Australian Open: Laura Siegemund lässt die Doppel-Muskeln spielen - Deutsche sorgte in Melbourne für Sensation
Update 15/01/2025 um 16:44 GMT+1 Uhr
Laura Siegemund hat mit ihrem Triumph über die chinesische Olympiasiegerin Zheng Qinwen (7:6, 6:3) in der zweiten Runde der Australian Open 2025 für eine Sensation gesorgt. Wie die Eurosport-Experten Barbara Rittner und Boris Becker in der Analyse aufzeigen, machte sich die 36-jährige Deutsche dabei eine besondere Schwäche ihrer Gegnerin zunutze - und ließ zudem ihre Doppel-Muskeln spielen.
Siegemund exklusiv zum Melbourne-Coup: "Bin so stolz"
Quelle: Eurosport
Es war ein Moment, der entscheidenden Charakter hatte. Kurz zuvor war Laura Siegemund durch ein Break auf 2:0 davongezogen, beim Stand von 40:15 war das sensationelle Weiterkommen gegen Olympiasiegerin Zheng Qinwen zum Greifen nah. Doch dann war Glücksgöttin Fortuna zu einem Spielchen mit der 36-jährigen Deutschen aufgelegt.
Zunächst zimmerte Zheng den Ball millimetergenau auf die Linie, selbst auf den TV-Bildern war kaum zu erkennen, dass er noch im Feld war.
Wenig später profitierte die Chinesin von einem Netzroller. Das Re-Break zum 1:2 war perfekt - doch Siegemund ließ sich davon nicht unterkriegen.
"Dann muss man sagen: Das ist zu gut, da kann ich nichts machen", blickte sie im Anschluss an ihren Triumph über Zheng (7:6, 6:3) im exklusiven Interview mit Eurosport auf die beiden unglücklichen Punktverluste zurück. "In einem solchen Fall muss man dranbleiben, die Chancen kommen wieder."
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2. Runde: Siegemund stoppt die Olympiasiegerin - Highlights
Quelle: Eurosport
Gesagt, getan. Siegemund antwortete mit einem weiteren Break und erstickte die Hoffnungen von Zheng auf ein Comeback im Keim - und fügte ihrem ganz eigenen Märchen ein weiteres Kapitel hinzu.
- Die Australian Open 2025 live und auf Abruf auf discovery+
Siegemund nutzt Zhengs Schwächen optimal aus
Am frühen Mittwochmorgen rang Siegemund zum elften Mal in ihrer Karriere eine Top-10-Spielerin nieder, zum ersten Mal gelang ihr dieses Kunststück aber dabei im Rahmen eines Grand-Slam-Turniers.
"Mit Glück gewinnt man nie", fasste sie ihre Glanzleistung gegen die Nummer fünf der Welt zusammen. Dass ihr Einzug in die dritte Runde der Australian Open kein Zufallsprodukt war, belegen auch die Zahlen. Am Netz avancierte Siegemund zu einer Macht, in 81 Prozent der Fälle ließ sie dort Zheng keine Chance, sicherte sich 13 von 16 möglichen Punkten.
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Tennis - Open Australie - Day 4 : Siegemund defeats the olympic gold medal Zheng
Quelle: Eurosport
Darüber hinaus machte sie sich eine Schwachstelle ihrer 14 Jahre jüngeren Konkurrentin zunutze. 45 Prozent ihrer Schläge hatten Zhengs Vorhand zum Ziel, auch beim Aufschlag sollte dies zum Knackpunkt werden. Ein Umstand, mit dem Zheng gar nicht zurechtkam.
"Gerade diese Spieleröffnung war der Schlüssel, um auch die einzelnen Ballwechsel bestimmen zu können", lobte Eurosport-Expertin Barbara Rittner die Herangehensweise von Siegemund. Am Ende verhalf ihr die richtige Mischung aus Aggressivität und taktischem Feingefühl zum unverhofften Erfolg. "Solche Tage, an denen alles zusammenkommt, gibt es nicht allzu oft", so Rittner. "Rundum ein Sahnetag für Laura."
Siegemund lässt die Doppel-Muskeln spielen
Vor allem ihre Stärke am Netz kommt aber nicht von ungefähr. "Das zeigt auch: 'Mensch, diese Doppel-Spielerei ist auch für etwas gut'", hob Rittner hervor und schob nach: "Abgesehen davon, dass sie dort sehr erfolgreich ist."
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Rittner bewertet Siegemund-Sensation: "Mehr Risiko als normal"
Quelle: Eurosport
Schon oft hat Siegemund gezeigt, dass sie zur absoluten Extraklasse in Doppel und Mixed zählt. Ihre Titelgewinne bei den French Open 2024 und US Open 2016 (Mixed) sowie bei den WTA Finals 2023 und US Open 2020 (Doppel) sprechen eine deutliche Sprache.
"Ihre Erfolge im Doppel und Mixed helfen ihr dabei, auf den großen Plätzen zu spielen", unterstrich Eurosport-Experte Boris Becker auch die psychologischen Vorteile, welche Siegemund aus ihrer erfolgreichen Laufbahn als Doppel-Spielerin ziehen kann.
"Emotional hat sie das sehr geschickt gemacht und Zheng mit ihrem unorthodoxen Spiel aus dem Rhythmus gebracht", so der sechsmalige Grand-Slam-Sieger weiter.
Becker über Siegemund: "Jetzt ist der Weg frei"
"Spiel die Sachen, an denen du gearbeitet hast, die du kannst. Auch unter Druck, lass nicht nach", lautete das Mantra von Siegemund, das sie bestenfalls auch in den kommenden Tagen in Erfolge ummünzen will.
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Becker lobt Siegemund: "Emotional sehr geschickt gemacht"
Quelle: Eurosport
In der nächsten Runde trifft sie auf die Russin Anastasia Pavlyuchenkova. Nach dem Triumph über Zheng eine vermeintlich kleinere Hürde. "Jetzt ist natürlich der Weg frei", meinte Becker. "Normalerweise ist da die Hälfte auf."
Bei den Australian Open steht Siegemund nun zum dritten Mal in ihrer Karriere in Runde drei, weiter ging es bei einem Grand Slam einzig im Jahre 2020 bei den French Open. Damals stand sie im Viertelfinale - an solche Dimensionen denkt die Schwäbin aber noch nicht.
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Laura Siegemund bei den Australian Open
Fotocredit: Getty Images
Siegemund tankt bei Gastfamilie Kraft
Nach ihrem Kunststück gegen Zheng fährt Siegemund erst einmal runter, nimmt sich aus dem Scheinwerferlicht. Dank ihrer Gastfamilie in Black Rock, einem Vorort von Melbourne, fällt ihr das ziemlich leicht.
"Für mich ist das, wie daheim zu sein", erklärte sie das besondere Verhältnis zu der Familie, bei der sie nun seit zehn Jahren in Down Under untergebracht ist. "Wir sind richtig dicke, irgendwie sind sie sogar meine Eltern."
Im Gegensatz zu ihrer Konkurrenz muss Siegemund auf dem Weg zu ihrer Unterkunft mehr Kilomter abspulen. Das nimmt sie aber gerne in Kauf. "So kann man richtig abschalten. Das findet normales Familienleben statt, da steht auch nicht alles kurz still, wenn wir kommen", unterstrich sie.
"Und das ist für mich auch angenehm, um von diesem Tennis-Zirkus wegzukommen", führte sie aus. "Das ist besser als im Spielerhotel, wo man wieder alle Pappnasen sieht", scherzte sie.
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"Was ist denn hier los?" Djokovic punktet wie im Show-Match
Quelle: Eurosport
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