, wie er bekannte, der "schlechtesten Grand-Slam-Matches, das ich jemals gespielt habe" nichts.
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Djokovic: "Eines meiner schlechtesten Grand-Slam-Matches"
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Für Djokovic, der zuvor in zehn Halbfinalspielen in Melbourne noch nie verloren hatte, war die Niederlage gegen Sinner die dritte Pleite in den letzten vier Matches gegen den Südtiroler. Zuletzt hatte dieser Djokovic im Ländervergleich bei den Davis-Cup-Finals besiegt. Am Freitag klappte aus Sicht des Serben wenig, als Hauptproblem sah Djokovic sein Returnspiel.
Bester Returnspieler der Welt hadert mit sich
"Beim Return fehlte mir einfach die Reaktionsschnelligkeit. Ich konnte seinen Aufschlag nicht lesen und ich hatte nie das Gefühl, dass ich bei diesem Schlag Stabilität und Gleichgewicht hatte." Laut Statistik war es das erste zu Ende gespielte Grand-Slam-Match des Djokers, in dem er sich keinen einzigen Breakball herausspielen konnte.
Die endgültige Wachablösung ist noch nicht eingeleitet. Doch die vergangenen Monate haben gezeigt, dass die absoluten Topkräfte der übernächsten Generation wie Carlos Alcaraz und Sinner den Großmeister Djokovic auf den größten Bühnen entschlüsseln können.
Was die Zeichen der Zeit angeht, sollte das irgendwie auch normal sein. Djokovic wird 37, Sinner nähert sich derweil seiner Blütezeit. Von der ist der jetzt schon überragende Alcaraz noch entfernt. Zverev, Stefanos Tsitsipas und allen voran Daniil Medvedev mit Ende 20 sind physisch professionell genug aufgestellt, mit dem Ausnahmeathleten Djokovic mithalten zu können.
Djokovic: "Es tut mir leid"
Djokovic versuchte, ein allgemeines Fazit zu ziehen. Er habe sich bestmöglich vorbereitet, konstatierte aber: "Verschiedene Faktoren haben dazu beigetragen, wie ich gespielt habe. Ich war während des gesamten Turniers weit von meinem üblichen Niveau entfernt, Sinner hat großartig gespielt und sich durchgesetzt. Die Bedingungen waren etwas anders, da ich normalerweise in der Endphase des Turniers abends spiele", erklärte Djokovic, der tatsächlich in einem Halbfinale Down Under noch nie am Abend angesetzt war.
"Das ist Sport, das passiert, es tut mir leid, dass ich so ein schlechtes Match gespielt habe. Am Ende des Tages wurde ich überspielt, es gibt keine Ausreden - ich schüttle Jannik die Hand und sage ihm 'Gut gemacht'", schloss Djokovic seine Presserunde.
Mit den Olympischen Spielen im diesjährigen Kalender sollten Beobachter Djokovic nicht abschreiben. Gleiches gilt wohl ebenfalls für Nadal. Das Olympische Tennisturnier findet bekanntermaßen im Stade de Roland Garros statt.
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