Es geht um Vertrauen.
Alexander Zverev braucht ein Umfeld, das den richtigen Ton trifft, die entscheidenden Tipps gibt. "Das ist ein Balanceakt", unterstreicht Boris Becker im Gespräch mit Eurosport-Moderator Matthias Stach. "Aber ich glaube, diesen Balanceakt schafft die Familie Zverev in den vergangenen 18 Monaten", so der sechsmalige Grand-Slam-Turniersieger weiter.
Abzulesen ist das an den großen Erfolgen des 24-Jährigen. Allein in diesem Jahr gewann der Hamburger sechs Titel, mehr als jemals zuvor und mehr als jeder andere Spieler in dieser Saison.
Tennis
Bresnik verteidigt Zverev: "Seine Meinung ist legitim!"
23/11/2021 AM 07:16
Neben der Goldmedaille bei den Olympischen Spielen von Tokio und dem Coup bei den ATP Finals von Turin triumphierte Zverev bei zwei Masters-Events (Madrid, Cincinnati) sowie den Turnieren von Acapulco und Wien.
Für Becker ein klares Zeichen, dass sich mental etwas verändert hat beim Olympiasieger.

Podcast - Das Gelbe vom Ball

"Früher war Sascha vielleicht zufrieden, ins Halbfinale gekommen zu sein oder ein gutes Match gegen Djokovic gespielt zu haben. Aber ich glaube, er hat jetzt zu oft im Halbfinale oder Finale verloren. Das macht den Unterschied aus. Das sind alles Lehrstunden, die tun weh", weiß der 54-Jährige aus eigener Erfahrung.
Zverev gehe "jetzt mit dem einen Ziel ins Turnier: Ich will das Turnier gewinnen, ich will die Trophäe nach Hause bringen. Und das sieht man. Er lässt in der Körperspannung und Konzentration nicht nach."

Becker: Warum Mischa Zverev immer wichtig wird

Die Fortschritte hängen eng mit dem familiären Umfeld zusammen.
Die Aufgaben sind klar verteilt. "Der Vater ist da noch der Chef, aber auch Mischa spielt eine ganz wichtige Rolle", erläutert Becker im Eurosport-Pocast Das Gelbe vom Ball. "A ist er der zehn Jahre ältere Bruder. B war er als Spieler absolute Weltspitze. Mischa mag nicht in den Top 10 gewesen sein, hat aber an guten Tagen fast alle geschlagen. Er weiß also, wovon er spricht."

Becker geht in die Offensive: "Zverev wird 2022 die Nummer eins"

2017 kletterte Mischa Zverev bis auf Platz 25 der Weltrangliste. Seine Karriere hat der 34-Jährige noch nicht beendet, wenngleich er in dieser Saison vor allem bei Challenger-Wettbewerben am Start war. Daneben fungiert er als Manager, Mentor, Trainingspartner und Tippgeber für seinen jüngeren Bruder. Vor allem dann, wenn Papa Alexander Zverev senior nicht mit dabei ist, wie zuletzt in Turin, ist Mischa der wichtigste Ansprechpartner für den Weltranglistendritten - und das in nahezu allen Lebenslagen. Daneben ist auch Mutter Irina häufig mit dem Team auf Tour, auch wenn sie sich in der Box aus Gründen der Nervosität eher seltener blicken lässt.

Zverev setzt voll auf die Familie

Nachdem Zverev in der Vergangenheit mit externen Coaches wie Ivan Lendl oder David Ferrer zusammenarbeitete, legte das Team in diesem Jahr den Fokus wieder verstärkt auf die Familie.
"Ich habe entschieden, zurück zu den Wurzeln zu gehen und dass mir meine Familie beim Training hilft und auch beim Management", erklärte der Tennisstar zu Beginn des Jahres. Der Vater werde "immer mein wichtigster Trainer bleiben".

Zverev-Triumph bei Finals: Monster-Ballwechsel und ein frecher Matchball

Daneben bilden Fitnesscoach Jez Green, Physiotherapeut Hugo Gravil und Sergej Bubka junior, der im Management hilft und als Hitting Partner fungiert, den engsten Kreis. Außerdem wichtig im Zverev-Kosmos: Kumpel Marcelo Melo, der als Doppel-Spezialist auf der Tour spielt und häufig in der Box des Deutschen zu Gast ist.
Und dann ist da seit kurzem noch Sophia Thomalla. Die Moderatorin und der Tennisprofi sind ein Paar. Wenn es die Zeit zulässt, wie jüngst beim Turniersieg in Wien, ist die 32-Jährige ebenfalls bei den Matches dabei.

Becker: "Zverev unberechenbarer"

Das Team Zverev funktioniert. "Man sieht deutlich: Sascha spielt besser Tennis, er gewinnt mehr und ist erfolgreicher. Das liegt auch daran, weil die ganze Familie wunderbar zusammenarbeitet", lobt Becker. "Er ist ein kompletterer Spieler und unberechenbarer geworden."

Läuft Zverev nun Becker den Rang ab? So reagiert die Tennis-Legende

Nun gehe es darum, den Akku zu laden für die Saison 2022. "Ich hoffe, dass er jetzt mal zehn Tage Pause macht - meines Erachtens könnten es auch 14 Tage sein - weil die Saison lang und Australien nicht übermorgen ist. Es wäre toll, wenn er sich im nächsten Jahr daran erinnert, warum er so gut gespielt hat. Weil er eben diese innere Ruhe hat, ein kompletterer Spieler geworden ist - und dadurch einfach saugut Tennis spielt."
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