Australian Open: Zverev muss für Grand-Slam-Titel an Alcaraz und Sinner vorbei - Barbara Schett über seine Chancen
VonJan Zesewitz
Publiziert 14/01/2026 um 10:10 GMT+1 Uhr
Alexander Zverev greift zum elften Mal bei den Australian Open nach dem ersehnten ersten Grand-Slam-Titel. Der Finalist des Vorjahres geht mit gemischten Gefühlen aus dem United Cup in das erste Major-Turnier des Jahres - und er hat zwei sehr große Hürden vor sich: Jannik Sinner und Carlos Alcaraz. Die Eurosport-Expertin Barbara Schett ordnete seine Chancen im Exklusiv-Interview ein.
Doppel-Dreamteam? Alcaraz und Sinner schmieden gemeinsam Pläne
Quelle: Perform
"Vor einem Jahr hat Zverev das Finale in Melbourne erreicht", sagte Schett. "Das Problem ist nur: Die Kluft zwischen Jannik Sinner, Carlos Alcaraz und dem Rest der Welt – auch zu Zverev – wird immer größer. Die zwei da vorn sind zurzeit praktisch unschlagbar. Beide in ein und demselben Turnier zu schlagen wird extrem schwierig."
Für die Konkurrenten der beiden Dominatoren keine rosigen Aussichten, aber kein Grund, schon im Vorhinein die Flinte ins Korn zu werfen. Die deutsche Nummer eins trainierte während der kurzen Saisonpause an verschiedenen Schwachstellen.
Der Trainingsfleiß des 28-Jährigen ist in der Tennis-Welt wohlbekannt, die Eurosport-Expertin fürchtete trotzdem alte Muster: "Sie haben an den unterschiedlichsten Dingen gearbeitet – unter anderem auch daran, aggressiver zu sein und häufiger ans Netz zu gehen. Ich weiß aber nicht, ob er diese Passivität, in die er manchmal verfällt, noch wegbekommt. Immerhin war das jahrelang der Fall."
Genau die richtige Balance zwischen Aggressivität und Passivität ist laut Schett der springende Punkt im Unterschied zwischen Zverev und den beiden Überfliegern Sinner und Alcaraz.
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Alexander Zverev nimmt erneut Anlauf auf den Titel bei den Australian Open
Fotocredit: Getty Images
"In den wichtigen Momenten muss er aggressiv bleiben", erklärte sie und brachte ein Beispiel aus einem der letzten Aufeinandertreffen zwischen dem Deutschen und dem Südtiroler: "Im Finale von Wien war Zverev super dabei und wurde für einen Moment wieder zu passiv – dann war Sinner da. Diese Momente darf es einfach nicht geben. Er muss dran bleiben und mutig auftreten. Das klingt alles einfach, ist aber natürlich sehr schwierig umzusetzen."
Beim Finale in Wien gewann Zverev den ersten Satz mit 6:3, bevor er sich nach zweieinhalb Stunden doch noch mit 5:7 im dritten Satz geschlagen geben musste. Bei den beiden nächsten Aufeinandertreffen beim Masters in Paris und den ATP Finals war die Nummer drei der Weltrangliste dann chancenlos (0:6, 1:6 und 4:6, 3:6).
Schett über Zverev: "Er hat eine unheimliche Konstanz"
Der Auftakt in die Saison 2026 verlief für Zverev mit gemischten Gefühlen. Das erste Match des Jahres beim United Cup gewann er gegen Tallon Griekspoor noch ungefährdet (7:5, 6:0), gegen Hubert Hurkacz setzte es aber eine etwas überraschende 3:6, 4:6-Niederlage.
Für Schett aber kein Grund zur Beunruhigung vor den Australian Open: "Er hat eine unheimliche Konstanz, die Spieler hinter ihm in der Weltrangliste schlägt er meistens. Ich glaube, dass er ein gutes Jahr haben wird", sagte die Österreicherin.
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Zverev kassiert erste Saisonniederlage beim United Cup
Quelle: SID
Bei aller Dominanz der beiden Weltbesten - als Weltranglisten-Dritter zählt er in Melbourne zu den Mitfavoriten - Passivität hin oder her: "Er hat alle Schläge", sagte auch die Expertin. "Beim Volley könnte er sich etwas wohler fühlen – es wäre schön, dass er ab und zu nach vorne kommen würde, um Punkte zu machen. Es sind Nuancen, die große Unterschiede machen."
Eine Voraussetzung für ein"gutes Jahr" ist die körperliche Fitness. Gerade im vergangenen Jahr wurde Zverev immer wieder von Verletzungen beeinträchtigt. Eine längere Pause konnte - oder wollte - der Hamburger aber nicht einlegen. Er zählt zu den zahlreichen Spielern, die immer wieder auch lautstark vor einem übervollen ATP-Kalender warnen.
Schett zum vollen Spielplan: "Man muss weise vorgehen"
In der Vielzahl der Turniere und einem hohen Druck, punkten zu müssen, liegt ein gewisser Teufelskreis. "Wenn man als Spieler merkt, wie viel die Konkurrenz spielt, könnte man sich selbst unter Druck setzen. Man könnte meinen, dass man es sich nicht leisten kann, einen Monat auszusetzen", sagte Schett, die dazu rät, sich von diesem Druck etwas zu lösen: "Letztlich ist es jedem selbst überlassen, wie viel man spielen möchte. Man muss nicht überall dabei sein, wo Rauch aufsteigt, sondern weise vorgehen."
Zverev beginnt in Melbourne seine insgesamt 40. Jagd nach einem Grand-Slam-Titel. Dreimal stand er im Finale, zuletzt vor zwölf Monaten in Australien. Die gute Nachricht: Sinner und Alcaraz können frühestens im Halbfinale auf den Deutschen warten. Bis dahin, vergeht bei einem Major-Turnier viel Zeit und für alle Spieler kann Unerwartetes geschehen. Der Titel für Zverev wird aber, das glaub auch Schett, "richtig schwierig".
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Quelle: SNTV
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